Was ganz besonders Normales

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Was ganz besonders Normales

Bei Tines Geburtstagsfeier war auch eine Freundin mit Diabetes, die sonst keine weiteren Betroffenen kennt – dadurch war es für diese aufregend, dass so viele unterschiedliche junge Menschen mit Sensoren, Pens, Pumpen und Teststreifen mit am Tisch saßen und dies für ein paar Stunden das Normalste der Welt war.

Der September war mein Geburtstagsmonat, und ich liebe es, Geburtstag zu haben. Für dieses Jahr beschloss ich, mich einer meiner größten Ängste zu stellen und viele Menschen einzuladen, die ich gern mag, die sich aber vielleicht noch nicht persönlich kennen. Warum das eine meiner größten Ängste ist (oder war)? Was ist, wenn sich die Menschen am Ende nicht leiden mögen? Was, wenn keine Unterhaltungen entstehen und es ungemütlich und unpersönlich bleibt? Für mich ein schlimmer Gedanke.

Diabetes spielt im Freundeskreis keine große Rolle

Und trotzdem – zu meinem 29. Geburtstag habe ich es gewagt. Auf meiner Liste standen auch einige Freund*innen mit Typ-1-Diabetes. Manche kenne ich schon lange, andere erst seit Kurzem. Aber bei allen ist es so, dass der Diabetes in unserer Freundschaft eher eine Nebenrolle spielt (wenn das gerade geht). Für die meisten ist der Kontakt zu Menschen mit Diabetes Alltag, so auch für mich.

Und auch meine Freund*innen ohne Diabetes kennen die Krankheit mindestens durch mich. Eine Freundin mit Diabetes hat aber in ihrem Bekanntenkreis kaum jemanden mit Diabetes, eigentlich nur mich, und leider schaffen wir es auch gar nicht so oft, uns zu sehen. Aber jedes Mal merke ich, wie gut ihr das tut. Nicht, weil wir stundenlang über Diabetes sprechen – aber weil es dem Diabetes für einige Stunden einen Deut mehr Normalität verleiht.

Ganz gespannt war ich also, und natürlich auch etwas aufgeregt, als der Tag der Tage gekommen war. Ich habe alle in einen meiner Lieblingsorte Berlins eingeladen – ein Ort des gemütlichen Zusammensitzens, mit Jukebox, schöner Getränkekarte und kleinem Snackmenü. Die Sonne schien, und wir konnten gemeinsam noch ein wenig draußen sitzen – so schön!

Es hilft, Normalität in den Alltag mit Diabetes zu bringen

Ich überspringe den Großteil des Abends und komme direkt zum Punkt: Zu meiner Überraschung haben sich natürlich alle verstanden, und wir hatten einen tollen, geselligen Abend. Ich war zum ersten Mal im Kreise all meiner liebsten Menschen, und es war wunderschön! Und: Zu den Hochzeiten bestand die Gruppe sogar zur Hälfte aus Menschen mit Diabetes!

Für diese eine Freundin ein besonderer Moment, denn für sie war es total cool zu sehen, dass so viele unterschiedliche junge Menschen mit Sensoren, Pens, Pumpen und Teststreifen mit an diesem Tisch saßen und es für ein paar Stunden das Normalste der Welt war!

Ich bin so dankbar, Menschen zu kennen, die sich mit ähnlichen Problemen herumschlagen, wie ich es muss. Und auch, wenn wir uns nicht permanent über den Diabetes unterhalten oder unseren Unmut über die letzten Werte loswerden, tut es gut und hilft, eine gewisse Normalität in den Alltag mit Diabetes zu bringen. Und das ist wichtig.

Eure Tine


Martina „Tine“ Trommer lebt seit Jahren in der Hauptstadt, bloggt seit ihrer Diabetesdiagnose 2013 unter www.icaneateverything.com sowie auf der
Blood Sugar Lounge
und schreibt regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (11) Seite 53

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