Typ-1-Diabetes: Insulin plus eine Tablette?

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Typ-1-Diabetes: Insulin plus eine Tablette?

Spannend: Ein orales Antidiabetikum, das auch Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen können, könnte bald zugelassen werden. Die Vorteile des Wirkstoffes Sotagliflozin: niedrigerer HbA1c-Wert, geringere Schwankungen des Blutzuckers und eine reduzierte Mahlzeiten-Insulindosis. Professor Thomas Danne berichtet von den drei Studien zu Sotagliflozin, die während der großen Jahrenstagungen von ADA und EASD vorgestellt wurden.

Seit der Entdeckung von Insulin im Jahre 1922 gibt es nur dieses eine Medikament, das zur Behandlung von Typ-1-Diabetes zugelassen ist. Folgt man den Präsentationen bei den Jahrestagungen der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft (ADA) im Sommer in San Diego und der Europäischen Diabetes Gesellschaft (EASD) vor Kurzem in Lissabon über die klinischen Studien zu dem neuen Diabetes-Medikament Sotagliflozin bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes, könnte sich das demnächst ändern.

Gesteigerte Zuckerausscheidung

Bislang ist die Substanzgruppe der SGLT-2-Hemmer zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes zugelassen. Dies sind blutzuckersenkende Wirkstoffe, die bewirken, dass verstärkt Glukose über den Harn ausgeschieden wird. Ihre Wirkungen sind im Unterschied zu anderen Antidiabetika von Insulin unabhängig. Die Effekte beruhen auf der Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (SGLT 2) an der Niere, der für die Wiederaufnahme der Glukose aus dem Harn in den Blutkreislauf verantwortlich ist.

Schon seit Längerem wird darüber nachgedacht, SGLT-2-Hemmer auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes einzusetzen. Erste erfolgreiche Studien dazu wurden auf den Kongressen vorgestellt.

Wie wirkt Sotagliflozin?

Die kleine US-Pharmafirma Lexicon entwickelte nun das neuartige Medikament Sotagliflozin, einen einzigartigen oralen Dual-Hemmer von zwei Proteinen, die für die Glukose-Regulation verantwortlich sind, und zwar nicht nur für Natrium-Glukose-Cotransporter Typ 2 sondern gleichzeitig auch für Transporter 1 (SGLT 1 und SGLT 2).

Während SGLT 2 wie bei den Medikamenten für Typ-2-Diabetes für die Glukose-Reabsorption durch die Niere zuständig ist, hemmt Sotagliflozin auch SGLT 1, das für die Glukoseabsorption im Magen-Darm-Trakt verantwortlich ist. Da beim Typ-1-Diabetes besonders auch die Blutzuckeranstiege nach dem Essen schwierig zu behandeln sind, könnte sich ein dualer SGLT-1- und SGLT-2-Hemmer besonders für diese Patientengruppe eignen.

Schließlich ist SGLT 1 ein wichtiger Transporter für die Glukose- und Galaktose-Absorption im Magen-Darm-Trakt, und eine langsamere Zuckeraufnahme im Darm könnte einen besseren Blutzuckerverlauf bewirken.

Die in Tandem-Studien

Sotagliflozin zeigte zunächst erste ermutigende Ergebnisse in Phase-II-Studien, wo eine Kombination der Tablette zur üblichen Insulintherapie bei einer kleinen Gruppe von Menschen mit Typ-1-Diabetes zu einer Verbesserung des HbA1c, geringeren Schwankungen des Blutzuckers und einer reduzierten Mahlzeiten-Insulindosis im Vergleich zu Placebo führte.

Daher wurden im inTandem-Studienprogramm drei große klinische Studien über 24 bzw. 56 Wochen durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt in San Diego und Lissabon präsentiert wurden. Es handelt sich um eine US-amerikanische Studie bei 793 Patienten (inTandem1) und eine europäische bei 782 Patienten (inTandem2), bei denen jeweils die Insulintherapie vor Sotagliflozin optimiert wurde. In einer internationale Studie bei 1405 Patienten aus 19 Ländern (inTandem3) wurde die Wirkung von Sotagliflozin ohne vorherige Neueinstellung der Insulinbehandlung mit Placebo verglichen.

Gute Studienergebnisse

Das Studienziel, die Überlegenheit von Sotagliflozin 400 mg plus Insulin im Vergleich zu Placebo plus Insulin zu zeigen, und zwar hinsichtlich der Anzahl von Patienten, die einen HbA1c unter 7,0 % in Woche 24 erreichten und dabei weder eine Episode von schwerer Hypoglykämie noch eine Episode einer diabetischen Ketoazidose (DKA) nach der Randomisierung hatten, wurde in allen drei Studien erreicht. Zusätzlich zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen des Gewichtsverlaufs, des Blutdrucks und der Behandlungzufriedenheit.

Sotagliflozin zeigte in allen drei Studien ein allgemein gut verträgliches Sicherheitsprofil während der 24-wöchigen Behandlungsperiode einschließlich einer vergleichbaren Rate der schweren Hypoglykämie für die Sotagliflozin-Gruppen im Vergleich zu Placebo (2,4 % für Placebo im Vergleich zu 3,0 % für Sotagliflozin 400 mg) und einer dosisabhängigen, etwas höheren Rate von diabetischer Ketoazidose für Sotagliflozin 400 mg (3,0 %) gegenüber Placebo (0,6 %).

Risiko: “euglykämische Ketoazidose”

Grundsätzlich wurde Sotagliflozin den Referenten zufolge gut vertragen. Häufiger als unter Placebo traten z. B. Harnwegsinfekte und Übelkeit auf. Da Sotagliflozin genau wie die SGTL-2-Hemmer eine Ketonbildung begünstigt, traten erwartungsgemäß diabetische Ketoazidosen etwas häufiger auf als bei Placebo. Sowohl die europäische Regulationsbehörde EMEA wie auch die amerikanische FDA hatten auf dieses Risiko bei der Behandlung von Diabetes mit SGTL-2-Hemmern hingewiesen.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die Ketoazidosen mit einem normalen oder leicht erhöhten Blutzucker einhergehen können (“euglykämische Ketoazidose”). Dies ist für eine Ketoazidose ungewöhnlich, da die Ketonkörper, die das Blut übersäuern, üblicherweise entstehen, weil die Körperzellen infolge eines Insulinmangels den hohen Blutzucker nicht verwerten können.

Weltweite Einführung für Typ-1-Diabetes angestrebt

Bereits im November 2015 ging die Firma Lexikon eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung mit dem französischen Pharmaunternehmen Sanofi ein. “Sotagliflozin ist der erste Wirkstoffkandidat für ein orales Antidiabetikum, der in drei aufeinander folgenden klinischen Studien der Phase III in dieser Population erfolgreich war”, sagte Lexicon-Präsident Lonnel Coats.

Satish Garg, Studienleiter der inTandem-3-Studie und Professor für Innere Medizin und Pädiatrie am Barbara Davis Center für Diabetes in Denver, ergänzte: “Wenn das Medikament von den Behörden zugelassen wird, kann Sotagliflozin möglicherweise die erste Option für eine Ergänzung zur üblichen Insulintherapie zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Patienten mit Typ-1-Diabetes werden.”

“Diese überzeugenden Ergebnisse sprechen für die potenziellen langfristigen Vorteile, die Sotagliflozin den Menschen mit Typ-1-Diabetes bringen kann”, sagte Jorge Insuasty, Leiter der globalen Entwicklung bei Sanofi, und bestätigte: “Wir freuen uns darauf, die regulatorische Einreichungen für die Behandlung von Typ-1-Diabetes zusätzlich zu Insulin weltweit zu verfolgen.”

Da es bei Sotagliflozin bislang noch keine Kinderstudien gibt, wird das Medikament gegebenenfalls zunächst für Erwachsene zugelassen. Dies könnte schon im nächsten Jahr soweit sein.


von Prof. Dr. med. Thomas Danne
Diabetes-Eltern-Journal-Chefredakteur, Kinderdiabetologe,
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult”, Hannover,
E-Mail: danne@hka.de

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Tagen, 10 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
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