Gute Diabetes-Therapie ein Leben lang!

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Gute Diabetes-Therapie ein Leben lang!

Die moderne Diabetes-Therapie erlaubt es Diabetikern, genauso lange und mit so viel Freude durchs Leben zu gehen wie sie es ohne den Diabetes getan hätten. Aber natürlich ändert sich der Körper eines jeden Menschen im Alter: Aus Muskeln wird Fett etc. Das hat natürlich Konsequenzen für die Therapie, bringt Risiken mit sich – bis hin zu einem “Doppeldiabetes”.

Am Anfang ist alles relativ einfach. Die Schulung ist frisch, die Therapieumsetzung klappt jeden Tag ein wenig besser und zumeist hat man auch noch eine Restmenge an körpereigenem Insulin, das bei der Therapieführung unterstützend eingreift. Dies ändert sich allerdings in den nächsten Jahren und noch mehr in den nächsten Jahrzehnten. Wenn die körpereigenen Insulinreserven komplett verschwunden sind, dann zählt nur noch das injizierte Insulin.

Aus diesem Grunde muss die Insulindosierung so präzise wie möglich erfolgen. Noch wichtiger ist, dass die Insulinarten ihren Aufgaben entsprechen, das heißt Basalinsulin für die Grundversorgung – und Mahlzeiteninsulin zur Abdeckung der Kohlenhydrate in der Nahrung.

Deswegen ist es auch wichtig, dass man seine Einstellung regelmäßig mit seinem Diabetesteam überprüft oder auch für sich einmal schaut, ob das Basal- und Mahlzeiteninsulin richtig dosiert ist. Dies geschieht mit den “Basalratentests”: Man lässt einfach eine Hauptmahlzeit ausfallen und überprüft, ob der Blutzucker bis zur nächsten Hauptmahlzeit stabil bleibt.

Ziele richtig wählen – und gesund mit dem Diabetes altern

Um über viele Jahre mit dem Diabetes gesund zu altern, ist es wichtig, die Therapieziele richtig zu definieren. Das wichtigste Ziel ist, dass man mit dem Diabetes im täglichen Leben gut zu Recht kommt. Lebensqualität und Therapiezufriedenheit sind hier das Stichwort. Der Diabetes darf eben nicht die erste Geige im Leben spielen. Andererseits sollte der Zucker gut eingestellt sein, damit sich über die Jahrzehnte keine Folgeerkrankungen entwickeln.

Doch dies heißt nicht “je tiefer desto besser”; die Kehrseite der Medaille ist nämlich, dass ein zu scharf eingestellter Blutzucker langfristig zu einer Störung der Unterzuckerungswahrnehmung führt. Sind schwere Unterzuckerungen aufgetreten, so entsteht bei manchen Patienten eine große Angst vor weiteren Unterzuckerungen, die die Therapieführung erschwert.

Einen guten Mittelweg erzielt man, wenn die Blutzuckerspiegel sich im Bereich zwischen 70 und 180 mg/dl (3,9 und 10 mmol/l) bewegen und der HbA1c-Wert zwischen 6, 5 und 7,5 Prozent liegt. Dies wird sicherlich nicht immer gelingen, aber man sollte schon versuchen , diesem Ziel möglichst nahe zu kommen.

Vorsicht Begleiterkrankungen

Ein Problem beim Älterwerden ist, dass Begleiterkrankungen hinzukommen. Typische Begleiterkrankungen sind ein Bluthochdruck, eine Fettstoffwechselstörung und oft auch eine ungewollte Gewichtszunahme. All diese erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Deswegen ist es so wichtig, dass das Entstehen solcher Begleiterkrankungen rechtzeitig erkannt wird. Durch eine konsequente Therapie von Anfang an, lässt sich das Risiko durch Begleiterkrankungen deutlich mindern – man muss eben nur regelmäßig danach forschen und seine Kontrolluntersuchungstermine beim Arzt regelmäßig wahrnehmen.

“Älter werden ist nichts für Feiglinge …”

… dieses Zitat stammt von dem bekannten Schauspieler Blacky Fuchsberger (†), der sich sehr mit dem Thema Diabetes beschäftigt hatte (auch weil sein Sohn Thomas im Verlauf einer Unterzuckerung im Jahr 2010 tödlich verunglückte); deswegen ist es für Menschen mit Diabetes auch so wichtig, gesund zu altern. “Good aging” ist hier das Stichwort. Aber wie gelingt “good aging”? Typische Alterserscheinungen sind das Nachlassen der Organfunktionen und der Sinnesorgane. Diesem gilt es entgegenzuwirken.

Drei wichtige Bausteine ermöglichen ein gutes Altern: Der erste ist der Erhalt der Kondition, der zweite der Erhalt der Kraft und der dritte der Erhalt der Koordination. Um auch im Alter fit für den Diabetes zu bleiben, sollte man daher Sport als festen Bestandteil der Therapie sehen: Mindestens 150 Minuten pro Woche werden empfohlen. Dies können kleine Einheiten von 10 Minuten oder 30 Minuten sein, aber sie sollten regelmäßig erfolgen. Ausdauersportarten sind genauso wichtig wie Kraftsport, um den altersbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken.

Die Motorik und Koordination erhält man, indem man offen bleibt für Neues und das Gehirn fordert. Tanzen ist zum Beispiel eine gute Möglichkeit, seine Koordinationsfähigkeit zu erhalten; Golf spielen oder das Erlernen neuer Sportarten ebenso.

Je älter desto instabiler

Viele Menschen, die schon sehr lange Diabetes haben, bemerken dass ihr Diabetes instabiler wird. Dies erklärt sich zum Teil dadurch, dass auch die Freisetzung von Glukagon als typischer Gegenspieler von Insulin, der ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, geringer wird. Dies macht den Blutzucker insgesamt instabiler. Entsprechend muss die Insulinversorgung angepasst werden. Zumeist reduziert man daher das Basisinsulin. Je instabiler die Therapie, desto besser muss die Therapieüberwachung sein. Hierzu erfahren Sie mehr im nächsten Beitrag.

Die Körperzusammensetzung im Alter ändert sich

Mit zunehmendem Lebensalter ändert sich die Körperzusammensetzung: Je älter man wird, desto mehr Muskelmasse verliert der Körper. Die Muskelmasse wird bei gleichem Körpergewicht durch Fettgewebe ersetzt. Fettgewebe verbraucht jedoch weniger Energie als Muskulatur; dies bedeutet, dass sich mit zunehmendem Alter der Energiebedarf ändert: Man benötigt einfach eine geringere Energiezufuhr.

Auch kann sich mit zunehmendem Alter bei einem erhöhten Körperfett eine Insulinresistenz entwickeln. Dies geschieht umso leichter, wenn die Erbanlagen für einen Typ-2-Diabetes vorhanden sind. Insbesondere haben Menschen, die in ihrer Verwandtschaft viele Typ-2-Diabetiker haben, auch als Typ-1-Diabetiker das Risiko, einen Doppeldiabetes zu entwickeln.

Dies ist ein Typ-1-Diabetes, bei dem sich über die Jahrzehnte eine Insulinresistenz entwickelt hat. Erkennbar ist dies auch an dem stark steigenden Insulinbedarf. In diesen Fällen sollte man mit dem behandelnden Arzt überlegen, ob nicht auch Medikamente, die für den Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, den Blutzucker stabilisieren können.

Krankheit und Diabetes

Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch das Risiko für Alterserkrankungen oder Erkrankungen überhaupt. Das Immunsystem wird schwächer und damit auch die Wahrscheinlichkeit für Infektionskrankheiten. Diesem Umstand sollte man Rechnung tragen und die typischen Vorsorgeuntersuchungen für Männer und Frauen nicht nur ernst-, sondern auch wahrnehmen.

Außerdem helfen Impfungen im Alter, Infektionskrankheiten zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für schwere Infektionen der Lunge, so dass es sich lohnt, regelmäßig den Impfstatus beim Hausarzt überprüfen zu lassen.

Außerdem ist es wichtig, dass bei akuten Erkrankungen beim älteren Diabetiker immer auch der Diabetes in die Therapieentscheidungen mit einbezogen wird. Gerade bei Diabetes müssen manche Akuterkrankungen konsequenter behandelt werden, und sofern Operationen geplant sind, sollte das Vorhandensein eines Diabetes mit berücksichtigt werden.

Fazit

Anders als vor 50 Jahren ist es heute möglich, mit dem Diabetes auch über viele Jahrzehnte gut zu leben und gesund zu bleiben. Welche Faktoren für ein erfolgreiches Leben mit einem Langzeitdiabetes stehen, erfahren Sie im nächsten Artikel.


von Prof. Dr. Thomas Haak

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (12) Seite 14-19

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 4 Wochen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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