- Behandlung
Arzneimittel-Check: Einfach mehr Sicherheit!
4 Minuten
Arzneimittel sollen nützen, nicht schaden. Genau das kann aber passieren, wenn sie falsch angewendet werden oder es zu Wechselwirkungen kommt. Deshalb bieten Apotheken einen Arzneimittel-Check an.
Wir wünschen uns in allen Lebensbereichen das größtmögliche Maß an Sicherheit – im Verkehr, in der Luftfahrt, bei Lebensmitteln und natürlich auch bei der Therapie von Erkrankungen. Durch qualitätssichernde Maßnahmen werden immer wieder mögliche Fehlerquellen entdeckt und vorbeugende Prozesse eingeführt, um mehr Sicherheit zu erzielen.
Aktionsplan des Gesundheitsministeriums
Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2007 einen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland veröffentlicht. Mit diesem Plan sollen die Sicherheit der Arzneimitteltherapie optimiert und bessere Behandlungsergebnisse erreicht werden.
Der Aktionsplan war eine wichtige Entscheidung hin zu mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie in Deutschland. Seither unterscheiden Experten zwischen Arzneimittelsicherheit im Sinne von Produktsicherheit eines einzelnen Arzneimittels und Arzneimitteltherapiesicherheit im Sinne der Sicherheit des Patienten mit seiner angewandten medikamentösen Therapie.
Um die Sicherheit in der Arzneimitteltherapie zu erhöhen, arbeiten die Fachleute im Gesundheitssystem interdisziplinär zusammen. Ziel ist es, dass der Patient vom Stellen der Diagnose, der Verordnung der Therapie, der Erläuterung der Arzneimittel bis hin zur konkreten Umsetzung von Ärzten, Pflegekräften und Apothekern professionell begleitet wird. So sollen mögliche Probleme rund um das Arzneimittel frühzeitig erkannt und gelöst werden, bevor unerwünschte Arzneimittelereignisse auftreten, die die Gesundheit beeinträchtigen oder den Behandlungserfolg gefährden können.
Arzneimittelbezogenen Probleme mit Folgen
Es können viele Probleme rund um das Arzneimittel auftreten; Mediziner und Pharmazeuten sprechen dann von arzneimittelbezogenen Problemen. In Zeiten des demographischen Wandels sind mehr und mehr Menschen von einer umfangreichen Arzneimitteltherapie betroffen, und umso wichtiger ist es, die Risiken für eine fehlerhafte Anwendung zu reduzieren. Denn: Etwa fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen gehen zurück auf unerwünschte Arzneimittelereignisse.
Nicht jeder Fehler führt zu einem Schaden beim Patienten. Dennoch sollen die Arzneimitteltherapie und ihre Effektivität bestmöglich verbessert werden. Die bekannten Folgen der Polymedikation, also der Einnahme mehrerer Medikamente, sind mit Zunahme der Anzahl der eingenommenen Medikamente:
- Wechselwirkungen,
- häufigeres Auftreten von unerwünschten Arzneimittelereignissen,
- höhere Zahlen von Krankenhausaufnahmen und
- Abnahme der Therapietreue.
Der Arzneimittel-Check in der Apotheke
Apothekerinnen und Apotheker leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit der Arzneimitteltherapie mit der Medikationsanalyse bzw. dem Medikationsmanagement. In den Apotheken wird diese Leistung häufig unter dem Namen Arzneimittel-Checkangeboten. Damit ist die Analyse der gesamten Medikation eines Patienten gemeint. Eingeschlossen sind also vom Arzt verordnete Medikamente, Arzneimittel zur Selbstmedikation und auch Nahrungsergänzungsmittel. Mit dem Arzneimittel-Check sollen Probleme rund um die Arzneimitteleinnahme erkannt und gelöst werden.
Besonders Diabetiker profitieren von einer optimalen Anwendung der Arzneimittel und dem Wissen darüber, welche Risiken zu Unter- oder Überzuckerungen führen können. Ein Arzneimittel-Check durch Personal, das von den Apothekerkammern ausführlich geschult wurde, wird bereits in den Bundesländern Sachsen und Thüringen (Modellprojekt ARMIN) und auch in den ATHINA-Apotheken in Nordrhein, Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen angeboten.
ATHINA steht für Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken. Mit diesem Schulungskonzept wurden bereits mehrere hundert Apotheker und Apothekerinnen für die strukturierte Medikationsanalyse ausgebildet.
So läuft der Check in der Apotheke ab
Was dürfen Sie als Patientin oder Patient erwarten, wenn Sie das kostenpflichtige Angeboteines Arzneimittel-Checks nutzen wollen? Die Dienstleistung umfasst ein Aufnahmegespräch, eine Gesamtanalyse der Medikation durch den Apotheker allein und ein Abschlussgespräch. Sie erhalten zudem einen Medikationsplan und einen Bericht zum Mitnehmen.
Zum ersten vereinbarten Termin bringen Sie alle Medikamente mit, die Sie regelmäßig oder bei Bedarf einnehmen. Falls ein Medikationsplan des Arztes vorliegt, sollte auch dieser vorgelegt werden. Kühlpflichtige Arzneimittel (z. B. Insulin) können Sie zu Hause lassen – notieren Sie aber die genaue Bezeichnung.
Für das Aufnahmegespräch nimmt sich der Apotheker ausreichend Zeit und geht mit Ihnen Medikament für Medikament durch. Er überprüft, ob es Arzneimittel mit demselben Wirkstoff, aber unterschiedlichen Namen gibt oder ob verfallene Arzneimittel unter den mitgebrachten Packungen sind.
Außerdem wird er Ihnen Fragen wie diese stellen:
- Wofür nehmen Sie dieses Medikament ein?
- Wann, wie und in welcher Dosierung nehmen Sie dieses Medikament ein?
- Wie vertragen Sie Ihre Medikamente?
- Passiert es Ihnen schon einmal, dass Sie vergessen, ein Medikament einzunehmen?
- Weiß Ihr Hausarzt von den Medikamenten, die Sie vom Diabetologen verordnet bekommen haben bzw. kennt er die Arzneimittel, die Sie sich selbst schon einmal in der Apotheke kaufen?
- Gibt es Fragen, die Sie zu Ihren Arzneimitteln haben – oder andere Probleme rund um die Gesundheit, bei denen ich Sie unterstützen kann?
Die Informationen, die so zusammengetragen und in der Apothekensoftware dokumentiert werden, wertet der Apotheker anschließend in Ruhe aus und bezieht dabei auch Fachliteratur und Datenbanken mit ein, um einen Bericht zu erstellen. Darin schreibt er auf, welche Aspekte rund um die Arzneimittel möglicherweise noch verbessert werden können.
Der Arzt ist immer der erste Ansprechpartner bei Problemen
Es kann nötig sein, den Arzt zu kontaktieren, wenn Unklarheiten auftreten oder Medikamente betroffen sind, die der Arzt verordnet hat. Der Arzt ist immer der erste Ansprechpartner, wenn Probleme entdeckt werden, die die erfolgreiche Therapie oder die Gesundheit des Patienten gefährden. Dafür geben Sie dem Apotheker schon zu Beginn der Analyse Ihr Einverständnis. Falls Sie zuvor über Unstimmigkeiten informiert werden möchten, ist das kein Problem – Sie vereinbaren dann einfach mit dem Apotheker, dass er Sie vor dem Arztkontakt anruft.
Da in der Apotheke Ihre Gesamtmedikation von verschiedenen Ärzten und Ihre Selbstmedikation zusammenlaufen, ist hier eine gute Schnittstelle, um eine erste Gesamtauswertung vorzunehmen, die natürlich an die behandelnden Ärzte in Form des aktualisierten vorläufigen Medikationsplansweitergegeben wird.
Ziel ist es, partnerschaftlich in dem Dreieck Arzt, Apotheker und Patient zusammen die beste und sicherste Lösung zu finden; das wird der Apotheker mit Ihnen auch im Abschlussgespräch besprechen. Der Apotheker erklärt Ihnen das Ergebnis der Analyse und bespricht mit Ihnen den vorläufigen Medikationsplan. Gemeinsam werden – wenn nötig – Maßnahmen zur Verbesserung oder zur Lösung von entdeckten arzneimittelbezogenen Problemen vereinbart. Abschließend bittet der Apotheker Sie, diesen vorläufigen Medikationsplan beim nächsten Arztbesuch kontrollieren zu lassen.
Arzneimittel-Check in der Praxis: ein Diabetiker berichtet
“Bisher habe ich immer Tabletten gegen den Zucker eingenommen. Spritzen wollte ich auf keinen Fall. Seitdem ich wegen des Rheumas Kortisontabletten vom Rheumatologen verordnet bekomme, ist der Zucker immer viel zu hoch. Beim Arzneimittel-Check in der Apotheke wurden mir alle meine Medikamente erklärt, sogar ein verfallenes aussortiert. Mir wurde erläutert, dass auch eine Insulintherapie – falls nötig – nicht schlimm ist und meinen Zucker möglicherweise besser kontrolliert als die Tabletten.
Außerdem vermerkte der Apotheker die Kortisontabletten auf einer tollen Übersichtsliste all meiner Medikamente. Diese habe ich meinem Hausarzt vorgelegt – der wusste von meinem Rheuma noch nichts. Nun entschied der Hausarzt – wie vom Apotheker vorgeschlagen –, mir zeitnah einen Termin beim Diabetologen zu machen. Sollte ich nun tatsächlich Insulin spritzen müssen, hat mir der Apotheker seine Unterstützung angeboten. Es ist schon ein gutes Gefühl von Sicherheit, wenn Arzt und Apotheker zusammenarbeiten und man mehrere kompetente Ansprechpartner hat.”
Schwerpunkt: Medikamente richtig einsetzen
- Medikamente: Gutes Management löst viele Probleme
- Arzneimittel-Check: Einfach mehr Sicherheit!
- Pens und Messgeräte: vermeidbare Fehler bei der Handhabung
von Dr. Katja Renner
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (11) Seite 26-29
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
- Unsere Partner
3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
-
uho1 antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
-
calvin240 antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
-
-
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
