- Aus der Community
Bewertung? Nein, danke!
2 Minuten

Die Macht der Sprache: Tine mag es überhaupt nicht, wenn von „guten“ und „schlechten“ Glukosewerten die Rede ist. Wieso sie sich daran stößt und welche Alternativen sie für geeigneter hält, verrät sie in ihrer Kolumne.
Ein Herzensthema von mir ist Sprache, die wir in Zusammenhang mit Diabetes oder anderen chronischen Krankheiten verwenden oder die von anderen über uns verwendet wird. Denn unser aller Denken und Handeln, wie wir in der Gesellschaft miteinander umgehen, wie wir leben mit Diabetes, das alles wird von unserer Sprache maßgeblich beeinflusst!
Sprache wandelt sich stetig, sie passt sich einer wachsenden und sich verändernden Gesellschaft an, ist immer auch politisch. Daher versuche auch ich, meine Sprache ständig anzupassen, mehr dazu zu lernen, sie immer inklusiver zu gestalten.
Ich wusste es bis vor einigen Jahren auch nicht besser
Vor einiger Zeit kam ich mit einer Bekannten ins Gespräch, mit der ich normalerweise eher wenig zu tun habe. Neben dem üblichen Smalltalk brachte sie natürlich irgendwann meinen Diabetes auf den Tisch, auch wenn ich das selbst nicht unbedingt gebraucht hätte (er muss echt nicht dauernd Thema sein, nimmt er doch in meinem Leben wirklich schon genug Platz ein).
Ob ich denn gute Werte hätte oder schlechte, fragte sie mich. Einfach so, vollkommen ohne Kontext, eine sehr persönliche Frage. Ich war irritiert, und die Worte kreisten sofort in meinem Kopf umher. In mir drehte sich alles. Ich musste mich sehr konzentrieren, kniff meine Augen zusammen, legte meinen Kopf in die Schräge und schaute sie an.
Was sind gute, was sind schlechte Werte? Natürlich ist mir bewusst, dass sie diese Worte nicht böswillig wählte oder, um mich bewusst zu bewerten. Sehr wahrscheinlich war ihr nicht klar, was sie mit den Worten alles ausdrückte. Ich kann das gut verstehen, denn ich wusste es bis vor einigen Jahren auch nicht besser und sprach selbst von guten und schlechten Werten.
„Schlecht“ ist mit „minderwertig“ oder „ungenügend“ assoziiert
Wenn der Arzt nur von guten und schlechten Werten (anstatt von hohen und niedrigen Werten und Werten im Zielbereich) spricht, brennt sich das schnell in den eigenen Sprachgebrauch ein und wird erst mal nicht in Frage gestellt. Schlechte Werte lösen dann häufig unterbewusst etwas im Kopf aus, das spüren lässt: Wir haben etwas falsch gemacht, wir sind schlecht, wir sind unsere schlechten Werte.
Hören oder sagen wir das Wort „schlecht“, assoziieren wir damit Wörter wie „minderwertig“ oder „ungenügend“. Damit geht eine sofortige Bewertung der Blutzuckerwerte einher, teilt sie in zwei Lager: gute Werte hier, schlechte Werte dort.
Ich möchte nicht, dass sich Menschen in 2019 noch jedes Mal schlecht fühlen müssen, wenn ein Wert über den Zielbereich hinausschießt. Wir sind nicht besser oder schlechter, weil der Wert mal bei 92 (5,1), mal bei 200 mg/dl (11,1 mmol/l) steht. Wir haben schon genug zu tun mit diesem Job, der 24/7 an uns klebt und für den wir keinen Lohn bekommen. Seid gut zu Euch!
Eure Tine
Blood Sugar Lounge
und schreibt regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (10) Seite 44
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community

3 Minuten
- Aktuelles

2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
123novesia postete ein Update vor 1 Tag, 4 Stunden
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
Wir freuen uns auf Euch! 🙂Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im September – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 8. September! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
lena-schmidt postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im August – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]





Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena