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Typ-1-Diabetes: Insulin plus eine Tablette?
3 Minuten
Spannend: Ein orales Antidiabetikum, das auch Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen können, könnte bald zugelassen werden. Die Vorteile des Wirkstoffes Sotagliflozin: niedrigerer HbA1c-Wert, geringere Schwankungen des Blutzuckers und eine reduzierte Mahlzeiten-Insulindosis. Professor Thomas Danne berichtet von den drei Studien zu Sotagliflozin, die während der großen Jahrenstagungen von ADA und EASD vorgestellt wurden.
Seit der Entdeckung von Insulin im Jahre 1922 gibt es nur dieses eine Medikament, das zur Behandlung von Typ-1-Diabetes zugelassen ist. Folgt man den Präsentationen bei den Jahrestagungen der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft (ADA) im Sommer in San Diego und der Europäischen Diabetes Gesellschaft (EASD) vor Kurzem in Lissabon über die klinischen Studien zu dem neuen Diabetes-Medikament Sotagliflozin bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes, könnte sich das demnächst ändern.
Gesteigerte Zuckerausscheidung
Bislang ist die Substanzgruppe der SGLT-2-Hemmer zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes zugelassen. Dies sind blutzuckersenkende Wirkstoffe, die bewirken, dass verstärkt Glukose über den Harn ausgeschieden wird. Ihre Wirkungen sind im Unterschied zu anderen Antidiabetika von Insulin unabhängig. Die Effekte beruhen auf der Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (SGLT 2) an der Niere, der für die Wiederaufnahme der Glukose aus dem Harn in den Blutkreislauf verantwortlich ist.
Schon seit Längerem wird darüber nachgedacht, SGLT-2-Hemmer auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes einzusetzen. Erste erfolgreiche Studien dazu wurden auf den Kongressen vorgestellt.
Wie wirkt Sotagliflozin?
Die kleine US-Pharmafirma Lexicon entwickelte nun das neuartige Medikament Sotagliflozin, einen einzigartigen oralen Dual-Hemmer von zwei Proteinen, die für die Glukose-Regulation verantwortlich sind, und zwar nicht nur für Natrium-Glukose-Cotransporter Typ 2 sondern gleichzeitig auch für Transporter 1 (SGLT 1 und SGLT 2).
Während SGLT 2 wie bei den Medikamenten für Typ-2-Diabetes für die Glukose-Reabsorption durch die Niere zuständig ist, hemmt Sotagliflozin auch SGLT 1, das für die Glukoseabsorption im Magen-Darm-Trakt verantwortlich ist. Da beim Typ-1-Diabetes besonders auch die Blutzuckeranstiege nach dem Essen schwierig zu behandeln sind, könnte sich ein dualer SGLT-1- und SGLT-2-Hemmer besonders für diese Patientengruppe eignen.
Schließlich ist SGLT 1 ein wichtiger Transporter für die Glukose- und Galaktose-Absorption im Magen-Darm-Trakt, und eine langsamere Zuckeraufnahme im Darm könnte einen besseren Blutzuckerverlauf bewirken.
Die in Tandem-Studien
Sotagliflozin zeigte zunächst erste ermutigende Ergebnisse in Phase-II-Studien, wo eine Kombination der Tablette zur üblichen Insulintherapie bei einer kleinen Gruppe von Menschen mit Typ-1-Diabetes zu einer Verbesserung des HbA1c, geringeren Schwankungen des Blutzuckers und einer reduzierten Mahlzeiten-Insulindosis im Vergleich zu Placebo führte.
Daher wurden im inTandem-Studienprogramm drei große klinische Studien über 24 bzw. 56 Wochen durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt in San Diego und Lissabon präsentiert wurden. Es handelt sich um eine US-amerikanische Studie bei 793 Patienten (inTandem1) und eine europäische bei 782 Patienten (inTandem2), bei denen jeweils die Insulintherapie vor Sotagliflozin optimiert wurde. In einer internationale Studie bei 1405 Patienten aus 19 Ländern (inTandem3) wurde die Wirkung von Sotagliflozin ohne vorherige Neueinstellung der Insulinbehandlung mit Placebo verglichen.
Gute Studienergebnisse
Das Studienziel, die Überlegenheit von Sotagliflozin 400 mg plus Insulin im Vergleich zu Placebo plus Insulin zu zeigen, und zwar hinsichtlich der Anzahl von Patienten, die einen HbA1c unter 7,0 % in Woche 24 erreichten und dabei weder eine Episode von schwerer Hypoglykämie noch eine Episode einer diabetischen Ketoazidose (DKA) nach der Randomisierung hatten, wurde in allen drei Studien erreicht. Zusätzlich zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen des Gewichtsverlaufs, des Blutdrucks und der Behandlungzufriedenheit.
Sotagliflozin zeigte in allen drei Studien ein allgemein gut verträgliches Sicherheitsprofil während der 24-wöchigen Behandlungsperiode einschließlich einer vergleichbaren Rate der schweren Hypoglykämie für die Sotagliflozin-Gruppen im Vergleich zu Placebo (2,4 % für Placebo im Vergleich zu 3,0 % für Sotagliflozin 400 mg) und einer dosisabhängigen, etwas höheren Rate von diabetischer Ketoazidose für Sotagliflozin 400 mg (3,0 %) gegenüber Placebo (0,6 %).
Risiko: “euglykämische Ketoazidose”
Grundsätzlich wurde Sotagliflozin den Referenten zufolge gut vertragen. Häufiger als unter Placebo traten z. B. Harnwegsinfekte und Übelkeit auf. Da Sotagliflozin genau wie die SGTL-2-Hemmer eine Ketonbildung begünstigt, traten erwartungsgemäß diabetische Ketoazidosen etwas häufiger auf als bei Placebo. Sowohl die europäische Regulationsbehörde EMEA wie auch die amerikanische FDA hatten auf dieses Risiko bei der Behandlung von Diabetes mit SGTL-2-Hemmern hingewiesen.
Eine weitere Besonderheit ist, dass die Ketoazidosen mit einem normalen oder leicht erhöhten Blutzucker einhergehen können (“euglykämische Ketoazidose”). Dies ist für eine Ketoazidose ungewöhnlich, da die Ketonkörper, die das Blut übersäuern, üblicherweise entstehen, weil die Körperzellen infolge eines Insulinmangels den hohen Blutzucker nicht verwerten können.
Weltweite Einführung für Typ-1-Diabetes angestrebt
Bereits im November 2015 ging die Firma Lexikon eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung mit dem französischen Pharmaunternehmen Sanofi ein. “Sotagliflozin ist der erste Wirkstoffkandidat für ein orales Antidiabetikum, der in drei aufeinander folgenden klinischen Studien der Phase III in dieser Population erfolgreich war”, sagte Lexicon-Präsident Lonnel Coats.
Satish Garg, Studienleiter der inTandem-3-Studie und Professor für Innere Medizin und Pädiatrie am Barbara Davis Center für Diabetes in Denver, ergänzte: “Wenn das Medikament von den Behörden zugelassen wird, kann Sotagliflozin möglicherweise die erste Option für eine Ergänzung zur üblichen Insulintherapie zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Patienten mit Typ-1-Diabetes werden.”
“Diese überzeugenden Ergebnisse sprechen für die potenziellen langfristigen Vorteile, die Sotagliflozin den Menschen mit Typ-1-Diabetes bringen kann”, sagte Jorge Insuasty, Leiter der globalen Entwicklung bei Sanofi, und bestätigte: “Wir freuen uns darauf, die regulatorische Einreichungen für die Behandlung von Typ-1-Diabetes zusätzlich zu Insulin weltweit zu verfolgen.”
Da es bei Sotagliflozin bislang noch keine Kinderstudien gibt, wird das Medikament gegebenenfalls zunächst für Erwachsene zugelassen. Dies könnte schon im nächsten Jahr soweit sein.
von Prof. Dr. med. Thomas Danne
Diabetes-Eltern-Journal-Chefredakteur, Kinderdiabetologe,
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult”, Hannover,
E-Mail: danne@hka.de
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stephanie-haack postete ein Update vor 5 Tagen, 5 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 5 Tagen, 7 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 5 Tagen, 5 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
