Intelligente Einlegesohle: Sensortechnik soll Füße bei Diabetes schützen

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Intelligente Einlegesohle: Sensortechnik soll Füße bei Diabetes schützen | Foto: Justine Prüne / Hochschule Osnabrück
Foto: Justine Prüne / Hochschule Osnabrück
Intelligente Einlegesohle: Sensortechnik soll Füße bei Diabetes schützen

Ein neu entwickelter Prototyp für eine mit Sensortechnik versehene Einlegesohle soll dafür sorgen, dass Fehlbelastungen am Fuß frühzeitig erkannt werden. Die Entwicklung eines Maschinenbau-Studenten der Hochschule Osnabrück könnte somit zukünftig ein kostengünstiges und alltagstaugliches Instrument darstellen, um Menschen mit Diabetes vor einem Diabetischen Fußsyndrom zu schützen.

Nach Daten der Deutschen Diabetes Gesellschaft entwickelt etwa ein Drittel der Menschen mit Diabetes im Laufe des Lebens ein Diabetisches Fußsyndrom, rund 850.000 Betroffene pro Jahr. Häufig führen dauerhaft erhöhte Glukosewerte zu Nervenschäden und einer schlechteren Durchblutung. Druckstellen oder kleine Verletzungen bleiben dadurch oft unbemerkt, während Wunden schlechter heilen und sich entzünden können. Fehlbelastungen beim Gehen gelten als zentraler Auslöser dieser Problematik.

Mit diesem Ausgangspunkt beschäftigte sich Moritz Kampe, Maschinenbau-Student an der Hochschule Osnabrück. Er erklärte, sein Ziel sei die Entwicklung eines alltagstauglichen Systems gewesen, das kritische Druckbelastungen früh sichtbar mache und so präventives Handeln ermögliche.

Sensorik direkt in der Einlegesohle

Kampe integrierte für seinen Prototyp Sensorik, Elektronik und Auswertungstechnik in eine flexible Einlegesohle. Fünf Messpunkte erfassen Belastungen an biomechanisch relevanten Bereichen wie Ferse, Vorfuß und Zehen. Grundlage der Messung ist ein drucksensitives Polymer (Velostat), dessen elektrischer Widerstand sich bei Belastung verändert.

Das Material ist zwischen Textilschichten eingebettet und über flache Leitungen verbunden, sodass der Tragekomfort erhalten bleibt. Eine eigens entwickelte Platine verarbeitet die Signale in Echtzeit. Die Energie­versorgung übernimmt eine Knopfzelle, die eine unabhängige Nutzung ermöglicht. Per Bluetooth gelangen die Daten an ein Endgerät, wo ein Algorithmus Schritte, Stand- und Schwungphasen erkennt und die Druckverteilung beim Abrollen berechnet. Diagramme und Heatmaps sollen ögliche Auffälligkeiten unmittelbar sichtbar machen.

Bedeutung für die Prävention des Diabetischen Fußsyndroms

Prof. Dr.-Ing. Jens Schäfer von der Hochschule Osnabrück bewertet das Projekt als wichtigen technischen Beitrag zur Diabetes-Prävention. Er betont, das Vorhaben zeige, dass sich eine medizinisch relevante Überwachung der plantaren Druckverteilung mit einfachen und vergleichsweise günstigen Mitteln realisieren lasse. Der Prototyp erkenne Unterschiede im Gangbild zuverlässig und bilde damit eine solide Grundlage für zukünftige Frühwarnsysteme.

Nächste Schritte und Forschungsperspektiven

Um aus dem Konzept ein marktfähiges Produkt zu entwickeln, verweist Kampe auf weitere notwendige Schritte. Dazu zählen Untersuchungen zur Langzeitstabilität, Anpassungen für den Alltagseinsatz sowie Fragen zur Recyclingfähigkeit intelligenter Textilien. Diese Aspekte sind Gegenstand des Verbundprojekts „ReSiST-AR – Recycling Strategies of Smart Textiles & automated Robotics“. Das Projekt wird vom Land Niedersachsen und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt und läuft von Oktober 2025 bis September 2027.


von Redaktion Diabetes-Anker

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mit Materialien der Hochschule Osnabrück

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  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 4 Stunden

    Mein Abo?

  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

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