- Begleiterkrankungen
Haarverlust bei Frauen: Die tägliche Angst vorm Bürsten der Haare
4 Minuten

Viele Patientinnen, die zu unserem Autor Prof. Reinhard Zick in die Haarsprechstunde kommen, beginnen das Gespräch so: „Ich traue mich schon nicht mehr, morgens die Haare zu bürsten, weil mir so viele Haare dabei ausfallen, dass ich befürchte, in absehbarer Zeit keine Haare mehr zu haben.“ Das zeigt deutlich, welche Bedeutung dieses tägliche Aus der Haare für die Frauen hat und welche Haar-Odyssee sie bereits durchlaufen haben. Prof. Zick zeigt Auswege.
In der Regel sind die Diabetikerinnen unter meinen Patienten verdutzt, wenn ich von meiner Seite aus zunächst frage, ob sie vor 2 bis 4 Monaten gehäuft schwere Unterzuckerungen hatten. Oder ob es bei ihnen in diesem Zeitraum zu einer ketoazidotischen Stoffwechselentgleisung gekommen war.
Ein plötzliches „Shedding“ oder ein akutes Ausfallen der Kopfhaare kann beobachtet werden, wenn die Wachstumsphase der Haare verkürzt ist. Durch die kürzere Wachstumsphase verlieren viele Kopfhaare ihre Wachstumsindividualität und marschieren buchstäblich im Gleichschritt bis hin zum Haarausfall. Und plötzlich steigert sich der tägliche normale Haarausfall von 100 auf 200 bis 400 Haare pro Tag.
Hypoglykämie, Ketoazidose und Fasten bedeuten Stress
Auslöser können starke psychische Belastungen oder ganz allgemein akute Stresssituationen sein. Und Hypoglykämien und ketoazidotische Stoffwechselentgleisungen werden von der Haarwurzel als Stress verarbeitet. In diesem Zusammenhang weise ich aber auch immer bei übergewichtigen Diabetikerinnen darauf hin, dass restriktive Diätregime wie Fasten oder zu einseitige Ernährungsgewohnheiten von den Haarwurzeln mit einem vermehrten akuten Haarausfall beantwortet werden können.
Gleiches gilt für zu heftiges Sonnenbaden des Kopfes, z. B. in der jetzt beginnenden Sommerzeit. Der vermehrte akute Haarausfall in der Weihnachtszeit hat in der Regel nichts mit dem Einkaufsstress für die Weihnachtsgeschenke zu tun. Vielmehr wurde er im Sommer durch falsches Kopf-Sonnenbaden auf Sylt, in Mallorca oder in Griechenland ausgelöst.
Immer die gleiche Frage: Und jetzt?
Nach diesen Erläuterungen kommt immer die gleiche Frage: Was soll ich jetzt gegen diesen diffusen akuten Haarausfall tun? Alle bisher mir empfohlenen Präparate haben doch nicht geholfen! Meine Antwort ist immer die gleiche: Nichts! Ihre wunderbaren Haarwurzeln sind alle noch vorhanden und intakt und werden Sie wieder mit einer vollen Haarpracht schmücken, wenn Sie versuchen, die oben angegebenen Gründe in Zukunft in Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt oder Diabetologen zu vermeiden.
Ist bei Diabetikerinnen die Stoffwechseleinstellung dauerhaft unbefriedigend, kann sich die Wachstumsphase der Kopfhaare anhaltend auf 2 bis 3 Jahre verkürzen. So kann sich ein vermehrter chronischer Haarausfall entwickeln. Verstärkt wird diese chronische Form des Haarausfalls noch, wenn die Patientinnen zusätzlich rauchen.
Der chronische Haarverlust liegt in der Regel deutlich über 200 Haaren pro Tag. Er führt zu einer diffusen Ausdünnung des Haarkleides und kann in den Wechseljahren durch Ausfall der Östrogenproduktion bei Weiterbestehen der Testosteronsynthese in den Eierstöcken erst richtig sichtbar oder auch dramatisch verstärkt werden.
Ich empfehle den Frauen in einer solchen Situation, mit ihrem Diabetologen zusammen eine Verbesserung des Stoffwechsels herbeizuführen. Zusätzlich sollten sie ihre Kopfhaut mit 2 % Minoxidil einreiben. Auf die Wirkung dieses Präparates werde ich im nächsten Beitrag dieses Schwerpunkts noch näher eingehen. Allen Raucherinnen legen wir einen Nikotinverzicht ans Herz.
Medikamente checken
Prinzipiell kann auch jedes Medikament bei Dauereinnahme durch eine Verkürzung der Wachstums- oder Ruhephase zu einem vermehrten chronischen Haarausfall führen. Spitzenreiter ist in diesem Zusammenhang aber das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin. Dieses liegt in Deutschland von allen verordneten Medikamenten an zweiter Stelle und wird bei vielen Patientinnen über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte täglich eingenommen.
Dazu einige Erläuterungen: Die Produktion unserer Schilddrüsenhormone wird von unserer Hirnanhangdrüse durch die Abgabe des Hormons TSH in die Blutbahn gesteuert. Sinkt die Produktion von L-Thyroxin in der Schilddrüse, dann antwortet die Hirnanhangdrüse mit einer vermehrten Produktion von TSH und umgekehrt.
Man spricht deshalb auch von einem negativ gekoppelten Regelkreis. Hohe TSH-Werte im Blut deuten auf eine zu geringe und niedrige TSH-Blutwerte auf eine zu große Produktion der Schilddrüsenhormone hin. Deshalb orientiert man sich bei der täglichen L-Thyroxin-Dosis am TSH-Spiegel. Dieser sollte weder zu hoch noch zu niedrig, sondern im Normalbereich liegen.
Und was passiert, wenn diese Normalwerte sich im Alter ändern und ansteigen? Dann sind die vormals normalen TSH-Werte zu niedrig, und es besteht eine Situation wie bei einer Überfunktion der Schilddrüse. Nur dass diese Überfunktion durch die Gabe von L-Thyroxin ausgelöst wurde. Und bei einer Überfunktion der Schilddrüse kommt es zu einer dauerhaften Verkürzung der Wachstums- und Ruhephase der Haare und in der Folge zu einem chronischen Verlust der Kopfhaare.
Chemotherapie: Von Unglück und Glück
Unglück
Einen Sonderfall stellen Diabetikerinnen dar, die mich gelegentlich wegen ihres akuten Haarausfalls nach einer Chemotherapie aufsuchen, am häufigsten im Zusammenhang mit einer Brustkrebserkrankung. Anhand obiger „haarigen Grundlagen“ kann ich ihnen dann erläutern, dass durch die Chemotherapie alle Haare in der Wachstumsphase so stark geschädigt werden, dass sie abbrechen und für den plötzlichen Haarausfall verantwortlich sind.
Und ich erkläre ihnen, dass etwa 4 Wochen nach Beginn der Chemotherapie nur noch Haare auf ihrem Kopf sind, die sich in der Ruhephase befinden – und diese leider auch nach 2 bis 4 Monaten ausfallen werden.
Glück
Nach einigen Wochen werden sich die Haarfollikel aber wieder erholen und buchstäblich die Kopfhaare in alter Pracht und Dichte wachsen lassen. In seltenen Fällen kann es aber zu Überraschungen kommen, so dass die Haare entweder ihre Farbe wechseln oder aus glatten wellige Haare oder auch umgekehrt werden. Was im Einzelfall nicht unbedingt nachteilig sein muss, oder?
Jetzt verstehen Sie auch, warum viele Diabetikerinnen, die wegen einer entzündeten Schilddrüse („Hashimoto-Thyreoiditis“) langjährig mit L-Thyroxin behandelt werden, in meiner Sprechstunde auf Nachfrage angeben, dass ihnen seit Langem schon vermehrt die Haare ausfallen. Und was sollten Sie jetzt tun, wenn ein solcher chronischer Haarausfall unter der Einnahme von L-Thyroxin vorliegt?
Mit Ihrem Hausarzt reden: über Ihren TSH-Wert sowie darüber, dass bei einem Alter über 60 Jahren ein TSH-Wert zwischen 4 und 8 uU/ml keine Katastrophe, sondern ihr altersgerechter Normalwert ist. Ihre Haare werden es Ihnen danken und im doppelten Sinne wieder länger wachsen.
Eisen: strahlende Gesichter, volleres Kopfhaar
Und zum Schluss noch kurz einige Zeilen zum Thema Haarverlust und zur Rolle von Eisen. Wie so oft in der Medizin gibt es viele Studien zum Pro und Contra dieser Behandlung. Wir handeln unter dem Leidensdruck der Patienten pragmatisch: Liegt der Eisenspeicherwert (Ferritin) unter 40 bis 70 ng/ml, dann substituieren wir Eisen entweder in Tablettenform, aber auch bei sehr niedrigen Ferritinspiegeln (< 30 ng/ml) durch Eiseninfusionen.
Und? Sehr oft sehen wir bei einem späteren ambulanten Termin der Patientinnen strahlende Gesichter und volleres Kopfhaar.
Schwerpunkt: „Weiblicher Haarverlust“
- Fragen und Antworten aus der Praxis zum Thema weiblicher Haarverlust
- Haarverlust bei Frauen: Die tägliche Angst vorm Bürsten der Haare
- Lichtes Haar bei Frauen: Mein Ich – ein Mann im Spiegel?
von Prof. Dr. Reinhard Zick (†)
Prof. Dr. Reinhard Zick war Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Endokrinologie und Diabetologie. Er war rund 25 Jahre lang Chefarzt für Gastroenterologie im Bonifatius Hospital in Lingen.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (7) Seite 24-26
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florahdo postete ein Update vor 4 Tagen, 14 Stunden
Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!
Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂
mr postete ein Update vor 1 Woche
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Tag, 21 Stunden
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?
moira postete ein Update vor 1 Woche
Hallo!
Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
Ich wüsste gerne wie gut das klappt.- moira antwortete vor 6 Tagen, 5 Stunden
Ich meinte Liberty



