- Aus der Community
Lasst uns über Sex sprechen!
2 Minuten

Diabetes und Sex haben mehr Verknüpfungen, als viele auf Anhieb vermuten würden. Doch weil das Thema so tabuisiert ist, schrecken viele davor zurück, über etwaige Probleme oder Schwierigkeiten zu sprechen. Das muss sich ändern, findet Kolumnistin Tine Trommer – und macht den Anfang.
Ich hoffe, dass 2020 das Jahr sein kann, in dem wir endlich alle Tabus brechen können! Es gibt viele Themen, die immer noch selten bis nie in Kombination mit Diabetes besprochen werden – und das muss sich ändern! Eines dieser Themen ist die Schnittmenge von Diabetes und Sex. Ja, auch darauf kann Diabetes einen Einfluss haben.
Blutzuckerschwankungen und störende Gerätschaften
Zum einen sollten wir Menschen mit Diabetes mit etwas mehr Planung an sexuelle Aktivitäten herangehen, so wie beim Sport … oder eigentlich überall sonst auch: Wie ist mein Blutzucker vorher und danach? Habe ich Traubenzucker oder Ähnliches in der Nähe, um im Fall des Falles rechtzeitig einer Unterzuckerung entgegenzuwirken? Weiß mein Gegenüber Bescheid, falls wir kurz Pausen machen müssen – und fühlt sich in entsprechenden Situationen nicht vollkommen hilflos?
Andererseits gibt es den äußerlichen Faktor: Pumpen, CGM-Systeme und andere technische Hilfsmittel kleben immer öfter an unseren Körpern. Es kann für uns super hilfreich sein, alarmiert zu werden, wenn der Glukosewert beim Sex sinkt. Gleichzeitig müssen wir aber sanft zu uns selbst sein; und wenn wir mal keinen Bock haben, technische Hilfsmittel an uns zu tragen, dann muss das auch okay sein … und wir müssen uns trotzdem sicher fühlen können.
Wie können wir aber unser Selbstbewusstsein kollektiv stärken, um uns in solchen Situationen begehrenswert zu fühlen? Und weiter: Wie reagieren unsere Gegenüber darauf, wenn sie die Geräte nicht kennen? Viele Menschen mit Diabetes machen sich solche Gedanken.
Größtes Tabu: sexuelle Funktionsstörungen bei Diabetes
Der dritte Aspekt ist der der sexuellen Funktionsstörungen bei Diabetes: extrem wichtig, aber wie viele Aspekte der Folgeerkrankungen und Komplikationen extrem tabuisiert und stigmatisiert. Wie bei allen anderen Themen muss uns klar sein: Der Diabetes kann eine Ursache sein, muss aber nicht.
Vaginale Trockenheit, geringes oder kein sexuelles Verlangen, möglicherweise Schwierigkeiten, zum Orgasmus zu kommen, Potenzstörungen, erektile Dysfunktion – das alles ist nur ein Ausschnitt dessen, was uns mit oder ohne Diabetes über den Weg laufen könnte.
Eine der Ursachen hierbei kann eine Störung des Nervensystems sein; wir können diese vielleicht durch entsprechende Therapie im Rahmen halten, 100-prozentig verhindern können wir sie nicht. Umso wichtiger ist es, dass behandelnde Ärzt*innen hier auf Fragen eingehen, Hilfe anbieten, selbst vielleicht Fragen stellen. Weil das Thema so tabuisiert ist, Menschen Angst vor unangenehmen Fragen oder Untersuchungen haben, schrecken viele davor zurück, mit ihren Problemen Hilfe zu suchen. Das muss sich ändern!
Eure Tine
Blood Sugar Lounge
und schreibt regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (2) Seite 40
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