RIN-Talk: Migration, Wissen und Ramadan

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RIN-Talk: Migration, Wissen und Ramadan | Foto: Faize Berger/LinkedIn
Foto: Faize Berger/LinkedIn
RIN-Talk: Migration, Wissen und Ramadan

Mitte Februar fand online der RIN-Talk statt, wo Faize Berger u.a. über den Zusammenhang von Diabetes und Migration und über transkulturelle Patientenbetreuung referierte. Die Unternehmensberaterin ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Migration der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Sie erklärte zuerst die wichtigsten Begriffe im Bezug auf Migration: Migrationsstatus, -hintergrund und -erfahrung. Der Status beinhaltet die persönlichen Merkmale zu Zuzug, Einbürgerung, Geburtsstaat und Staatszugehörigkeit sowie Merkmale der Eltern. Beim Nachweis des Migrationsstatus wird zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden. Eine Person hat eigene Migrationserfahrung, wenn sie im Ausland geboren wurde und Zuwanderin bzw. Zuwanderer ist.

Merkmal Einwanderungsgeschichte

Seit 2023 nutzt das Statistische Bundesamt zunehmend das Konzept der „Einwanderungsgeschichte“, welches stärker Ereignis-bezogen ist als der „Migrationshintergrund“. Einwanderungsgeschichte liegt vor, wenn seit 1950 die Person selbst nach Deutschland eingewandert ist oder beide Elternteile. Dazu zählen auch direkte Nachkommen von Eingewanderten, die in Deutschland geboren, aber deren Eltern beide eingewandert sind.

Dagegen zählen Nachkommen mit nur einem eingewanderten Elternteil nicht dazu. Für eine kultursensible Versorgung ist das neue Konzept nützlich, aber nicht hinreichend. Ein wirksames Versorgungs-Management stützt sich hingegen auf mehrdimensionale Merkmale wie Sprache, Gesundheits-Kompetenz, Soziallage, Aufenthaltsdauer usw.

Diabetes und Migration

Nach Faize Bergers Recherchen bekommen Menschen mit Migrationshintergrund (Migranten) in Deutschland im Durchschnitt um fünf Jahre früher Diabetes als in ihren Heimatländern. In der Altersgruppe 55+ zeigt der Vergleich, dass etwa doppelt so viele Migranten gegenüber Menschen ohne Migrationshintergrund von Diabetes betroffen sind.

Viele Migranten wissen nicht, was Diabetes ist, und kennen vielfach den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Typ-2-Diabetes nicht. Zum Zeitpunkt der Diagnose ist der Typ-2-Diabetes meist wesentlich weiter fortgeschritten, wobei Migranten häufig schlechter über Folge- und Begleiterkrankungen informiert sind.

Dazu zeigt eine Präventions- und Management-Studie aus dem Jahr 2025, dass deutlich mehr Migranten aus u. a. Südasien, Afrika und Lateinamerika, die jetzt in Europa, USA, Kanada oder Australien leben, einen Typ-2-Diabetes haben und teils 10 bis 20 Jahre früher erkranken. Die Ursachen werden in einem Zusammenspiel von biologischen Faktoren, Belastungen durch Lebenslauf und Auswanderung, Kultur, Umfeld sowie sozialen Faktoren gesehen.

Die Regelversorgung zeigt auch nur begrenzt Vorsorge-Effekte. Es zeigt sich, dass kulturell sensible, Community-nahe Programme HbA1c, Gewicht und Blutdruck senken können. Diese Programme erfordern geschulte Fachkräfte und politische Unterstützung. Zum Auswählen erfolgreicher Programme sollten Forschung und Politik die Langzeitwirkung in großen Populationen prüfen und ggf. standardisieren.

Tipps für das Fasten

Danach gab Diabetesassistentin Johanna Karapinar Tipps zur Beratung von Patientinnen und Patienten mit Fastenwunsch im Ramadan. Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, der jedes Jahr in einen anderen Zeitraum fällt. In diesem Monat fasten gläubige Muslimas und Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Nach Sonnenuntergang erfolgt nach dem Fastenbrechen eine Zeit mit erhöhter Essens- und Getränke-Aufnahme, welche mit der letzten Mahlzeit vor dem Beginn der Dämmerung am Morgen endet.

Diese verschobenen Esszeiten können bei Menschen mit Diabetes zu gesundheitlichen Problemen führen. Aufgrund der Erkrankung kann auf das Fasten verzichtet und es können Alternativen gewählt werden, z. B. einer anderen Person in der Zeit das Essen zu finanzieren.

Fasten im Ramadan – 11 Regeln von Diabetesassistentin Johanna Karapinar

  • viel Flüssigkeit nach dem langen Fastentag
  • Integration eines großen Anteils von proteinreichen Lebensmitteln in jede Mahlzeit
  • zur vitaminreichen Versorgung im Fastenmonat ausreichend Gemüse essen
  • zwei Handportionen Obst und Vollkorngetreide zu sich nehmen
  • Sauermilchprodukte integrieren
  • weniger fettreiche Speisen zu sich nehmen, denn sie machen müde und träge
  • weniger stark gesüßte Speisen (z. B. mit Zuckersirup) verzehren
  • keine Morgenmahlzeit vor der Dämmerung ausfallen lassen
  • viele wasserreiche Speisen aufnehmen
  • langsam und bewusst essen
  • moderater Sport und Bewegung sind wichtig, auch während der Fastentage

Bei vorhandenem Fastenwunsch sollte als Erstes mit der Ärztin bzw. dem Arzt geklärt werden, ob der aktuelle Gesundheitszustand Fasten erlaubt. Das lange Fasten birgt bei Menschen mit Diabetes, die Blutzucker-senkende Medikamente nehmen und/oder Folgeerkrankungen haben, ein hohes Gesundheitsrisiko aufgrund möglicher Extremwerte des Blutzuckers.

Ein sehr hohes Risiko besteht auch, wenn während der letzten drei Monate vor dem Ramadan eine schwere Unterzuckerung oder eine massive Entgleisung wegen Überzuckers aufgetreten war. Fällt trotz der Risiken die Entscheidung für das Fasten, sollte man sich in seiner Praxis beraten lassen, idealerweise etwa sechs bis acht Wochen vor dem Fastenbeginn. Möglicherweise sollten auch die notwendigen Medikamente angepasst werden.

Wichtig sind regelmäßige und häufigere Blutzucker- bzw. Gewebezucker-Kontrollen während des gesamten Tages. Das Fasten sollte auf jeden Fall unterbrochen werden bei Werten unter 70 mg/dl bzw. 3,9 mmol/l und über 300 mg/dl bzw. 16,7 mmol/l.


von Sabine Härter

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (5) Seite 76-77

➤ zur Beitragsübersicht von Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes – LV NRW e.V.


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  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂