Zu Stein gewordene Kontrolle

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© Kenny10/oversnap - iStockphoto
Zu Stein gewordene Kontrolle

Die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten ist für viele Menschen essentiell wichtig. Und auch beim Diabetes-Management geht es ja darum, seine Werte möglichst gut zu kontrollieren. Doch ab wann sollte man auch einmal loslassen dürfen? Darüber hat sich Alex Adabei Gedanken gemacht.

Ein Spaziergang durch unseren Ort. 4.000 Einwohner, viele Einfamilienhäuser. Vorgärten aus Stein – gepflastert, geschottert, mit Kies vollgeschüttet, in der Mitte eine einsame Zypresse. Pflanzen, Vögel, Insekten? Fehlanzeige.

Angst vor dem Kontrollverlust

Um was geht es hier? Ich denke: um Kontrolle. Hier soll nichts wachsen, nichts fliegen, nichts huschen, das nicht die ausdrückliche Erlaubnis dazu hat. Hier herrscht die Angst, die Angst davor, dass “die Natur” nicht mehr zu bändigen ist, nicht mehr beherrscht werden kann. Ein Garten ist nie “wilde”, sondern geordnete Natur. Aber warum machen Menschen ihre Umwelt zu einer monotonen Steinwüste? Liegt es daran, dass die Welt für viele immer weniger übersichtlich wird? Kann eine bestens kontrollierbare Kiesfläche die Illusion schaffen, das Leben an sich beherrschen zu können?

Auch ich möchte mein Leben unter Kontrolle haben. Und wenn ich unter Stress stehe, geht mir Unordnung mehr auf die Nerven als sonst. Ich möchte dann aufräumen, die Kontrolle zurückgewinnen. Wie geht es Menschen, die mehrere Variablen in ihrem Leben ständig kontrollieren müssen?

Wie geht es Ihnen, die Sie jeden Tag mehrmals Ihre Zuckerwerte kontrollieren müssen, die Sie in gewissen Grenzen kontrolliert essen müssen und vielleicht auch ihr Maß an Bewegung kontrollieren und an die chronische Krankheit anpassen müssen? Das macht doch etwas mit jedem einzelnen Menschen, der mit Diabetes lebt, diese ständige Kontrolle?

Müssen wir nicht auch einmal loslassen dürfen?

Heute nutzen immer mehr Menschen mit Diabetes die Möglichkeit, mit Hilfe neuer Messsysteme jederzeit einen kontrollierenden Blick auf ihren Zuckerwert werfen und den Verlauf verfolgen zu können. Manche Nutzer kommen nicht damit zurecht, immer Bescheid zu wissen – und doch nicht die vollständige Kontrolle über die Reaktionen ihres Körpers erreichen zu können. Wie ist das: Wünschen sich viele Diabetiker die völlige Beherrschbarkeit ihrer Werte?

Ja, Kontrolle ist wichtig. Aber haben wir nicht die viel größere Kontrolle über unser Leben, wenn wir den Punkt kennen, an dem wir auch einmal loslassen dürfen? Ich denke, es ist wichtig, eine gute Balance zu finden zwischen Kontrolle und langer Leine – und im Garten dem prallen Leben eine Chance zu geben.

von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (5) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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