- Aus der Community
10 wiederkehrende Gedanken zum Diabetes
4 Minuten
1. Habe ich alles dabei?
Jeden Morgen das Gleiche, bevor ich aus der Wohnung hetze. Ich nenne es Taschen-Selbstkontrolle: Pens, Blutzuckermessgerät, Stechhilfe, Teststreifendose, Kanülen, Traubenzucker und ja – auch das Handy hat neuerdings eine größere Wichtigkeit, denn darüber wird mein Sensor in der Regel ausgelesen. Ist der überhaupt noch dran? Schnell taste ich mit der rechten Hand meinen linken Oberarm ab. Ah ja, sitzt noch. Zweite Kontrolle, passt. Ich würde vermutlich sogar meinen Kopf vergessen, wenn er nicht auf meinem Hals sitzen würde. Ihr kennt das vielleicht.
2. Wie wird das berechnet?
Frühstück. Bei mir fast jeden Wochentag gleich und wirkt sich dennoch immer anders auf meinen Blutzucker aus. Der Körper ist schon ein wahres Wunderwerk, oder? Mittags in die Mensa. Was gibt es dort heute? Nudeln, Salat oder Gemüseauflauf? Wie viel Zucker ist heute bloß in der Sauce? Steht natürlich nirgendwo. Dann zum Tisch hetzen, dabei mit Kommiliton_innen sprechen und essen.
Manchmal habe ich auch gar keine Zeit zu essen, ich komme einfach nicht dazu. An solchen Tagen sieht die Wertekurve dann tatsächlich fast gerade aus. Immerhin weiß ich dann mit Sicherheit, dass mein Basal stimmt! Irgendwas Gutes muss das ja haben.
3. Mist, mein Blutzucker ist zu hoch!
Was jetzt? Erst einmal korrigieren. Hunger! Aber jetzt sofort zu essen, würde alles nur noch mehr durcheinanderbringen. Kurz abwarten und sehen, wohin der Blutzucker sich bewegt. Mir ist übel, wieso muss immer alles gleichzeitig passieren? Ich trinke einen großen Schluck Wasser. Bis das Insulin seine volle Wirkung entfaltet, dauert es noch eine Weile. Ich habe immer noch Hunger und brauche jetzt wirklich einen Bissen. Na, besonders hilfreich war das ja jetzt nicht für den Blutzucker. Musste das wirklich sein?
4. Mist, mein Blutzucker ist zu tief!
Jetzt essen, und zwar schnell. Zum Kühlschrank. Was habe ich da? Ich kann Traubenzucker langsam wirklich nicht mehr ausstehen. Ah, hier ist noch Orangensaft. Erstmal ein Glas einschenken. Ich zittere. Okay. Was kann ich noch essen? Ich brauche mehr, mehr! Schneller! Der kalte Schweiß steht mir auf der Stirn. Ah ja, ein Brot mit Marmelade und hinterher noch ein paar Kekse. Das sollte genügen. Genügt es wirklich? Nicht, dass ich in 30 Minuten immer noch tief bin. Lieber noch einen Keks hinterher, zur Sicherheit. Wenn ich später hoch bin, kann ich ja immer noch nachkorrigieren, oder?
5. Macht sich jemand meinetwegen Sorgen?
Was denkt wohl mein Freund gerade? Ob er sich Sorgen macht? Muss er eigentlich nicht. Normalerweise geht es mir ja wirklich ganz gut. Nur manchmal, manchmal… Hoffentlich macht er sich nicht zu große Sorgen. Das ist eine meiner größten Sorgen. Sorgen in Sorgen in Sorgen. Wenn man das Wort nur oft genug wiederholt, klingt es so abstrakt, dass ich ganz kurz nicht mehr weiß, was es bedeutet.
6. Wie kann ich meinen Stress reduzieren, meiner Therapie wegen?
Ich weiß ganz genau, dass Stress meiner Psyche und meinem Körper nicht guttut. Jeden Morgen, wenn ich zur S-Bahn hetze, spüre ich es. Jede Nacht, wenn ich zusammengeknautscht und zähneknirschend mit meiner Knirschschiene im Mund versuche zu schlafen, spüre ich es. Jeden Tag, wenn ich versuche, meinen Alltag zu meistern, spüre ich es.
„Du sagst immer, dass du im Stress bist, wenn ich dich frage, wie es dir geht!“, sagte eine Freundin letztens zu mir. Und was soll ich sagen? Ja, ich wünschte auch, dass es anders wäre. Ist es aber leider nicht. Und der Stress hat nun mal blöderweise einen sehr großen Einfluss auf meinen Blutzucker und mein Wohlbefinden. Also, wann reduziere ich ihn endlich? Und wie geht das?
7. Bin ich „gesund“?
Eine Frage, die ich mir als Mensch mit chronischer Krankheit immer wieder stelle. Bin ich eigentlich gesund? Ich fühle mich im Alltag nicht krank, nicht anders. Der Diabetes gehört zu mir. Und trotzdem: Ich habe Diabetes. Und er geht nicht weg. Wie sieht meine Zukunft mit Diabetes aus? Was wird noch passieren? Ich habe ab und zu schon ein wenig Angst davor. Und dann fühle ich mich doch wieder wie vor der Diagnose. Eine verwirrende Zwischenwelt.
8. Nicht genug dabei!
Ah, Mist, doch nicht genug Traubenzucker eingesteckt, und jetzt könnte ich ihn brauchen. Eigentlich müsste ich meine Kanüle wechseln, aber ich habe die letzte heute Morgen aus meiner Tasche gezogen. Und die Teststreifendose ist auch wieder leer. Welcher Tag ist heute? Ganz bestimmt Montag!
9. Vielleicht hätte sich der Diabetes lieber mal jemanden mit mehr Disziplin und Energie aussuchen sollen.
Das permanente Gefühl, nie genug zu sein und zu machen, verfolgt mich leider schon lange. Vermutlich haben viele andere Menschen mit Diabetes all diese Gedanken nie in ihrem Alltag, weil alle so diszipliniert, entspannt und voller Energie sind und immer das Gefühl haben, sie machen und sind genug. Möglicherweise hätte es mein Diabetes woanders leichter gehabt. Aber wir arrangieren uns eigentlich trotzdem ganz gut.
10. Habe ich heute genug für mich und meinen Diabetes getan?
Und da kommen wir auch schon zum abschließenden Gedanken für heute. Habe ich genug für mich und meinen Diabetes getan? Mache ich gerade genug für mich und meinen Diabetes? Werde ich in Zukunft genug für mich und meinen Diabetes machen können? Ich bin leider nicht in der Lage, in die Zukunft zu schauen oder in die Vergangenheit zu reisen. Alles, was ich tun kann, ist, mein Bestes zu geben und zu hoffen, dass es genug ist.
Was ist genug? Wo beginnt es und wo hört es auf? Der Duden sagt in zufriedenstellendem Maß; ausreichend; genügend. Aber was für mich zufriedenstellend ist, kann für die nächste Person zu viel oder zu wenig Diabetes im Leben sein. Und selbst von Tag zu Tag kann sich die Bedeutung dieses Wortes bei mir ändern. Warum also all der Stress, die Sorgen, die Gedanken? Mein Kopf wird wohl niemals aufhören, auf Hochtouren zu laufen.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Leben mit Diabetes
13 Minuten
- Begleit-Erkrankungen
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 13 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 4 Wochen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 4 Wochen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 4 Wochen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-

Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße