Gutes Gefühl trotz Zeitmangels

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© Kirchheim-Verlag/Christian Mentzel
Gutes Gefühl trotz Zeitmangels

Der Sparzwang im Gesundheitswesen macht auch vor der Diabetes-Klinik, in der Dr. Hans Langer arbeitet, keinen Halt. Dies erschwert vor allem dann eine bestmögliche Therapie, wenn am Personal gespart wird. Doch trotzdem will unser Kolumnist nicht jammern, sondern sieht dies als Herausforderung.

Bei der letzten Mitarbeiterversammlung in unserer Diabetes-Klinik hielt unser Verwaltungschef einen Vortrag über sein Lieblingsthema, nämlich: “Wo kann ich am besten Kosten sparen?” Dass wir Kosten sparen müssen, ist keine Frage. Leider steigen im Gesundheitswesen die Ausgaben stärker als die Einnahmen.

Die meisten Krankenhäuser in Deutschland sind bedauerlicherweise defizitär. Bei den wenigen erfolgreichen Krankenhäusern wird gespart, wo es nur geht: beim Einkauf, bei der Medikamentenauswahl, bei den Lebensmitteln – und da, wo es am meisten bringt: nämlich am Personal.

Jeder fragt sich natürlich, ob man noch weiter am Personal sparen kann – die Arbeit, die gemacht werden muss, wird ja nicht weniger, sondern eher mehr. Patienten werden kränker und damit auch aufwändiger in Bezug auf Therapie und Pflege. Mit weniger Personal muss man effektiver arbeiten; es gibt dafür natürlich Hilfsmittel wie Computerprogramme und Assistenzpersonal, das den Pflegeprofis oder den Ärzten zur Hand geht. Aber jeder Personalabbau führt auch zu Arbeitsverdichtung und damit zu einer höheren, persönlichen Belastung.

Vor kurzem sagte ein Patient zu mir: “Ach, Herr Dr. Langer, wie war es doch vor 15 Jahren so schön, da saßen die Ärzte noch auf meinem Bett und ich konnte mich mit ihnen ein wenig über meinen Schrebergarten unterhalten.” Heute undenkbar: 1. darf man sich aus hygienischen Gründen nicht mehr aufs Bett setzen, 2. fehlt die Zeit dafür.

Dennoch sollen sich unsere Patienten gut aufgehoben fühlen. Und es war noch nie eine Lösung, bei Problemen zu jammern und zu klagen. Vielmehr muss ich jetzt als Oberarzt der Klinik alles daran setzen, dass meine Kollegen auch mit weniger Zeit den Patienten das Gefühl vermitteln, dass wir sie kennen und dass wir ihre Probleme verstanden haben. Die Therapie muss weiterhin korrekt und effektiv sein. Das ist natürlich anstrengend, aber auch eine Herausforderung.

Trotz all der Widrigkeiten der Zeit habe ich großes Verständnis für unseren Verwaltungsleiter, denn die Situation kann er nicht beeinflussen. Was Kliniken verdienen, wird ihnen vorgeschrieben. Und mit dem vorgegebenen Geldbetrag am Ende eine perfekte Therapie zu generieren, das ist unser aller Aufgabe. Das ist auch das Schöne an der Klinik, dass wir ein Miteinander haben, uns gut verstehen, auch über die verschiedenen Arbeitsbereiche hinweg – selbst wenn es manchmal schwierig ist.


von Dr. Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (5) Seite 82

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 16 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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