Selbsthilfe aktiv in Niedersachsen: Der Landesdiabetestag begeisterte Wilhelmshaven

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Selbsthilfe aktiv in Niedersachsen: Der Landesdiabetestag begeisterte Wilhelmshaven | Foto: DNI
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Selbsthilfe aktiv in Niedersachsen: Der Landesdiabetestag begeisterte Wilhelmshaven

Zwischen Innovation, Austausch und überraschenden Perspektiven wurde der Landesdiabetestag im Gorch-Fock-Haus in Wilhelmshaven zu einem lebendigen Treffpunkt der Selbsthilfe für fast 2000 Besucherinnen und Besucher – mit Impulsen, die weit über den Tag hinauswirkten.

Laut Programm sollte der erste Landesdiabetestag der Diabetiker Niedersachsen um 11 Uhr beginnen. Doch schon lange vorher zeigte sich: Das Interesse war größer als erwartet. Der Andrang vor dem Gorch-Fock-Haus wuchs stetig, erste Gespräche entstanden bereits vor den Türen.

So entschieden wir uns kurzerhand, die Pforten früher zu öffnen. Kaum geschehen, strömten die Besucher herein, orientierten sich, suchten gezielt bestimmte Stände oder fanden sofort neue Bekanntschaften in angeregten Gesprächen. Schnell füllten sich die Gänge, Stimmen vermischten sich zu einem steten Grundrauschen. Ein guter Start für eine lebendige Veranstaltung, die anscheinend einen Nerv traf.

Markt der Möglichkeiten: vielfältig, direkt, gefragt

Im Zentrum des Geschehens stand der „Markt der Möglichkeiten“ im Kinau-Saal des Gorch-Fock-Hauses – und seinem Namen wurde er mehr als gerecht. Über 20 Aussteller präsentierten hier ihre Angebote und wurden im Laufe des Tages von annähernd 2000 Besuchern intensiv zu ihren Angeboten befragt.

Es wurde ausprobiert, nachgehakt, diskutiert. Kein Stand blieb lange ohne Besucher. Gerade diese unmittelbaren Gespräche machten den Wert aus: Informationen wurden nicht nur aufgenommen, sondern eingeordnet und hinterfragt. Neben etablierten Anbietern wie Insulet, Roche, Abbott, Dexcom, VitalAire, Ypsomed, Ascensia und Kaleido sorgte besonders Newcomer Medtrum für Aufmerksamkeit.

Dr. Fred Schaebsdau, Country General Manager bei Medtrum, stellte in einem Q&A das Hybrid-Closed-Loop-System „TouchCare Nano“ vor und traf hier auf gewaltiges Interesse. Die Teilnehmenden zeigten sich merklich beeindruckt von den Möglichkeiten der bei den Einheiten äußerst flexiblen Insulinpumpe.

Auch die örtliche Selbsthilfe-Kontaktstelle präsentierte sich. | Foto: DNI
Auch die örtliche Selbsthilfe-Kontaktstelle präsentierte sich. | Foto: DNI

Ideen, die bewegen

Ein besonderer Anziehungspunkt war der Stand der Typ-F-Selbsthilfegruppen aus Niedersachsen. Dort präsentierten u. a. zwei Sechstklässlerinnen ihr „Jugend forscht“-Projekt – und zogen damit zahlreiche Familien an. Ihre Idee: Blutzuckermessgeräte mit Hüllen in Form von Spielfiguren zu versehen, um bei kleinen Kindern mit Diabetes Typ 1 die Akzeptanz der Blutzuckermessung zu steigern. Am eigens eingerichteten Sondertisch erklärten die Mädchen engagiert ihr Projekt und beantworteten geduldig Fragen. Doch dabei blieb es nicht: Sie konnten vor Ort auch zahlreiche Familien für eine erweiterte Studie zur Thematik gewinnen.

Ein Projekt für „Jugend forscht“ bekam einen eigenen Tisch im Angebot unserer Selbsthilfegruppen. | Foto: DNI
Ein Projekt für „Jugend forscht“ bekam einen eigenen Tisch im Angebot unserer Selbsthilfegruppen. | Foto: DNI

Volle Vorträge, lebendige Diskussionen

Parallel zum Messegeschehen waren die drei Vortragsräume meist stark frequentiert, oft bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben klassischen Themen wie Herzgesundheit, Leber oder dem Nutzen einer Haferkur sorgte insbesondere Chefarzt Dr. Cord Skamira vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg für intensive Gespräche. Seine Thesen zur Rolle des Fettgewebes bei Diabetes Typ 2 wurden auf den Gängen weiterdiskutiert. Sein bewusst schlichtes Fazit erschien vielen nach seinem Vortrag in einem ganz neuen Licht: „Es hilft, ab und zu mal ein bisschen weniger zu essen.“

Auch eher randständige Themen fanden großen Zuspruch. Dr. Andreas Möller vom HNO-Zentrum Nordwest stellte anschaulich den Zusammenhang zwischen Schlaf-Apnoe und erhöhtem Blutzucker dar. Dr. Marcus Schmitt vom Klinikum Wilhelmshaven beleuchtete neue Therapie-Möglichkeiten für verschiedene Typ-3-Diabetesformen – verständlich, praxisnah und mit reger Beteiligung aus dem Publikum.

Ernährung verständlich für alle

Für einen überfüllten Saal sorgte der Vortrag „Ernährung ist kein Feind“ von WETID-Entwickler Heiko Scharfenort. Sein Ansatz, komplexe Zusammenhänge verständlich und alltagsnah zu erklären, traf auf große Resonanz. Viele Zuhörer erhielten hier erstmals eine klare Orientierung, was bei der Ernährung mit Diabetes wirklich zählt. Zum Abschluss der Veranstaltung gab Scharfenort zudem einen Überblick über die neue App „WETID-MyDia“, die im Vergleich zu früheren Versionen deutlich erweiterte Funktionen bietet – ein echtes Upgrade, nicht nur ein Update.

Volle Vortragsräume waren keine Seltenheit, wie hier bei WETID-Entwickler Heiko Scharfenort. | Foto: DNI

Begegnungen auf Augenhöhe

Was diesen Landesdiabetestag besonders machte, war neben der inhaltlichen Vielfalt vor allem die engagierte Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die unkomplizierte Kooperation mit gleich zwei Kliniken aus Wilhelmshaven und Bad Lauterberg erwies sich als echter Mehrwert. Viele der beteiligten Mediziner waren auch nach ihren Vorträgen auf den Gängen präsent, ansprechbar und offen für individuelle Fragen. Diese direkten Gespräche wurden intensiv genutzt und machten den Tag für viele Besucher erkenntnisreich und wertvoll.

Ein Tag, der nachwirkt

Am Ende bleibt ein klares Bild: ein intensiver, lebendiger Tag, der Information, Austausch und neue Impulse miteinander verband. Egal ob Typ 1, Typ 2, Typ F oder Typ 3 – für jeden fand sich ein Angebot, das im Alltag wirklich weiterhilft – und das alles von Patienten für Patienten.

Unser Landesvorsitzender Arnfred Stoppok fasste es gegenüber der Wilhelmshavener Zeitung treffend zusammen: „Wir freuen uns sehr, dass so viele Betroffene, Angehörige, Interessierte und Vertreter medizinischer Berufe heute hier nach Wilhelmshaven gekommen sind. Das ist für uns die beste Anerkennung für die großartige Arbeit in den Selbsthilfegruppen und zeigt, dass Selbsthilfe auch in Zukunft neben den Fortschritten in der medizinischen Diagnostik und Therapie eine starke Rolle spielen wird.“


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (5) Seite 74-75

zur Beitragsübersicht von Diabetiker Niedersachsen e.V.

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  • tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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