Diabetes e.V. – Da kommt man nicht mehr raus!

3 Minuten

Diabetes e.V. – Da kommt man nicht mehr raus!

Motivation monatlich_4_Christian Purschke
Quelle: Christian Purschke

Diabetes ist eine Krankheit. Darüber diskutiere ich auch nicht mehr, es ist so. Ärzte sind damit beschäftigt, Forscher auch und die Krankenkassen ebenso. Natürlich reden wir uns gerne mal ein, dass es sich bei Diabetes „nur“ um ein Handicap handelt oder eine Einschränkung. Ein kleiner Fehler in unserem Leben, der nicht weiter schlimm ist, sondern nur dazu führt, dass wir ein bisschen besser aufpassen müssen als „die Anderen“. Die nennen wir übrigens gerne „stoffwechselgesund“, was ja schon impliziert, dass wir „stoffwechselkrank“ sind.

Das schreibe ich jetzt aber nicht, um für schlechte Laune zu sorgen oder für eine möglichst hohe Zahl auf dem Behindertenausweis. Es ist nur so: Wenn ich erzähle, dass ich Diabetiker bin, ernte ich in den allermeisten Fällen mitleidige Blicke. Das habe ich gerade am vergangenen Wochenende wieder erlebt. Und dann kommt meine übliche Leier, dass ich gut damit leben kann, dass ich alles essen darf, dass ich sogar Sport mache und dass ich nichts dafür kann. Tabletten? Nein, die helfen bei mir nicht. Und dann kommt meistens der Spruch mit dem „schweren Diabetes“.

Darf ich Diabetes mit einem Verein vergleichen?

In meinem Blog habe ich mal Joachim Fuchsberger zitiert, der einen Sohn an Typ-1-Dabetes verloren hat und der immer wieder sagte, Diabetiker seien nicht krank, sondern lediglich bedingt gesund. Dieser Satz hat mich seit Beginn meiner Zeit mit Diabetes geprägt und immer wieder aufgebaut. Dennoch bleibe ich bei meiner Aussage, dass Diabetes sehr wohl eine Krankheit ist. Aber eben zum Glück eine, die nicht unmittelbar sichtbar ist und auch eine, mit der man wirklich gut leben kann. In der letzten Folge dieser Kolumne ging es ja genau um dieses Thema und ich habe die steile These aufgestellt, dass es den Betroffenen schlagartig besser geht, die aktiv und motiviert mit dem Thema umgehen. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass man in einen gefährlichen Strudel gerät, der immer größere Kreise zieht (Folgeschäden, Depressionen, Koma…). Und jetzt sage mir nochmal einer, Diabetes sei keine Krankheit.

Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich diese Krankheit mit einem Verein vergleiche, dem man auf Lebenszeit beigetreten ist. Es ist schon eine wirklich coole Szene, die sich da mit diesem einen Thema befasst. Man trifft sich, man tauscht sich aus, man startet gemeinsame Aktionen und man verfolgt ein gemeinsames Ziel: ein besseres Leben mit der Krankheit. Mit diesem Vergleich muss ich vorsichtig sein und hoffe, nicht falsch verstanden zu werden. Könnte ich austreten – ich würde es sofort tun. Aber das geht nun einmal nicht und so macht man eben das Beste daraus.

Austritt nicht möglich, die Mitgliedschaft ist lebenslang verpflichtend

Die Mitgliedschaft in diesem Verein ist ziemlich teuer und man muss einiges dafür opfern. Aber man geht mit vielen Fragen des Lebens bewusster und vielleicht auch offener um. Selbstverständlichkeiten, für stoffwechselgesunde Menschen nicht weiter erwähnenswert, sind für Vereinsmitglieder täglich zentrale Elemente (gute Werte oder eine halbe Tafel Ritter Sport zum Beispiel). Und man sollte die Mitgliedschaft nutzen, um jeden Tag ein kleines Stückchen mehr zu genießen. Denn viele Nichtmitglieder können das vor lauter Alltag und Normalität gar nicht.

Wie jeder Verein muss auch dieser Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Es gibt viel zu tun, denn es kursieren jede Menge Vorurteile und falsche Annahmen. Je mehr Menschen mithelfen, desto besser geht es dem Verein und seinen Mitgliedern. Und natürlich gibt es auch passive Mitglieder, die entweder nicht aktiv dabei sein möchten oder die Aufnahmekriterien nicht erfüllen.

Die aktiven Mitglieder dieses Vereins haben – wie in fast jedem Verein üblich – einen großen Vorteil: Sie motivieren sich gegenseitig. Gemeinschaft macht stark, das gilt hier mehr denn je. Und so blüht und floriert das Vereinsleben, auch wenn nicht immer alle Mitglieder froh und glücklich sind. Aber wie soll das auch gehen bei so vielen Menschen? Da gibt es immer mal einen, der unzufrieden ist. Aber auch der wird von der Gruppe gestützt und schnell wieder auf die richtige Spur gebracht.

Genug gesponnen. Das klingt vielleicht alles irgendwie abgedreht, aber ich finde den Vergleich gar nicht so abwegig: ein exklusiver Zirkel von Menschen, die ein gemeinsames Interesse teilen und das Beste daraus machen wollen – eben Diabetes e.V. Passt doch – oder was meint Ihr?


Hier kommt ihr zum nächsten Teil von Christians „Motivation monatlich“: Meine Familie, mein Praxisteam, meine Diabetes-Lobby

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL-Cholesterin-Senkung

Bereits eine kurze, strikt durchgeführte Haferkur mit Kalorienreduzierung kann den Fettstoffwechsel über mehrere Wochen positiv beeinflussen. Darauf weist eine Studie der Universität Bonn hin, die den Effekt einer intensiven Haferzufuhr über zwei Tage auf den LDL‑Cholesterin-Spiegel bei Menschen mit metabolischem Syndrom untersuchte.
Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL‑Cholesterin-Senkung | Foto: sonyakamoz – stock.adobe.com

3 Minuten

Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen | Foto: K. Kraatz/MedTriX

5 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 6 Tagen, 22 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

Verbände