Dexcom G7: Zwei Frauen mit Typ-F-Diabetes, zwei Testberichte – Teil 1

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Dexcom G7: Zwei Frauen mit Typ-F-Diabetes, zwei Testberichte – Teil 1

Maren und Lara waren zum Dexcom-Warrior-Event in Berlin eingeladen – und durften sogar spontan den Dexcom G7 testen. Was die beiden als Frauen mit Typ-F-Diabetes davon mitgenommen haben und wie ihre Testberichte ausfallen, berichten sie hier – los geht es mit Teil 1 von Maren.

Erster Tag mit dem Dexcom G7

Als Kathi Korn mir im Rahmen des Dexcom-Warrior-Events, bei dem meine Tochter Nonie und ich u.a. unsere persönliche Diabetesgeschichte erzählen durften, Anfang 2023 in Berlin anbot, doch auch einmal für zehn Tage einen Dexcom-G7-Sensor zu tragen, schaute ich sie ungläubig an. Ich? Wie kam sie nur darauf? Aber letztlich sahen mich mindestens 16 Typ-1-Augen, allen voran Nonie, erwartungsvoll an und da kam dann kein Kneifen mehr in Frage. Also setzten Nonie und Kathi mir den Sensor und ich bekam für diese Zeit ein Lesegerät bereitgestellt, welches ich unabhängig vom Handy nutzen konnte.

Linkes Foto: Kathi Korn (rechts) und Maren; rechtes Foto: Sabrina Schmidt (links) und Maren | Fotos: Maren Sturny

Im weiteren Verlauf des Events wurde ich dann gleich einmal rot, denn der erste Alarm an dem Tag, der bimmelte, kam von mir selbst und nicht von einem der anwesenden „Typ-1er“. Ich brauchte etwas, um zu kapieren, dass MEIN Gerät hier gerade Alarm geschlagen hatte. 68 mg/dl (3,8 mmol/l). Ich war so baff, dass ich erst daran dachte, ein Foto zu schießen, als der Wert schon wieder auf 70 mg/dl (3,9 mmol/l) gestiegen war.

Nonie kümmerte sich rührend und nahm mir übrigens auch gleich nach dem Setzen des Sensors das Lesegerät ab. „Das mache ich jetzt“, sagte sie und strahlte dabei über beide Ohren. Allein dafür hatte es sich schon gelohnt. Als ich mit diesem niedrigen Gewebezuckerwert neben ihr saß, ich hatte zugegebenerweise an dem Tag noch nichts gegessen und fühlte mich auch wirklich ein wenig schlapp, versorgte sie mich mit ihren Lieblings-„Hypo“-Snacks, bis mein Wert sich bequemte, aus dem Tief herauszukommen.

Sensorbedingten Schwankungen

In den ersten 24 Stunden mit neuem Sensor kann es immer wieder auch zu sensorbedingten Schwankungen der Gewebezuckerwerte kommen, da sich das System erst anpassen muss. Dennoch glaube ich, dass der Wert wirklich recht niedrig war, denn mir war in dem Moment schon schummrig zumute gewesen. Und, das habe ich gelernt, jeder spürt einen niedrigen Wert anders und hat auch einen anderen Schwellenwert, ab wann dieses Gefühl zuschlägt.

Der Rest des Tages verlief recht unspektakulär. Ich wurde aufgrund meiner extrem stabilen Werte im Bereich von 90-120 mg/dl (5,0-6,7 mmol/l) von der T1D-Community liebevoll als Streberin bezeichnet und vergaß dann auch stundenlang wieder, dass ich überhaupt einen Knopf im Arm hatte.

Zweiter Tag mit dem Dexcom G7

Vor dem Heimflug stellte ich mir dann die Frage, wie ich durch die Security kommen würde, denn ich hatte ja gar keine Genehmigung bei mir so wie meine Tochter, wenn sie fliegt, für ihr Diabetesequipment, das sie immer bei sich trägt. Aber ich passierte die Kontrolle ohne Probleme. Im Flugzeug dann nach langem mal wieder ein Blick auf das Lesegerät: Der Peak um 10h, konnte das der Stress sein, also das Adrenalin, als ich fast den Bus verpasst hatte und deshalb durch die Straßen Berlins gehetzt war? Ich hielt es für möglich und es ist bis heute meine plausibelste Erklärung, denn auch manche T1D-Spitzensportler haben z.B. vor allem vor und bei ihren Wettkämpfen diese Peaks.

Foto: Maren Sturny

Es kamen dann noch zwei weitere Spitzen hinzu: Um 15h trank ich am Flughafen in München einen großen Starbucks Chai Latte. Der vertrug sich wohl nicht so gut mit meinem Gewebezucker, auch in den Tagen darauf nicht, was ich bis heute nicht so wirklich verstanden habe. Nur ein bisschen Honig und in der Version zuhause noch nicht einmal Sirup, sondern echter Tee. War es der Haferdrink? Falls jemand eine Erklärung parat hat, gerne heraus damit. Gegen 18h stresste ich mein System dann bewusst mit fünf großen Haribo-Colaflaschen und siehe da, wieder ein Ausschlag.

Peaks auch bei Menschen ohne Diabetes

Mein etwas ernüchtertes Resümee dieser ersten beiden Tage: Menschen ohne Diabetes können sehr wohl Peaks im Gewebezucker aufweisen, die 140 mg/dl (7,8 mmol/l) und sogar 180 mg/dl (10,0 mmol/l) übersteigen können. Das hatte Matthias Steiner mir in Berlin schon angedeutet, weil auch seine Frau so einen Test bereits gemacht hatte und es bei ihr ebenfalls zu Peaks gekommen war.

Allerdings gingen die Werte dann auch recht schnell, also innerhalb von zwei Stunden auf natürlichem Wege wieder hinunter. Hätte ich allerdings die Aussage von Matthias nicht noch frisch in Erinnerung gehabt, wäre ich schon arg verunsichert gewesen, denn ich hatte im Kopf, woher auch immer, dass Menschen ohne Diabetes gar nicht über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) bzw. im Worst Case über 160 mg/dl (8,9 mmol/l) ansteigen können. Weit gefehlt, danke für diese Erkenntnis.

Foto: Maren Sturny

Dritter Tag mit dem Dexcom G7

Wenn ich zuhause in meinem eigenen Trott lebe, esse ich in der Regel vor 13 oder 14 Uhr gar nichts und habe auch keinen Hunger. Entsprechend glatt und unspektakulär verlief meine Kurve. An jenem Tag nahm ich die erste Mahlzeit um 15h zu mir: verschiedene belegte Vollkornbrote, einen Ingwershot und einen Hibiskustee mit Honig gesüßt. Der Peak ließ nicht lange auf sich warten. Eine halbe Stunde lang lag mein Wert bei 178 mg/dl (9,9 mmol/l).

Und ich hatte das Gefühl, diesen für mich eher hohen Wert auch zu spüren: eine eindeutig verschwommene Sicht, meine Augen sind im Zuge meines Älterwerdens derzeit meine Schwachstelle, und ein Schwächegefühl, also irgendwie war ich groggy und antriebslos. Ein interessanter Einblick in die Reaktion meines Körpers bei hohen Blutzuckerwerten und sicherlich eine Erkenntnis, die mir von nun an nützen würde.

Später am Abend machte ich nochmal den Colaflaschentest und bums, wieder ein Peak, dieses Mal sogar bei 210 mg/dl (11,7 mmol/l), mein bisheriger Spitzenreiter. Es war also am Tag zuvor kein Zufall gewesen, davon war ich nun überzeugt.

Quelle: Maren Sturny

Nach diesem dritten Tag festigte sich meine neu gewonnene Überzeugung, dass auch Menschen ohne Diabetes Blutzuckerschwankungen haben konnten. Dass auch ich tiefe Werte bekommen konnte, war mir auch vorher bereits bewusst gewesen, aber den Überzucker hatte ich bisher kategorisch ausgeschlossen.

Ich schlussfolgerte daraus für unseren normalen Familienalltag mit Diabetes Typ 1, dass immer einmal ein hoher Wert nach dem Essen durchaus normal sein konnte. Es war nur wichtig, dass man ihn durch die Gabe von Insulin zum Essen und ggf. Korrekturinsulin im Anschluss schnell in den Griff bekam, so, wie mein eigener Körper mit funktionierenden insulinproduzierenden Betazellen diese kurzzeitigen Peaks ja auch schnell wieder in den Griff bekam.

Vierter Tag mit dem Dexcom G7

Am vierten Tag gab es Perlcouscous mit Salat und Zucchini, dazu Wasser. Mein Wert blieb konstant bei 110 mg/dl, auch mit der Nektarine zum Nachtisch. Diese Kohlenhydrate (KH) machten meinem System also anscheinend nicht zu schaffen, sondern nur die sogenannten schnellen KHs, die „Typ-1er“ bevorzugt als schnellen „Hypo”-Snack einsetzen. Nach dem Perlcouscous kam dann auch nichts mehr und ich erinnerte mich schmunzelnd an den ersten Tag beim Dexcom-Event und dachte nur bei mir: „Streberin“ ;-).

Fünfter Tag mit dem Dexcom G7

Genauso streberisch startete der fünfte Tag, an dem ich bis 15:30h gar nichts aß, sondern nur Wasser trank.

Foto: Maren Sturny

Und mit dem Muster setzten sich die folgenden Tage dann fort ohne große weitere Erkenntnisse. Mein eigenes Leben mit Sensor war halt wirklich letztlich doch langweilig gegen Nonies oftmals aufregende Achterbahnfahrt mit diversen Challenges für Hirn und Gemüt. Und so vergaß ich die meiste Zeit, dass ich den Sensor überhaupt trug.

Achter Tag mit dem Dexcom G7

Am achten Tag riss ich mir den Sensor dann nach dem Duschen heraus beim Abtrocknen, weil ich überhaupt nicht aufpasste, als ich mir über den Arm wischte. Es tat überhaupt nicht weh, ich ärgerte mich nur, wie ich das so komplett vergessen konnte, und wunderte mich gleichzeitig, dass sich der Sensor doch so leicht herausreißen ließ. Passten denn „Typ-1er“ wirklich immer und immer auf beim Abtrocknen? Ging das bei denen, die einen Sensor und einen Katheter nutzten, in Fleisch und Blut über? Stoff für nächste persönliche Gespräche…

Andererseits auch ein gutes Zeichen, dass ich den Sensor einmal mehr komplett vergessen hatte, war dieser Fremdkörper für mich halt nun wirklich überhaupt nicht spürbar. Die Druckstellen und Pflasterreste, bei denen ich anfangs davon ausging, dass sie mich noch eine Weile begleiten würden, hatten sich ein paar Stunden später komplett und ohne Nachwirkungen in Luft aufgelöst.

Fotos: Maren Sturny

Bilanz

Dieser Test hat sich für mich gelohnt, danke, liebe 16 Augen, für eure überzeugenden Blicke. Nun verstehe ich meinen Körper in Bezug auf die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten besser und weiß, dass auch Menschen ohne Diabetes zumindest kurze Zuckerpeaks außerhalb des Zielbereichs von 70-180 mg/dl (3,9-10,0 mmol/l) haben können. Und ich weiß nun auch, wie sich diese Peaks, wenn ich darauf achte, bei mir ganz persönlich anfühlen können, auch ohne Sensorkontrolle.

Nicht erstaunlich, aber immerhin eine Bestätigung: Mir scheint eine bewusste Ernährung ohne schnelle KHs gutzutun und bei stabilen Werten und einer entsprechend glatten Kurve fühlte ich mich am wohlsten. Die Durchschnittswerte waren dann allerdings doch wieder streberhaft und eher langweilig, ich geb’s ja zu: 97% im Zielbereich, der sehr niedrige und der niedrige Wert kamen dabei vom ersten Tag direkt nach dem Setzen und ein Durchschnittswert von 114 mg/dl (6,3 mmol/l).

Nun konzentriere ich mich in Zukunft wieder voll auf die Unterstützung meiner Tochter bei ihrem täglichen Diabetesmanagement, denn das ist um einiges aufregender. Danke, Dexcom, für diese Gelegenheit, einmal Aufschluss über meine ganz persönliche Gewebezuckerkurve zu erhalten und meine Learnings nun in meinen eigenen Alltag integrieren zu können.


Im zweiten Teil berichtet euch Lara, wie ihre Erfahrung als Mensch mit Typ-F-Diabetes war, einen Glukosesensor testen zu dürfen.


von Maren Sturny

Maren war Autorin in der Blood Sugar Lounge und hat dort aus dem Leben mit Diabetes berichtet. Hier findet ihr alle Beiträge aus dieser Zeit:

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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