Zünsler im Buchs, Diabetes im Kopf

2 Minuten

© Christian Mentzel
Zünsler im Buchs, Diabetes im Kopf

Mühselig, zeitaufwändig … eine richtige Sisyphusarbeit – bei der Abwehr einer Invasion von Buchsbaumzünslern in ihrem Garten entdeckt unsere Kolumnistin Alex Adabei Parallelen zum Leben mit Diabetes.

Ich bin auf der Jagd. Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand schnappe ich mir die Raupen des Buchsbaumzünslers, die sich in den zwei großen Buchsbäumen breitgemacht haben. Unzählbar viele Raupen sitzen auf Blättern und Ästen und haben einen Riesenappetit. Große Bereiche der Buchse sind schon braun und verdorrt.

Diesen Kampf kann ich nicht gewinnen, denn die Sträucher sind bestimmt vier Meter hoch. Trotzdem bin ich sehr aktiv: Morgens vor der Arbeit ziehe ich Handschuhe über und schaue ganz genau hin. Kaum habe ich eine Raupe entdeckt, nehme ich sie in den Pinzettengriff und lasse sie sofort in einen Eimer mit Wasser fallen. Wäre kein Wasser im Eimer, würden die Raupen in Nullkommanix an der Eimerwand wieder nach oben kriechen. Abends starte ich eine weitere einstündige Sammelaktion.

Mühselig, zeitaufwändig … eine Sisyphusarbeit!

Das alles ist mühselig, kostet Zeit und gleicht einer Sisyphusarbeit, weil ich ja weiß, dass ich niemals alle Raupen entdecken und erreichen kann. Außerdem schließt sich das Zeitfenster: Haben die Zünslerraupen genug gefressen, verpuppen sie sich, und schließlich schlüpfen kleine Schmetterlinge, eben die Buchsbaumzünsler. Die leben neun Tage und können in dieser Zeit bis zu 150 Eier legen.

Warum erzähle ich Ihnen das? Ist ja das Diabetes-Journal hier, keine Gartenzeitschrift. Na ja, ich habe zwar selbst keinen Diabetes, aber er bestimmt meinen Arbeitsalltag. Ich versuche also herauszufinden: Wie fühlt sich jemand, der Diabetes hat?

Meine ganz persönliche Art, etwas mehr Verständnis zu entwickeln

Ist es überhaupt o. k., Zünsler und Diabetes zu vergleichen? Aber es schwirrt mir nun mal im Kopf herum: Die Diagnose “Zünsler” war ein Schock (googeln Sie mal nach Bildern!). Es ist klar, dass ich niemals alle Raupen erwischen werde – trotzdem will ich ihnen nicht das Feld überlassen.

Ich investiere viel Zeit (die mir anderswo fehlt), um sie in Schach zu halten. Ich sehe Erfolge, denn sicher wäre der sieben Meter breite Buchs noch kahler, wenn ich nicht Hunderte Raupen abgesammelt hätte. Zudem bildet der Strauch an schon völlig kahlen Zweigen neue, zartgrüne Triebe. Das rührt mich und gibt mir das Gefühl: Wir sind Partner!

Sehen Sie die Parallelen zum Diabetes? Wenn nicht, würde mich das nicht wundern. Es ist eben meine ganz persönliche Art, etwas mehr Verständnis zu entwickeln.


von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (7) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 4 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 22 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 2 Tagen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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