Zufallsbefund erhöhte Leberwerte: harmlos oder nicht harmlos?

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Zufallsbefund erhöhte Leberwerte: harmlos oder nicht harmlos?

Erhöhte Leberwerte werden oft zufällig entdeckt. Sie sind häufig vorübergehend, gerade wenn man keine Beschwerden hat. Sie sollten die Werte immer wieder überprüfen lassen, um ernste Erkrankungen auszuschließen.

Der Fall
Peter K. (54 Jahre, Typ-2-Diabetes) war im Januar im Rahmen einer Herzkatheter-Untersuchung sofort mit 3 Stents in den Herzkranzarterien versorgt worden. Zuvor hatte er zunehmende Luftnot und Enge in der Brust schon nach der 1. Etage (er wohnt im 3. Stockwerk). Wegen „starker Herzrhythmusstörungen“ bekam er das Medikament Amiodaron, das er zunächst für einige Wochen nehmen sollte.

Bei der ersten Nachuntersuchung beim Hausarzt war dieser sehr erschrocken: In den Augen zeigte sich eine Gelbfärbung, und im Blut waren die Leberwerte massiv erhöht. Der Hausarzt reagierte richtig und setzte die „Rhythmus-Medikamente“ sofort wieder ab – dies war auch möglich, weil Peter K. wieder einen stabilen Herzrhythmus hatte! Die Bindehaut beider Augen war nach einer Woche wieder klar, und die Leberwerte waren glücklicherweise fast wieder im Normbereich, der Herzrhythmus blieb stabil.

Erhöhte Leberwerte sind ein häufiger Laborbefund – oft zufällig entdeckt und meist nicht Zeichen einer schweren Grunderkrankung. In der Reha-Klinik sehen wir sie häufig nach Operationen. Die Narkosemittel, aber auch Schmerzmittel, Medikamente bei psychischen Erkrankungen und solche gegen Herzrhythmusstörungen können die Auslöser sein.

Die am häufigsten diagnostizierte Lebererkrankung mit erhöhten Leberwerten ist die Fettleber – ursächlich ist unsere „westliche“ Fehlernährung, nicht selten aber auch übermäßiger Alkoholkonsum und die längerfristige, oft unkontrollierte Einnahme von Medikamenten. Bei sehr jungen Menschen mit ständiger Müdigkeit, Übelkeit, fehlendem Geschmacksempfinden und normalem Gewicht kann es sich auch um den seltenen Morbus Wilson handeln – eine Krankheit, bei der sich zu viel Kupfer im Körper anreichert.

Andererseits kommt es pro Jahr bei etwa 200 bis 500 Menschen in Deutschland „aus heiterem Himmel“ zu plötzlichem Leberversagen – dies kann im Extremfall tödlich verlaufen. Leberschädigungen bis hin zum Leberversagen können aber auch auftreten durch längere Einnahme von Medikamenten wie Paracetamol und Phenprocoumon (Handelsname z. B. Marcumar), und Medikamenten pflanzlicher Herkunft (z. B. Kava-Kava (seit 12/2019 nicht mehr zugelassen), Aloe vera), akut aber auch durch das Pilzgift Amanitin (z. B. im Knollenblätterpilz).

Die Ursachen erhöhter Leberwerte

Die bei der Blutentnahme kontrollierten Leberwerte sind dann erhöht, wenn die Leberzellen geschädigt wurden. Wenn Leberwerte nur etwa doppelt so hoch wie normalerweise sind, kann man in der Regel einige Monate abwarten, vielleicht bestimmte Medikamente weglassen und dann nochmals kontrollieren. Durch die Kombination verschiedener Leberwerte (z. B. AST, ALT, Gamma-GT) kann so in etwa 95 Prozent der Fälle eine sichere Diagnose gestellt werden:

  • Erkrankung der Leber: AST und ALT erhöht,
  • Gallengangs-Stau/Entzündung der Gallenblase: starke Erhöhung von Gamma-GT und Alkalischer Phosphatase,
  • Gift-Wirkung auf die Leber: besonders Gamma-GT erhöht.

Man kann heute schon von einer „Fettleber-Welle“ sprechen – bedingt durch krankhaftes Übergewicht (Adipositas), Bewegungsarmut und Typ-2-Diabetes. Aber wohl auch Stress, Umweltgifte und verschiedene Medikamente z. B. gegen erhöhte Fettwerte, Bluthochdruck, Schmerzen, rheumatische Erkrankungen sowie der Gerinnungshemmer Marcumar können zur Entwicklung einer Fettleber beitragen. Vom Bild der Fettleber (Steatose) spricht man, wenn im Ultraschall mehr als 5 Prozent der Leberzellen Fettansammlungen mit mittelgroßen Fetttropfen haben und vergrößert sind.

Ursachen für erhöhte Leberwerte (Auswahl):
  • Fettleber (durch Alkohol, Ernährung, Übergewicht, Medikamente, Stress)
  • Leberentzündung, Lebertumoren
  • Gallenerkrankungen, zum Beispiel Gallensteine, Entzündung der Gallenwege
  • Autoimmunerkrankungen
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen
  • Vergiftung
  • Leberzirrhose
  • zystische Fibrose (Mukoviszidose)

Als „nichtalkoholisch“ oder „NAFLD“ wird die Fettleber bezeichnet, wenn der Alkoholgenuss glaubhaft bei Frauen < 20 g und bei Männern < 40 g pro Tag liegt. Als „NASH“ bezeichnet man die chronisch fortschreitende NAFLD. Sie kann sich bei Patienten mit krankhafter Vermehrung des Bindegewebes der Leber (Leber-Fibrose) in 2 bis 5 Prozent zur Leber-Zirrhose weiterentwickeln; dadurch können Leberkrebs oder sogar Leberversagen drohen.

Nichtalkoholische Fettleber: Diagnose

Bisher erfolgte die Diagnose einer NAFLD aufgrund der Ultraschalluntersuchung – mit Lebervergrößerung, erhöhter Dichte (im Vergleich zur Niere) sowie plumper Form – und/oder MRT-Untersuchung („Kernspin“) sowie ohne Alkohol-Missbrauch laut Patientenangabe. Die Leberwerte sind nicht sicher verwertbar – meist findet man leicht erhöhte AST- und ALT-Werte und einen erhöhten Gamma-GT-Wert.

Leberwerte: Normwerte und Veränderungen bei NAFLD

Leberwert Normwert Veränderung bei NAFLD
AST (auch als GOT bezeichnet)Männer: bis 50 U/l,
Frauen: bis 35 U/l
ca. 2- bis 3-fach erhöht
ALT (auch als GPT bezeichnet)Männer: bis 50 U/l,
Frauen: bis 35 U/l
Männer: bis 50 U/l,
Frauen: bis 35 U/l
Gamma-GTMänner: bis 60 U/l,
Frauen: bis 40 U/l
kann 2-fach erhöht sein
Alkalische PhosphataseMänner: 40 – 130 U/l,
Frauen: 35 – 105 U/l
kann 2-fach erhöht sein
AST/ALT-Quotient (de-Ritis-Quotient)0,6 – 0,8unter 1: geringer Leberschaden,
über 1: schwerwiegenderer Leberschaden

„Fettzellen platzen fast“: Wie entsteht die Fettleber?

Grob gesagt stammt mehr als die Hälfte des Fettes in der Fettleber aus unseren eigenen Fettzellen, die irgendwann nicht mehr in der Lage waren, noch mehr Fett zu speichern – trotz immer größeren Volumens („Fettzellen platzen fast“). Durch krankhaftes Übergewicht (Adipositas) und Insulinresistenz, sprich reduzierte Empfindlichkeit gegenüber Insulin, häufen sich in den Leberzellen vor allem freie Fettsäuren aus Triglyzeriden (Neutralfetten) an, die in energiereichen Lebensmitteln, Fast Food, Süßigkeiten, Softdrinks und Fertiggerichten enthalten sind oder daraus entstehen. Eine NAFLD ist somit eng mit einer Adipositas verbunden.

Warum und wann eine NAFLD sich in eine NASH weiterentwickelt, ist bisher nicht geklärt. Es scheinen dabei aber Darm-Bakterien (Mikrobiom) und die Aktivierung unserer unspezifischen Immunabwehr eine Rolle zu spielen. Da aber nicht alle Übergewichtigen eine NAFLD entwickeln, sind wohl auch genetische und Umweltfaktoren daran beteiligt.

Die Besonderheiten bei Diabetes

Mit der Entwicklung von Übergewicht und einer Fettleber steigt auch das Risiko für einen Typ-2-Diabetes. Verfettete Leberzellen produzieren vermehrt das Protein Fetuin-A, das die Wirkung des Insulins reduziert und die Produktion bestimmter Botenstoffe verändert. Dadurch scheint das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zuzunehmen – zum Beispiel für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Therapie: Ursache beseitigen – „Leberfasten“?

Bisher gibt es noch keine medikamentöse Therapie der NAFLD. Möglicherweise könnte bis zur Entwicklung spezieller Medikamente ein anderes Vorgehen sinnvoller sein: Die Ursache der NAFLD muss beseitigt werden! Womöglich kann das „Leberfasten“ (bekannt durch den Ökotrophologen Dr. Nicolai Worm) das Problem langfristig beseitigen.

Früher und noch bis heute hört man oft, dass rund 50 Prozent der täglichen Nahrung aus Kohlenhydraten bestehen sollten – dies war und ist durchaus wichtig für Menschen, die sehr stark körperlich arbeiten. Nur sagen Sie selbst: Bei unserer heutigen Lebensweise erscheint es sinnvoller, Kohlenhydrate zu reduzieren zugunsten von Proteinen und/oder Fetten. Denn wenn mehr Kohlenhydrate gegessen als verbraucht werden, entsteht Fett! Dass derartige „Fastentage“ insulinempfindlicher machen, kennen einige von Ihnen von den „Hafer-Tagen“ – sehr effektiv, um bei Übergewichtigen und bewegungseingeschränkten Patienten die Insulinempfindlichkeit zu verbessern!

Zusammenfassung

Erhöhte Leberwerte sind glücklicherweise oft nur von vorübergehender Dauer – besonders, wenn keine anderen Beschwerden vorliegen. Sie sollten aber immer kontrolliert und ernst genommen werden. Denn chronische Leberwerterhöhungen insbesondere mit Beschwerden wie Hautveränderungen (auch Juckreiz!), anhaltender Müdigkeit ohne erkennbaren Grund usw. können auch gefährliche Erkrankungen als Ursache haben. Eine Fettleber als Ursache kann zunächst oft „diätetisch“ angegangen werden mit Ernährungsumstellung sowie mit Leberfasten – ein besserer Verlauf der Blutzuckerwerte ist oft die Folge.


Autor:

Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist, Angiologe, Diabetologe und Sozialmediziner
Lehrbeauftragter der Universität Würzburg
Chefarzt Deegenbergklinik
Burgstraße 21, 97688 Bad Kissingen

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (7) Seite 30-32

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße