- Leben mit Diabetes
Erfolgsrezepte für ein gutes Leben mit Diabetes
5 Minuten
Viele Menschen mit einem langjährigen Diabetes kommen sehr gut mit ihrer Krankheit klar. Was sind die Gründe dafür? Psychologe Prof. Bernd Kulzer reflektiert.
Manchmal bin ich in meiner Arbeit mit Menschen mit Diabetes tief beeindruckt, wie gut einzelne Personen mit dem Diabetes zurechtkommen. Trotz oft widriger Umstände, als sie ihren Diabetes bekommen hatten – zu einer Zeit, als die Therapie noch völlig anders lief; oder trotz Lebensumständen, die nicht einfach sind; oft auch im Zusammenhang mit Folgeerkrankungen – die diese Menschen wohl eher motivieren, sich noch besser um ihrem Diabetes zu kümmern. Manchmal frage ich mich, ob ich denn genausogut mit dem Diabetes umgehen könnte?
Nun: Gibt es denn Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen mit Diabetes, die auf eine lange Diabeteserfahrung zurückblicken können – und von denen ich den Eindruck habe, dass sie sehr gut mit ihrer Erkrankung umgehen? Ich glaube schon, dass sich ein paar grundsätzlich wichtige Erfolgsrezepte ableiten lassen!
Den Diabetes akzeptieren
Es ist sicher am Anfang nicht einfach, sich mit dem neuen und nun lebenslangen Gast zu arrangieren; den wenigsten gelingt dies zu Beginn der Erkrankung. Zu einschneidend sind die Konsequenzen des Diabetes für den Alltag, fürs weitere Leben. Es hilft nichts – der Diabetes ist ab sofort präsent und bestimmt zu einem gewissen Ausmaß den Alltag. Und es ist weise, sich mit dem Diabetes zu arrangieren statt dagegen anzukämpfen.
Es macht Sinn, viel Energie darauf zu verwenden, sich gut über den Diabetes zu informieren und zu versuchen, einen eigenen Weg zu finden, um den Diabetes in sein Leben zu integrieren. Fast alle Menschen mit Diabetes, die dies erfolgreich geschafft haben, stellen sich irgendwann nicht mehr die Frage “Warum ich?” Oft höre ich stattdessen eine Haltung, die sich beschreiben lässt mit “Warum nicht, es gibt Schlimmeres im Leben” oder “Na klar, der Diabetes ist ein Teil von mir”.
Oder wie der legendäre Spruch von Bob dem Baumeister – “Yo, wir schaffen das!”- später kopiert von Obamas mit “Yes we can”.
Nicht für den Diabetes leben – mit ihm!
Früher lebte man als Diabetiker mit kaum variablen Spritzzeiten und festgelegten Mengen an Kohlenhydraten, die zu bestimmten Zeiten gegessen werden mussten: “Natürlich benötigte das Disziplin. Aber diese Disziplin hat mir geholfen, auch andere Dinge im Leben zu verfolgen, denn ich wollte ja nicht immer nur nach der Uhr leben. Gerade weil ich so viel Aufwand für meinen Diabetes leisten musste, habe ich mich oft gefragt, wozu und wofür mache ich das?” berichtet ein Patient von mir, seit über 50 Jahren Typ-1-Diabetiker.
Seine Antwort:”Damit ich möglichst in die Lage versetzt werde, meine Träume im Leben zu verwirklichen – und das habe ich konsequent gemacht. Wenn ich auf dem Gipfel eines Berges stehe, an unserem Hochzeitstag oder kürzlich bei der Einschulung unserer Enkelin denke ich oft insgeheim: Dafür lohnt es sich!”
Ein Rezept für einen erfolgreichen Umgang mit dem Diabetes besteht sicher darin, eine gute Balance zu finden zwischen der notwendigen Selbstfürsorge und einem erfüllten Leben. Beide Ziele verhalten sich wie kommunizierende Röhren: Ein gutes Diabetesmanagement führt dazu, dass der Diabetes irgendwann “läuft”, nicht ständig den Alltag bestimmt und Folgeerkrankungen nicht zu gravierenden Einbußen der Lebensqualität führen.
Ein erfülltes Leben ist eine gute Voraussetzung dafür, dass der Diabetes nicht das Leben zu stark bestimmt und gibt andererseits Kraft und Gelassenheit, sich jeden Tag um den Diabetes zu kümmern. Oder wie es ein anderer Patient ausdrückte: “Ich lebe gerne, deshalb kümmere ich mich um meinen Diabetes. Manchmal bin ich sogar richtig stolz, wenn ich es gut hinbekomme, das motiviert mich.”
„Die Glücklichen sind neugierig“
Neugier und Interesse führen dazu, dass man die Welt erforscht, Neues lernt und nicht stehen bleibt. Beides zeichnet Leute aus, die aktiv ihr Leben gestalten und sich stetig weiterentwickeln. Das wusste schon der Philosoph und Schriftsteller Ferdinand Nietzsche, der schrieb, “Die Glücklichen sind neugierig.”
Die meisten Menschen, die erfolgreich mit dem Diabetes zurechtkommen, sind ausgesprochen neugierig: auf die Meinung anderer, auf neue Technologien oder Erkenntnisse der Wissenschaft – oder sie hinterfragen schlicht einmal, ob der bisherige Umgang mit dem Diabetes passt – oder ob man etwas optimieren kann. Neugierde bedeutet auch, das bisherige Verhalten zu hinterfragen und einmal etwas Neues auszuprobieren:
So lernte ich z. B. Herrn Mommsen in der Diabetes Klinik Bad Mergentheim kennen, den wahrscheinlich ersten Typ-1-Diabetiker in Deutschland, der mit Insulin behandelt wurde. Als er immer mehr Schwierigkeiten bekam, die Anzeichen einer Unterzuckerung zu erkennen, entschied er sich mit 83 Jahren für eine Insulinpumpentherapie. In seinem Buch “Mein Leben dank Insulin” schrieb er: “Ich habe mich immer über Neuigkeiten rund um den Diabetes informiert, das hat mich interessiert – engstirnig war ich nie, sondern immer aufgeschlossen für Neues.”
Flexibel und offen für Neues bleiben
Flexibel bleiben: In unserer Welt müssen wir uns schnell an neue Situationen anpassen und darauf reagieren. Dies gilt auch für den Diabetes; ständig kommen neue Therapieoptionen hinzu: Technologien wie die kontinuierliche Glukosemessung oder das Flash Glukose Messsystem ändern die Sicht auf Glukosewerte; Apps sollen das Leben Diabetes erleichtern; neue Tabletten und Insuline verändern die Anforderungen an die Therapie.
Sie müssen nicht alle Veränderungen toll finden, aber erfolgreiche Menschen mit Diabetes sehen die Chancen und Notwendigkeit, sich immer wieder auf veränderte Bedingungen einzustellen – eben flexibel zu sein:
“Ich haben mich immer gefreut, wenn es neue Errungenschaften in Sachen Diabetes gab”, sagte sich eine 50-Jährige mit Diabetes kürzlich bei einer Veranstaltung und:
“Das wichtigste ist, offen für das Neue zu sein, aber auch zu erkennen, was mir wirklich hilft, mein Leben mit Diabetes zu verbessern. Mir persönlich hilft das Gerät zur Messung der Flash Glukose mit seinen Trendpfeilen und Auswertmöglichkeiten ungemein, und ich bin ganz erstaunt zu sehen, wie sich mein Zucker in verschiedene Situationen verhält. Da lerne selbst ich mit meiner langen Erfahrung jeden Tag dazu. Apps hingegen überzeugen mich nicht wirklich.”
Automatisierte Handlungen: mit Routine und Leichtigkeit
Was haben Ski laufen, Tischtennis spielen oder Zähne putzen gemeinsam? Es sind zu einem Großteil automatisierte Handlungen, bei denen Sie nicht ständig überlegen, was Sie tun sollen: Ein schlechter Skifahrer überlegt, wie er den Hang fahren soll, ein guter Skifahrer fährt intuitiv über die Buckel des Hangs. Ein guter Tischtennisspieler überlegt nicht, ob er die Vor- oder Rückhand einsetzt – er spielt intuitiv den Ball. Und wahrscheinlich stellen Sie sich morgens nicht die Frage, ob Sie Ihre Zahnbürste zuerst in die rechte oder linke Backentasche schieben sollen.
Und bei Diabetes? Es macht Sinn, auch hier Automatismen zu entwickeln, die das Leben mit Diabetes einfacher machen. Erfahrene Menschen mit Diabetes regen sich viel weniger über Blutzuckerschwankungen oder erhöhte Blutzuckerwerte auf, sondern korrigieren sie einfach.
“Meine wichtigste Erfahrung bei dem Klinikaufenthalt war die Erkenntnis, mit wieviel Routine und Leichtigkeit man den Diabetes im Alltag steuern kann”, sagte vor kurzem ein recht neu diagnostizierter Patient. “Ich habe mir von erfahrenen Diabetikern viel abgucken können. Die regen sich viel weniger über die Blutzuckerwerte auf als ich und reagieren einfach, ohne große Emotionen. Die machen das viel effektiver als ich.”
Den eigenen Weg finden
Jeder Diabetes ist anders: Deshalb gibt es nicht das Patentrezept, wie sie Ihren Diabetes behandeln sollen, sondern viele Möglichkeiten. Und es ist Ihre Aufgabe, Ihren Weg zu finden, wie Sie den Diabetes erfolgreich in ihr Leben integrieren. Das wichtigste Erfolgsrezept würde ich mit Frank Sinatra formulieren: Sie müssen Ihren persönlichen Diabetes-Weg finden – I did it my way. Dabei können Sie sehr profitieren, wenn Sie sich mit anderen austauschen und sich Menschen, die dies gut hinbekommen, als Vorbild nehmen.
Viel Erfolg!
Schwerpunkt „Jahrzehnte mit Diabetes gut leben“
- Gute Diabetes-Therapie ein Leben lang!
- Erfolgsrezepte für ein gutes Leben mit Diabetes
- Helfen neue Technologien auch Langzeit-Diabetikern?
- Vermeidung von Diabetes-Folgen: Motivation statt Frust
von Prof. Dr. phil. Bernhard Kulzer
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (12) Seite 20-22
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 1 Stunde
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 6 Tagen, 1 Stunde
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
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uho1 antwortete vor 5 Tagen, 23 Stunden
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
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calvin240 antwortete vor 4 Tagen, 19 Stunden
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 4 Wochen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 6 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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