Gewohnheiten vergessen?

2 Minuten

© © christophkadur - Fotolia
Community-Beitrag
Gewohnheiten vergessen?

Ohne Gewohnheiten wäre unser Gehirn überfordert. Und dennoch – manchmal sind wir anscheinend so sehr in unsere Alltagsgewohnheiten vertieft, dass wir vergessen, was wir tun sollten. Tine beschreibt in ihrer Kolumne, dass Ihr das auch schon bezüglich ihres Diabetes passiert ist.

Vor ein paar Tagen wollte ich mich mit meinem Freund im Stadtzentrum treffen, wir waren zum Mittagessen verabredet. Ich saß in der S-Bahn dorthin, starrte aus dem Fenster und hatte gute Musik auf den Ohren.

Plötzlich registrierte ich die aktuelle S-Bahn-Station, in die wir einfuhren und zuckte zusammen: Ich war aus Versehen schon 4 Stationen zu weit gefahren und hatte es nicht bemerkt, weil es sich so normal angefühlt hatte. In einer großen Stadt ist man da direkt ziemlich weit weg vom eigentlichen Ziel und hat seine Verabredung eine gute Viertelstunde warten lassen. Eigentlich so gar nicht mein Ding.

5 Minuten später schrieb mein Freund mir eine Nachricht und ließ mich wissen, dass er soeben auch zu weit gefahren sei und die Station verpasst habe. Beide hatten vergessen – trotz oder gerade wegen der Gewohnheit. Dabei kennen wir diese Stadt beide sehr gut und wohnen hier schon gefühlt seit immer.

Der Diabetes ist Alltag, Gewohnheit und ein Teil von mir geworden

Den Diabetes habe ich noch nicht so lange. 4 Jahre ist er bei mir, trotzdem fühlt sich alles schon sehr nach Gewohnheit an. Man sagt ja auch, dass sich der Körper und der Kopf nach 30 Tagen an etwas Neues im Leben gewöhnt haben und es dann zur Gewohnheit wird. Darüber bin ich schon sehr lange hinaus. Der Diabetes ist Alltag, Gewohnheit und über die Jahre ein Teil von mir geworden.

Ich habe versucht, den Diabetes bestmöglich in mein Leben zu integrieren. Ich weiß, dass ich jeden Abend gegen 23 Uhr mein Basalinsulin spritze, wie ich agieren muss, bevor ich Sport mache, während des Sports und danach, oder was zu tun ist, wenn eine Mahlzeit ansteht. Ich weiß das, und trotzdem oder genau deswegen vergesse ich manchmal regelrecht, dass ich Diabetes habe.

Vor lauter Gewohnheit vergessen, Routinen auszuführen

So kam es letztens, dass ich abends vergaß, mein Basalinsulin zu spritzen, und einfach einschlief. Am nächsten Morgen nach der Blutzuckerkontrolle war ich erstaunt und besorgt darüber, wie sich mein Blutzucker nachts verhalten hatte. Dass ich einen Teil meiner Routinen vergessen haben könnte, kam mir nicht mal in den Sinn. Ich versuchte den ganzen Tag, die Werte wieder in richtige Bahnen zu lenken, aber es gelang mir kaum. Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich vor lauter Gewohnheit vergessen hatte, meine Routinen auszuführen. Fast so wie in der S-Bahn.

Es ist also durchaus wichtig, sich regelmäßig bewusst zu machen, was wir Menschen mit Diabetes im Alltag leisten (müssen) und was alles zu unseren Routinen gehört, damit wir uns gut fühlen können.

Eure Tine

Martina „Tine“ Trommer lebt seit Jahren in der Hauptstadt, bloggt seit ihrer Diabetesdiagnose 2013 unter www.icaneateverything.com sowie auf der Blood Sugar Lounge und schreibt regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (7) Seite 40

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin
In dieser Podcast-Sonderfolge sprechen wir mit der Moderatorin, Musikproduzentin und Autorin Shirin Valentine über ein Thema, das in der Diabetes-Community noch immer häufig unterschätzt wird: das erhöhte Risiko für Gürtelrose, die damit einhergehenden Folgen und wie wichtig daher die Vorsorge ist.
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin | Foto: MedTriX/Nils Gräff

2 Minuten

Anzeige
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren – mit Video und Podcast
Shirin lebt seit vielen Jahren mit Typ‑1‑Diabetes – und war überrascht, als sie mit 49 eine schmerzhafte Gürtelrose entwickelte. Erst danach erfuhr sie, dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko haben können. Heute appelliert sie daran, gut informiert zu sein, die Risiken zu kennen und die Vorsorge ernst zu nehmen.
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren | Foto: MedTriX

3 Minuten

Anzeige
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Verbände