Neuanfang wagen!

2 Minuten

© Fotolia
Community-Beitrag
Neuanfang wagen!

Wieso fällt es uns so schwer, uns aus der Hektik des Alltags auszuklinken? Wieso nehemen wir uns so selten und so wenig Zeit für Wesentliches? Ein Plädoyer für einen entschleunigten Neuanfang hält Tine in ihrer Kolumne.

Eigentlich können wir ja immer wieder von vorn beginnen, immer wieder neu starten. Jeder Montag markiert den Anfang einer neuen Woche, ein neues, weißes Blatt Papier. Wir können uns selbst Chance nach Chance geben, immer und immer wieder. Uns Zeit lassen, uns auch die Zeit nehmen. Eigentlich tun wir das aber gar nicht.

Wann ist „schnell sein“ so wichtig für uns geworden?

Egal ob alt oder jung: Alles muss schnell gehen und am besten immer schneller. Wenn die Blutzuckerwerte nicht stimmen, rasten wir aus und verzweifeln direkt, wenn sie sich nicht schnell genug normalisieren. Wenn wir nicht sofort sportliche Erfolge sehen, geben wir auf und setzen uns wieder aufs Sofa. Wir wollen uns nur schnell mal mit der Freundin treffen, nur schnell die Eltern anrufen, schnell mal in die Stadt fahren.

Manchmal habe ich das Gefühl, Berlin ist sehr zeitlos. Sobald ich mich allerdings vor die Tür begebe, überrennen mich Horden hektischer Menschen, und ich höre direkt die Uhr ticken. Wann sind wir so ungeduldig geworden? Wann ist „schnell sein“ so wichtig für uns geworden?

Wer hat es im Dezember tatsächlich geschafft, zu entschleunigen?

In der letzten Kolumne schrieb ich vom Runterkommen und Erholen. Viele sagten mir damals, sie hätten den Wunsch, den Dezember ähnlich zu nutzen, sich nicht vom Konsum-Trubel mitreißen zu lassen, den Liebsten mehr gemeinsame Zeit statt Geld zu schenken.

Nun: Wer von euch hat es im Dezember geschafft, runterzufahren, zu entschleunigen? Wer hat die Zeit mit seinen Liebsten zu echter Qualitätszeit gemacht und es genossen, anstatt ständig aufs Handy zu gucken? Und wer von euch möchte sich den Januar schon wieder als neuen Start nehmen?

Erstmal den Stopp-Knopf drücken, damit ein Neuanfang gelingt

Durch den ständigen Druck, den wir uns machen, den uns die Gesellschaft macht, schwirrt alles immer weiter an uns vorbei. Kein Moment kann gehalten werden. Genuss, echtes Auseinandersetzen mit uns selbst, Zeit für Selbstreflexion – das alles rinnt uns durch die Finger auf dem Weg zum immer weiter beschleunigten Alltag. Wenn wir aber nicht irgendwann den Stopp-Knopf drücken, bringen all die Chancen, all die Neustarts nichts. Stress und Hektik waren noch nie gut fürs Herz und erst recht nicht für den Blutzucker!

Ich muss an all diese Sachen immer denken, wenn ich mich mit einer ganz bestimmten Freundin hier in Berlin treffe: Meist besuche ich sie in ihrer tollen Wohnung, und wir verbringen Stunden mit ausgiebigem Kochen und Reden. Plötzlich ist es spät, ich bin müde, und ehe ich mich versah, haben wir wirklich 8 Stunden miteinander verbracht.

Ich möchte den Januar gern als Neuanfang sehen, Unglück fernhalten und mich mit Positivem umgeben. Für meinen Diabetes (mit dem es gerade super gut läuft), für meine Lieben, für meine Arbeit und mich selbst. Das schaffe ich aber nur, wenn ich mir die Zeit dafür nehme und auch erlaube, Zeit dafür zu brauchen, ohne mir ein grundlos schlechtes Gewissen zu machen. Ob ich es schaffe?

Eure Tine

Martina Trommer lebt seit Jahren in der Hauptstadt, bloggt seit ihrer Diabetesdiagnose 2013 unter www.icaneateverything.com sowie auf der Blood Sugar Lounge und schreibt regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin. Weihnachten verbringt sie am liebsten in Berlin, da die Stadt um diese Zeit fast menschenleer und ruhig ist. Perfekt, um mal runterzufahren!

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (1) Seite 34

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin
In dieser Podcast-Sonderfolge sprechen wir mit der Moderatorin, Musikproduzentin und Autorin Shirin Valentine über ein Thema, das in der Diabetes-Community noch immer häufig unterschätzt wird: das erhöhte Risiko für Gürtelrose, die damit einhergehenden Folgen und wie wichtig daher die Vorsorge ist.
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin | Foto: MedTriX/Nils Gräff

2 Minuten

Anzeige
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren – mit Video und Podcast
Shirin lebt seit vielen Jahren mit Typ‑1‑Diabetes – und war überrascht, als sie mit 49 eine schmerzhafte Gürtelrose entwickelte. Erst danach erfuhr sie, dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko haben können. Heute appelliert sie daran, gut informiert zu sein, die Risiken zu kennen und die Vorsorge ernst zu nehmen.
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren | Foto: MedTriX

3 Minuten

Anzeige
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Verbände