- Behandlung
Arzt mit Empathie: Hoffen auf ein Naturtalent
2 Minuten
Einfühlsame Ärzte mit einer besonderen kommunikativen Begabung sind vielleicht nicht unbedingt die Ausnahme, aber gewiss auch nicht die Regel. Dies liegt auch an der bisherigen Strukturen des Medizinstudiums. Daran müsse sich was ändern, findet Nicole Finkenauer in der Kolumne Blickwinkel.
Zwei Erlebnisse haben mir in letzter Zeit zu denken gegeben. Beruflich war ich auf einer Veranstaltung für Ärzte, während der die Teilnehmer sich einen Film über einen Mann mit Diabetes anschauten und in kleinen Gruppen diskutierten, welche “Hausaufgabe” sie diesem Mann stellen würden. Ich stand dabei und konnte mich nur wundern über die Vorschläge auf dem großen Blatt Papier.
Ein Arzt wollte zum Beispiel, dass der Mann zu Hause das Insulinspritzen üben sollte – um dieses Thema war es in dem Film aber gar nicht gegangen. Auch einige andere Ärzte hatten den Inhalt des Films anscheinend nicht richtig erfasst, und ich hoffe sehr, dass sie ihren eigenen Patienten aufmerksamer zuhören.
Erfreulich, aber nicht zwingend die Regel: ein einfühlsamer Arzt
Privat war ich kürzlich in einer großen radiologischen Praxis. Im Wartebereich saß ein Mann mittleren Alters. Er hatte eine Bekannte getroffen, und so erfuhren auch wir Mitwartenden seine Krankengeschichte: Er hatte gerade eine Krebserkrankung überstanden, und es sollte nun geschaut werden, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Bevor er die Praxis verließ, wandte er sich an alle Wartenden: “Also, das muss ich wirklich mal weitersagen, so einen guten und einfühlsamen Doktor habe ich noch nie gehabt. An dem könnten sich die meisten anderen ein Beispiel nehmen!”
Tatsächlich hatte ich das auch so wahrgenommen: Trotz der eher technischen Untersuchung war der Arzt mir zugewandt, hatte echte Anteilnahme gezeigt.
Medizinstudium Arzt-Patienten-Kommunikation soll mehr Platz einnehmen
Ob Sie und ich an einen Arzt mit eher mangelhafter Auffassungsgabe für Patientenbelange oder an einen einfühlsamen, zuhörenden Arzt geraten, ist bisher eher Glückssache. Wie ein Gespräch zwischen Patient und Arzt für beide Seiten nutzbringend und zufriedenstellend verlaufen kann, ist nämlich nicht unbedingt Bestandteil des Medizinstudiums und damit eher von der Persönlichkeit des Arztes abhängig. Aus meinem Blickwinkel sollte sich das unbedingt ändern.
Und wirklich: Es tut sich was! 2016 wurde in Heidelberg ein Mustercurriculum für Arzt-Patienten-Kommunikation vorgestellt. Daraus entstanden ist die “Heidelberger Erklärung”. Die Unterzeichner, allesamt Vertreter der Institutionen, die an der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung teilhaben, bekundeten damit ihre Absicht, “sich bundesweit für eine Förderung der kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung einzusetzen”.
Es mangelt an strukturellen Rahmenbedingungen und Strategien an den Unis
Was ist seitdem passiert? Ich bin bei meiner Recherche auf eine Pilotstudie gestoßen, in der die in Heidelberg vorgestellten Ausbildungsinhalte für Ärzte im Bereich Patientenkommunikation erprobt werden sollen. Es wird also noch etwas dauern, bis die Gesprächsführung ein wichtiger Bestandteil der Arztausbildung wird. Dabei ist schon seit 2012 die Ausbildung in ärztlicher Gesprächsführung und deren Prüfung in den abschließenden Examen in der Approbationsordnung festgeschrieben.
“Es wurde aber schnell deutlich, dass es an den Fakultäten an geeigneten strukturellen Rahmenbedingungen und Strategien mangelt, um diese Konzepte umzusetzen und nachhaltig zu implementieren”, heißt es im Hintergrundtext zur Pilotstudie. Anders gesagt: Bisher war das Thema nicht wichtig genug, um es ernsthaft anzugehen.
Es werden wahrscheinlich noch einige Jahre ins Land gehen, bis wir Patienten tatsächlich auf einen Arzt treffen, der darin ausgebildet ist, mit uns ein zielführendes Gespräch zu führen. Bis dahin sind wir darauf angewiesen, auf ein Naturtalent zu treffen…
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (5) Seite 29
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Eltern und Kind
- Soziales und Recht
3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
diahexe postete ein Update vor 6 Tagen, 6 Stunden
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
-
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 6 Stunden
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 1 Tag, 1 Stunde
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
-
-
ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
-
diahexe antwortete vor 6 Tagen, 6 Stunden
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
-
-
anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747


