CE-Kennzeichnung: Hauptsache, es explodiert nicht!

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CE-Kennzeichnung: Hauptsache, es explodiert nicht!

Im Rahmen einer Studie für ein neues Glukosemessgerät, an der Jana Einser teilgenommen hat, offenbarte sich unserer Kolumnistin, dass die CE-Kennzeichnung wohl keine Aussagekraft bezüglich der tatsächlichen Zuverlässlichkeit eines damit versehenen Geräts hat. Sie wünscht sich daher strengere Regeln und Kontrollen.

Bisher war ich optimistisch, was die Sicherheit von Produkten angeht, die in den europäischen Markt gebracht werden. Denn für mich galt die CE-Kennzeichnung sozusagen als Güte­siegel und Garantie, dass das jeweilige Produkt alle Anforderungen, die es erfüllen muss, erfüllt.

Zweifel an Zuverlässigkeit und Nutzen der CE-Kennzeichnung

Mein Optimismus bröckelte mehr und mehr: Berichte von Forschern über unzuverlässig messende Blutzuckermessgeräte, die man aber problemlos in Deutschland kaufen konnte, weil sie mit einem „CE“ gekennzeichnet waren, machten mich, wie auch die Forscher, stutzig.

Nun aber ist mein Glaube an die Zuverlässigkeit und den Nutzen der CE-Kennzeichnung endgültig dahin. Warum? Ich nehme an einer Studie teil, in der ein neues Glukosemessgerät getestet wird, das vor allem ermöglichen soll, zu messen, ohne sich selbst verletzen zu müssen – allerdings erst nach einer „blutigen“ Kennenlernphase des Anwenders.

Am Anfang dachte ich, als mir die ersten überhaupt nicht passenden Glukosewerte angezeigt wurden, das hinge mit der Kennenlernphase zusammen – klingt ja logisch. Dass die Werte Humbug waren, konnte ich anhand meines eigenen Blutzuckermessgeräts und meines CGM-Systems feststellen. Auch mein Befinden sprach oft eine andere Sprache.

Wir brauchen strengere Regeln und Kontrollen!

Nach einigen Wochen bin ich desillusioniert: Die gemessenen Werte passen oft weiterhin nicht, manchmal merkt das Gerät das sogar selbst und gibt lieber keinen stichfrei gemessenen Wert an. Wenn ich mich mit meinen Therapieentscheidungen nach diesen Werten richten würde, wäre das Chaos perfekt! Andere Diabetiker haben Vergleichbares berichtet.

Aber auf diesem Gerät steht ein „CE“. Was sagt mir das, wenn das Gerät absolut unzuverlässig ist und erst noch in Studien geprüft wird – obwohl der Hersteller auf seiner Seite angibt, dass seine Produkte in großen klinischen Studien überprüft seien und höchste Standards erfüllten? Offenbar ist eine CE-Kennzeichnung möglich, ohne dass Anforderungen an die Messgenauigkeit erfüllt sind – die Hauptsache ist wahrscheinlich, dass es beim Einschalten nicht explodiert und mir um die Ohren fliegt.

Klar ist deshalb: Wir brauchen dafür strengere Regeln und Kontrollen!


von Jana Einser

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (10) Seite 82

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  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 23 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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