Mit dem spannenden Thema, wie Eltern Geschwisterkindern gerecht werden können, befasste sich Diplom-Psychologe Dr. Berthold Maier aus Bad Mergentheim Ende Oktober 2025 in unserem Webinar für Familien von Kindern mit Diabetes.
In seinem Vortrag hob er hervor, wie wichtig es ist, Geschwisterkinder einzubeziehen, und verwies auf zentrale Faktoren wie den Altersabstand zwischen den Geschwisterkindern und deren Gleich- oder Verschiedenheit. Je nach Alter nehmen Geschwisterkinder die Erkrankung unterschiedlich wahr, Verständnis und Ängste variieren.
Alter beeinflusst Umgang
Ältere Geschwisterkinder kämpfen oft mit dem Gefühl der Entthronung, während jüngere Geschwisterkinder bereits im Familien-Alltag mit Diabetes aufwachsen. Entscheidend sei auch, wie die Eltern mit dem Diabetes umgehen.
Dr. Berthold Maier fasste verschiedene Aussagen einer Studie zusammen. Zu den Aussagen der Geschwisterkinder gehörten unter anderem: „Warum habe ich keinen Diabetes?“, „Schon wieder kann der Ausflug nicht stattfinden, wegen des Diabetes meiner Schwester/meines Bruders …“. Die Studie zeigte ferner, dass manche Geschwisterkinder ihre eigenen Ängste und Sorgen zurückhalten, um die Eltern nicht zusätzlich zu belasten.
Darüber hinaus äußern manche Geschwisterkinder Befürchtungen, selbst an Typ-1-Diabetes zu erkranken. Auch kann es vorkommen, dass sich Geschwisterkinder im Vorschul- oder frühen Grundschulalter die Schuld am Entstehen des Diabetes bei ihrer Schwester oder ihrem Bruder geben, z. B. nach einem Streit.
Tipps für Eltern
Als wichtige Tipps gab Maier den Teilnehmenden mit auf den Weg, den Geschwisterkindern Sicherheit zu vermitteln, verständlich und altersentsprechend über den Diabetes zu sprechen, einen gerechten Umgang mit allen Kindern zu wahren, das Kind mit Diabetes nicht zu bevorzugen oder ständig in den Mittelpunkt zu stellen sowie offen über Gefühle des Geschwisterkindes zu sprechen und Konkurrenzgefühle zuzulassen.
Zudem sollten Eltern aufmerksam bleiben – auch in Bezug auf nonverbale Signale des Geschwisterkindes. Soweit möglich, sollten spezielle Auszeiten für das Geschwisterkind reserviert werden. Ebenso wichtig ist es, dass Eltern Selbstfürsorge betreiben, sich Auszeiten gönnen und Kraft tanken. Das Annehmen des Diabetes und eine gute Integration in den Familien-Alltag fallen dann leichter.
Wir freuen uns, dass unser Webinar mit diesem spannenden Thema den Abschluss des Jahres 2025 bildete und wir aufgrund der großen Nachfrage auch im Jahr 2026 Webinare für Familien mit Typ-F-Diabetes anbieten können.
von Anica Towae, Vorstand des DBW für das Ressort Kinder, Jugend und Familie
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (1/2) Seite 64-65
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