Körpergewicht: Wenn gesellschaftliche Vorurteile den Selbstwert beeinflussen

2 Minuten

Körpergewicht: Wenn gesellschaftliche Vorurteile den Selbstwert beeinflussen | Foto: ViDi Studio – stock.adobe.com
Foto: ViDi Studio – stock.adobe.com
Körpergewicht: Wenn gesellschaftliche Vorurteile den Selbstwert beeinflussen

Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber dem Körpergewicht sind weit verbreitet und wirken oft auch in uns selbst. Ein wohlwollender Umgang mit sich selbst kann helfen, Schuld- und Schamgefühle zu durchbrechen und den Selbstwert zu stärken.

Wenige Menschen haben ein neutrales Verhältnis zu ihrem Gewicht. Ganz im Gegenteil: Oft ist das Thema Körpergewicht emotional, also gefühlsmäßig, aufgeladen, insbesondere bei Frauen. Aber warum erscheinen Gewicht und Körperform eigentlich so wichtig?

Gesellschaftliche Ideale und das Selbstwertgefühl

Gewichtsstigmatisierung – die ungerechte und abwertende Behandlung von Menschen aufgrund ihres Gewichts – ist leider tief in unserer Gesellschaft verankert. Zeitschriften, Instagram, TikTok und Co. vermitteln tagtäglich vermeintliche Körper-Ideale, also Vorstellungen davon, wie ein „perfekter“ Körper aussehen sollte. Menschen mit höherem Gewicht sind in Film und Fernsehen deutlich seltener vertreten. Wenn sie doch vorkommen, werden sie häufig mit wiederkehrenden, stereotypen Eigenschaften dargestellt. All das trägt zur Stigmatisierung bei, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene: von negativen Kommentaren bis hin zur Benachteiligung am Arbeitsplatz oder im Gesundheitssystem.

Persönliche Abwertung

Stigmatisierung wirkt allerdings nicht nur im Miteinander zwischen Menschen, sondern auch in uns selbst. Genau deswegen haben viele Menschen ein kompliziertes Verhältnis zu ihrem Gewicht. Wer nicht den gesellschaftlich vermittelten Körper-Idealen entspricht, neigt dazu, sich selbst abzuwerten. Diese Übernahme negativer gesellschaftlicher Urteile über sich selbst nennt man Selbststigmatisierung. Dabei werden gesellschaftliche Vorurteile und Stereotype übernommen, was zu starken Schuld- und Schamgefühlen führen kann.

Selbststigmatisierung zieht oft sozialen Rückzug nach sich und kann beispielsweise dazu führen, dass ärztliche Besuche vermieden werden. Ein erster wichtiger Schritt, diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist, sich diese Mechanismen bewusst zu machen. Dann lohnt es sich, die eigenen Gedanken kritisch zu hinterfragen.

Starkes Übergewicht (Adipositas) ist eine chronische Erkrankung mit komplexen zugrundeliegenden Faktoren. Ein bewusster und mitfühlender Umgang mit sich selbst kann helfen, die Selbststigmatisierung zu reduzieren. Denn Gesundheit beginnt nicht mit Selbstabwertung, sondern mit Selbstfürsorge, einem liebevollen Umgang mit uns und unserem Körper.

Rubrik ÜBER Gewicht

Hier dreht sich alles ums Thema Gewicht. Die Expertinnen Kirsten Metternich von Wolff und Dr. Astrid Tombek geben Tipps und Anregungen. Sie erklären, was rund ums Thema wichtig, hilfreich und interessant ist. Wer Fragen oder Anregungen hat, kann gern eine E-Mail schreiben an: info@metternich24.de. Hier gibt es alle Beiträge aus der Rubrik.


von M.Sc. Psych. Laura Klinker

Laura Klinker ist Psychologin mit der Zusatzbezeichnung „Psychodiabetologie“. Sie ist tätig an der Diabetes-Klinik Mergentheim, bietet Workshops und Vorträge an und betreibt den Podcast „Eine Prise Achtsamkeit“.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (6) Seite 43

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Welt-Adipositas-Tag 2026: Warum Prävention und Therapie gemeinsam gedacht werden müssen
Adipositas betrifft inzwischen einen großen Teil der Bevölkerung – mit wachsenden Folgen für Gesundheit und Versorgung. Zum heutigen Welt‑Adipositas‑Tag 2026 fordern Fachgesellschaften ein entschiedenes Vorgehen: Prävention und Therapie sollen als gemeinsames Konzept gedacht und umgesetzt werden.
Welt-Adipositas-Tag 2026: Warum Prävention und Therapie gemeinsam gedacht werden müssen | Foto: World Obesity Day (WOD)

2 Minuten

Mehr Lebensqualität: Abnehmen – eine schwierige Aufgabe
Wenn schon wenige Pfunde verschwunden sind, atmet die Gesundheit auf. Die Seele freut sich, der Stoffwechsel und jede Körperzelle auch. Nur warum funktioniert es so oft nicht?
Mehr Lebensqualität: Abnehmen – eine schwierige Aufgabe | Foto: Zorica Nastasic – Getty Images

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%