Schlechte Tage – einen ganzen Tag gar nicht messen – und dann?

3 Minuten

Community-Beitrag
Schlechte Tage – einen ganzen Tag gar nicht messen – und dann?

CN: Depression

Puh, heute möchte ich mit euch ein eher unangenehmes Thema bearbeiten und versuchen, Lösungswege zu erarbeiten. Für viele ist das sicher komplett unverständlich, aber ich möchte euch daran erinnern, dass wir alle anders mit dem Diabetes umgehen, anderes „Gepäck“ mit uns herumtragen und nicht immer alles leicht und einfach ist mit dem Diabetes im Alltag.

Quelle: pixabay

Es gibt diese Tage: keine Kohlenhydrate, kein Stress, kein Blutzuckermessen

Aber fangen wir vorne an. Jetzt aktuell in der Sommerhitze passiert es schon einmal, dass ich den ganzen Tag nur Wasser trinke, vielleicht mal einen Gurkensalat esse und abends ins Bett gehe und bemerke, dass ich kein einziges Mal meinen Blutzucker gemessen habe. Uff. Ja, das geht in der heutigen Zeit noch, denn ich laufe nicht immer mit einem Sensor an mir herum, der die ganze Sache simpler gestalten würde oder permanent piept, bis ich reagiere. Da geht so ein Tag ohne Messen schon einmal sehr schnell um. An einem solchen Tag, der ohne Kohlenhydrate vonstattengeht und an dem ich mich gut fühle, kann das, wenn nicht gerade der Zyklus seine Finger mit im Spiel hat und die Basalrate auch passt und nicht unbedingt Sport oder Stress anstehen, im Zweifel schon mal durchgehen. Ich möchte das an dieser Stelle ausdrücklich nicht empfehlen, sondern lediglich von meinen Erfahrungen berichten. Es gibt diese Tage.

Blutzuckerkontrolle als Selfcare

Es gibt aber auch noch andere Tage. Tage, an denen die Depression wieder so richtig kickt und ich mich den ganzen Tag zu Hause vergrabe und mich nicht um mich kümmere und deswegen auch nicht meinen Blutzucker kontrolliere. Das ist etwas anderes. An diesen Tagen ist Blutzuckerkontrolle für mich Selfcare, aber an diesen Tagen ist einfach überhaupt kein Platz für Selfcare, nicht mal ein kleines bisschen, nicht mal ausreichend zu trinken klappt an diesen Tagen. An dieser Stelle möchte ich nochmal ausdrücklich erwähnen, dass das hier meine eigenen Erfahrungen sind und ich das nicht empfehle, denn die Blutzuckerkontrolle ist ein wichtiges Mittel unserer Diabetestherapie, ohne sie geht einfach nichts. Dessen bin ich mir auch bewusst, und dennoch gibt es diese Tage. Aber auch sie gehen vorbei.

Quelle: pixabay

Was kann ich tun?

Zunächst einmal versuche ich, mir an diesen Tagen nicht noch ein größeres schlechtes Gewissen zu machen, als ich es sowieso schon habe. Denn das verstärkt alles andere noch viel mehr. Ich versuche, mir eine Pause von Diabetes-Social-Media zu geben, von all den schönen Bildern und vermeintlich disziplinierten Menschen mit Diabetes da draußen, die (so lässt es Social Media zumindest manchmal vermuten, aber natürlich weiß ich es eigentlich besser) wohl nie solche Tage haben. Und dann versuche ich, mich aktiv wieder an die Selfcare heranzutasten. Mache Dinge, die mir selbst guttun. Das können jedes Mal neue Dinge sein, aber es muss langsam vorangehen, ich kann mich nicht dazu zwingen. Und am nächsten Tag ist es oft auch schon besser, ich messe wieder gelegentlich und komme langsam wieder in die Routine. Was genau mich zurückholt, kann ich nie genau sagen. Nur eines möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen: Es bringt nichts, sich ein schlechtes Gewissen zu machen.

Diabetes ist ein unbezahlter Fulltimejob und in schlechten Zeiten braucht das Gehirn manchmal eine Auszeit (zumindest bei mir) und die nimmt es sich dann einfach, irgendwie. Bei mir ist das anscheinend ein Tag Urlaub vom Messen. Natürlich muss ich trotzdem aufmerksam sein und versuchen, auf meinen Körper zu hören. Natürlich birgt das Risiken. Natürlich ist das nicht vorbildlich. Aber am Ende sind wir alle nur Menschen.

Offenheit und Erfahrungsaustausch

Wie geht es euch bei diesem Thema? Habt ihr Erfahrungen mit Depression und den Auswirkungen darauf auf euch selbst? Passiert es bei euch ab und an, dass ihr das Messen vergesst oder mental und körperlich nicht in der Lage seid, zu messen und euch um euch zu kümmern? Lasst uns offen darüber sprechen, denn Diabetes ist nicht immer nur Happiness.

 


Auch Antje schrieb bereits über Diabetes und Depressionen: Diabetes und Depression – ein Teufelskreis!

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes Kongress 2024: Suizidalität und Diabetes – und was ich mir aus Patientinnensicht von medizinischen Kongressen wünsche

Klara hat den Diabetes Kongress im Mai in Berlin besucht und sich dabei vornehmlich dem Aspekt Diabetes und Psyche gewidmet. In ihrem Beitrag legt sie den Fokus auf das Tabuthema Suizidalität bei Diabetes.

5 Minuten

Community-Beitrag

Diabetes und Achtsamkeit – warum?

Das Diabetes-Management kann mitunter ganz schön aufreibend und stressig sein: der Umgang mit den Emotionen, dem Stress, dem Frust, den das ständige Rechnen, Vorausplanen, Anpassen, und das vorprogrammierte Scheitern. Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, den emotionalen Stress zu reduzieren, weiß Mirjam zu berichten.

3 Minuten

Community-Beitrag

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 6 Tagen, 3 Stunden

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände