Warum eigentlich?

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Warum eigentlich?

Letztens kam ich ein wenig verwundert aus meiner diabetologischen Praxis heraus. Manchmal passiert einfach etwas, und ich stelle mir hinterher die Frage, warum das eigentlich genau so passierte … Kennt Ihr das auch? Seit dem Termin in der Praxis geht es mir mit meinem HbA1c-Wert genauso.

Eigentlich wissen wir ja inzwischen, dass dieser Wert allein gar keine so große Aussage über den Stand der Dinge macht. Wir sollten zusätzlich mindestens auch noch die Zuckerverläufe betrachten, um zu sehen, ob unsere Werte im Alltag passen oder eben nicht. Ob das, was wir tagtäglich für unseren Diabetes machen, vielleicht noch optimiert werden könnte, oder ob vielleicht noch andere Faktoren mit in die Therapie einbezogen werden müssen.

Für den Diabetes ist gerade kaum Zeit

So ging ich also aus der Praxis und fragte mich, wie und warum sich mein HbA1c-Wert in den letzten Wochen verbessert hat, weil er eben allein zu wenig über meine aktuelle Therapie aussagt. Zwar sehe ich täglich und ständig meine aktuellen Werte und meine Wertekurven dank CGM-System, dennoch habe ich nicht den Eindruck, irgendetwas „besser“ gemacht zu haben als sonst.

Im Gegenteil! Ich habe extrem viel Stress, stehe kurz vor der Klausurphase und esse unregelmäßig. Schlaf habe ich momentan auf ein Minimum reduziert, die Tage sind lang und haben ein zügiges Tempo. Der Diabetes fällt unter den Tisch, für den ist gerade kaum Zeit.

Die Zahlen hinter den Zahlen betrachten

Und genau deswegen ist es wichtig, auch die Zahlen hinter den Zahlen zu betrachten. Denn wenn ein Arzt, der lediglich meinen HbA1c-Wert sieht und mich nicht kennt, mich anhand dieser Zahl für meine Arbeit loben würde, wäre das schlichtweg kontraproduktiv, so viel mache ich nämlich nicht. Vermutlich ist mein HbA1c-Wert einfach besser geworden, weil die Basalrate stimmt und ansonsten einfach nicht viel passiert gerade.

Selten essen und wenn, dann immer etwas Ähnliches, dabei verschätze ich mich kaum. Und wenn ich nichts esse, bleibt die Kurve im wünschenswerten Bereich hängen. Außerordentliche Bewegung gibt es im Moment nicht, an den Stress scheint sich mein Körper gewöhnt zu haben; ab und an reagiert er noch mit Unterzuckerungen, die ich aber schnell ausgleichen kann. Und schon sind wir bei einem verbesserten HbA1c-Wert!

Zauberformel gefunden? Wohl eher nicht…

Klingt fast, als hätte ich eine Zauberformel gefunden, aber wirklich gut geht es mir damit ja trotzdem gerade nicht. Vielmehr würde ich mir weniger Stress wünschen, dafür etwas mehr Zeit zum Durchatmen und Wiederrunterkommen. Stattdessen lernen, lernen, lernen. Und arbeiten. Und lernen. Ich sehne mir die vorlesungsfreie Zeit und den Urlaub herbei, den ich für diese Zeit geplant habe. In der Hoffnung, dass der Diabetes dann auch genauso mitspielt und mich nicht hängen lässt. Wir werden sehen!

Eure Tine


Martina „Tine“ Trommer lebt seit Jahren in der Hauptstadt, bloggt seit ihrer Diabetesdiagnose 2013 unter www.icaneateverything.com sowie auf der
Blood Sugar Lounge
und schreibt regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (2) Seite 42

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  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 14 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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