Erfahrungsbericht: Meine Reise mit Diabetes – voller Höhen und Tiefen

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Erfahrungsbericht: Meine Reise mit Diabetes – voller Höhen und Tiefen | Foto: grandfailure – stock.adobe.com
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Erfahrungsbericht: Meine Reise mit Diabetes – voller Höhen und Tiefen

Der Erfahrungsbericht von Meule* zeigt seinen Weg mit Typ‑1‑Diabetes: von der frühen Diagnose über belastende Phasen in der Jugend bis hin zu neuem Halt durch Unterstützung und Austausch. Eine Reise voller Höhen und Tiefen, doch heute blickt er gestärkt auf ein neues Kapitel seines Lebens.

Hinweis: In diesem Beitrag geht es um sensible Themen wie Suizid

Dieser Beitrag behandelt Themen wie psychische Krisen und Suizid. Wenn dich das Thema belastet, überlege bitte vor dem Weiterlesen, ob dies ein guter Zeitpunkt dafür ist. Wenn du Unterstützung brauchst, findest du hier eine Liste mit Angeboten zur Unterstützung und akuter Hilfe.

Hey, ich bin Meule, 24 Jahre alt und komme aus NRW. Heute möchte ich euch meine ganz persönliche Geschichte erzählen – meine Dia-Story. Es ist eine Reise mit Höhen und Tiefen, die mich geprägt hat. Also, lasst uns gemeinsam eintauchen.

Der Anfang: Diagnose und erste Schritte

Alles begann in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober 2007 – eine Nacht, die mein Leben für immer verändern sollte. Etwa fünf Wochen zuvor hatte ich einen grippalen Infekt überwunden, doch irgendwie fühlte ich mich danach nicht mehr wie zuvor. Ich erinnere mich an ein Wochenende bei meinem Onkel, an dem ich unglaubliche Mengen Eistee getrunken hatte – zwei Sixpacks à 1,5 Liter waren leer. Damals machte sich niemand große Gedanken darüber.

In den folgenden Wochen verschlechterte sich mein Zustand zunehmend: Ich verlor Gewicht, konnte kaum noch essen und fühlte mich immer schwächer. Der Besuch beim Kinderarzt brachte zunächst keine Klarheit – „Hustensaft und abwarten“, hieß es. Doch es wurde nicht besser, im Gegenteil. Schließlich ging es spät abends am 12. Oktober ins Krankenhaus. Ich war so schwach, dass der Taxifahrer mir beim Aussteigen helfen musste.

Die Diagnose kam in der Nacht: Diabetes Typ 1. Mein Blutzuckerwert lag bei über 600 mg/dl (33,3 mmol/l). Ich erinnere mich noch genau an die Worte des Arztes an meine Mutter: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag – Ihr Sohn hat Diabetes.“ Es war ein Schock, aber auch der Beginn einer neuen Realität.

Die Jugend: Kampf gegen den Diabetes

Die ersten Jahre nach der Diagnose waren geprägt von Schulungen und dem Versuch, die Krankheit zu verstehen und zu kontrollieren. Doch als Jugendlicher wollte ich oft einfach nur normal sein – ohne diese ständige Kontrolle und Einschränkungen. Es gab Momente, in denen ich meinen Diabetes regelrecht hasste und ihn ignorierte. Ich testete Grenzen aus, spritzte viel zu hohe Insulinmengen und spielte mit meiner Gesundheit.

Eines Tages wachte ich mit einem hypoglykämischem Krampfanfall auf und wusste: So kann es nicht weitergehen. Es folgten weitere Schulungen und schließlich auch ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik im Jahr 2016. Dort begann ich langsam zu verstehen, dass ich meinen Diabetes akzeptieren musste – nicht als Feind, sondern als Teil meines Lebens.

Verlust und Neuanfang

Die Zeit in einer Jugendhilfeeinrichtung brachte viele Veränderungen mit sich. Ich fand dort Menschen, die wie eine Familie für mich wurden – darunter meine beste Freundin Blanka. Doch das Leben stellte mich weiterhin vor Herausforderungen: Im September 2022 erhielt ich die Nachricht, dass Samira, eine Freundin aus der Jugendhilfezeit, sich das Leben genommen hatte. Es war ein Moment, der mir schmerzlich bewusst machte, wie nah ich selbst schon am Abgrund gestanden hatte.

Ein weiteres tragisches Ereignis folgte im Januar 2024: Sahra, ebenfalls aus meiner Jugendhilfegruppe, beging Suizid durch eine Kombination aus Alkohol und Insulin. Diese Verluste trafen mich tief und ließen mich an vielem zweifeln – an mir selbst, an der Jugendhilfe und daran, ob Menschen mit Diabetes überhaupt verstanden werden können.

Doch inmitten dieser Dunkelheit fand ich Hoffnung: Durch psychologische Unterstützung und den Austausch mit Gleichgesinnten begann ich langsam wieder aufzustehen. Kongresse, Freizeiten und Gespräche mit anderen Menschen mit Diabetes halfen mir zu erkennen, dass ich nicht allein bin.

Hier findest Du Hilfe – auch in akuten Notfallsituationen

  • Wenn du dich in einer akuten Krise befindest, kontaktiere bitte deine behandelnde Ärztin oder Psychotherapeutin bzw. deinen behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten.
  • Du kannst dich auch an die nächste psychiatrische Klinik wenden, eine Liste mit Suchfunktion findest du auf der Website Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
  • Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) bietet auf ihrer Website eine Suchfunktion für Kontaktdaten von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in deiner Nähe.
  • Die Telefonseelsorge bietet rund um die Uhr Hilfe und Beratung. Du erreichst sie kostenfrei unter den Telefonnummern 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
  • Rund um die Uhr erreichst du auch den ärztlichen (psychiatrischen) Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Telefonnummer 116 117.
  • Wenn reden schwerfällt: Schreib einfach! Der Krisenchat und die Jugend-Notmail bieten vertrauliche, sichere und kostenlose Unterstützung für junge Menschen.
  • Du kannst dich auch an den Sozialpsychiatrischen Dienst deiner Region wenden. Die entsprechenden Kontaktdaten findest du im Internet, wenn du bei der Suche „Sozialpsychiatrischer Dienst“ und den Namen Deiner Stadt eingibst.
  • In akuten Notfällen solltest du den Rettungsdienst unter 112 oder die Polizei unter 110 anrufen.

Heute: Ein neues Kapitel

Seit 2024 habe ich gelernt, besser mit meinem Diabetes umzugehen. Es ist nicht immer einfach – Verlust und Schmerz begleiten mich weiterhin. Aber ich habe auch viel gewonnen: Freunde fürs Leben, berufliche Perspektiven und vor allem die Fähigkeit, meinen Weg zu gehen.

Ich weiß jetzt, dass Jugendhilfe nicht perfekt ist und dass sie manchmal versagt. Aber sie hat mir auch gezeigt, wie wichtig ein unterstützendes Umfeld ist – Menschen, die verstehen und da sind. Heute bin ich dankbar für diese Erfahrungen und bereit für das nächste Kapitel meines Lebens.

Das ist meine Geschichte – meine Dia-Story. Ein Weg voller Herausforderungen, aber auch voller Stär­ke und Wachstum.

* Aufgrund des sehr persönlichen Inhalts und zum Schutze der erwähnten Personen hat der Autor darum gebeten, seinen Beitrag unter dem Pseudonym „Meule“ zu veröffentlichen. Fragen und Anregungen können über die Redaktion an ihn weitergeleitet werden.


von Meule

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  • tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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