- Bewegung
Kurz oder lang trainieren: Was bringt HIIT bei Diabetes?
4 Minuten
Hochintensives Intervalltraining (HIIT) verspricht Fitness und das Dahinschmelzen überschüssiger Fettpolster im Zeitsparmodus. Wundertraining oder doch gefährlicher Fettkiller? Sportwissenschaftlerin Jessica Amerkamp und Prof. (FH) Dr. Christian Brinkmann von der Deutschen Sporthochschule Köln/IST-Hochschule Düsseldorf sagen Ihnen, wie HIIT bei Diabetes wirkt, wer davon profitiert und für wen es nicht geeignet ist.
Hochintensives Intervalltraining (HIIT) ist ein vielversprechender Trend in der Fitnesswelt. Beim HIIT handelt es sich um eine Trainingsform, bei der sich hoch-intensive Phasen mit niedrig-intensiven Phasen (aktive oder passive Pausen) abwechseln. Die Trainingsdauer kann variieren, und auch die Intervalle können verschiedene Längen aufweisen. Durch den Intensitätswechsel sind kurzzeitig sehr hohe Belastungen möglich, bei denen man sich richtig auspowern kann. Je nach Motivation und gewählter Intensität kann die Belastung sogar bis zur Ausbelastung reichen.
Vor allem im Leistungssport genutzt, jedoch mit wachsender Beliebtheit im Gesundheitssport, punktet HIIT mit einem schnellen Trainingserfolg, einer hohen Leistungssteigerung und Spaß an der Herausforderung.
Passt gut in den Alltag
Für viele Menschen, die Diabetes haben, könnte diese Art des Trainings attraktiv sein, da sie im oft stressigen Alltag nur wenig Zeit zum Sporttreiben haben und kurze HIIT-Workouts besser in den Alltag integrieren können. Demgegenüber wird jedoch in den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft seit jeher den Patientinnen und Patienten vor allem das klassische kontinuierliche, moderat-intensive Training nach dem Motto „Laufen ohne zu Schnaufen“ nahegelegt. Hier bewegt man sich gleichbleibend intensiv über einen längeren Zeitraum.
Schnell erklärt
- Mitochondrien: die „Kraftwerke“ und Energieerzeuger in unseren Zellen
- Neuropathie: Erkrankung des Nervensystems
- Retinopathie: Erkrankung des Augenhintergrunds
Was ist effektiver für die Gesundheit?
Vergleicht man das klassische kontinuierliche, moderat-intensive Training mit dem HIIT, so liegen bei der Frage, welche Trainingsform nun die effektivere und geeignetere sei, unterschiedliche wissenschaftliche Ergebnisse vor. Es gibt Studien, die zwischen beiden Trainingsmethoden keine Unterschiede bezüglich vieler Zielvariablen feststellen konnten. Andere Studien schreiben HIIT aber Überlegenheit in manchen Wirkungen zu, vor allem in Bezug auf die maximale Sauerstoffaufnahme , die ein Indikator für die maximale Ausdauerleistungsfähigkeit ist.
Der mögliche Trainingserfolg des HIIT liegt dabei eben genau in den beschriebenen Intensitätswechseln, die eine kurzzeitig höhere Belastung beinhalten, was auch eine höhere Anforderung an das Herz-Kreislauf-System mit sich bringt. Beim Training kann zum Beispiel die Herzfrequenz während der intensiven Phasen bis auf die maximale Herzfrequenz steigen. Durch z. B. kurzfristig höhere metabolische und mechanische Reize beim HIIT werden längerfristige Anpassungsprozesse im Herz-Kreislauf-System verstärkt angestoßen.

Auch in den Skelettmuskeln ergeben sich langfristige Veränderungen nach regelmäßigen hoch-intensiven Belastungen: HIIT zeigte in Untersuchungen z. B. sehr schnelle positive Anpassungen in der Leistungsfähigkeit der Mitochondrien als „Kraftwerke“ des Körpers. Bedenkt man, dass die Ausdauerleistungsfähigkeit mit der Leistungsfähigkeit der Mitochondrien eng verknüpft ist, kann das auch ein wichtiger Erklärungsansatz für die Effizienz von HIIT sein.
Was ist mit dem Blutzucker? Ob es überlegene Effekte durch HIIT bei der glykämischen Kontrolle gibt, also der längerfristigen Blutzuckereinstellung, ist nicht ganz klar.
Ziele schneller erreichen
Grundsätzlich sollte bei der Interpretation der Studienergebnisse berücksichtigt werden, dass die HIIT-Programme und die Programme, mit denen diese in der Wirkung verglichen werden, sehr unterschiedlich sind, da es zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Ein klarer Vorteil des HIIT bleibt jedoch stets ein geringerer Zeitumfang, der für das Erreichen der gesundheitlichen Ziele nötig ist.
Was sollte aus sportmedizinischer Sicht vor dem HIIT bedacht werden?
Bevor man in ein HIIT einsteigt, sollte man einige Sicherheitsvorkehrungen vornehmen wie einen ärztlichen Check-up, bevorzugt bei einer Fachärztin/einem Facharzt für Kardiologie, um die Sporttauglichkeit für Belastungsspitzen zu gewährleisten. Vor allem durch das stetige Auf und Ab der Belastungsintensität beim HIIT wird das Herz-Kreislauf-System stark gefordert. Der Wechsel der Belastungen kann vor allem bei Erkrankungen des autonomen Nervensystems (autonome Neuropathie) problematisch sein.
Checkliste vor dem HIIT-Start
- ärztliches Einverständnis nach Check-up mit Belastungs-EKG (und Herz-Ultraschall)
- Ausschluss schwerer Begleiterkrankungen/Folgeerkrankungen
- Sporterfahrung
- gutes Körpergefühl
Auch andere häufige Begleit- und Folgeerkrankungen wie eine fortgeschrittene Retinopathie sollten ausgeschlossen werden. Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Retinopathie sollten HIIT meiden, denn Blutdruckwerte können hier schnell hinausgehen über maximale Blutdruckwerte bei Belastung (180/100 mmHg), wie sie in den Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft für Menschen mit Diabetes mit dieser Folgeerkrankung empfohlen werden.
Wenn Sie ein HIIT planen, sprechen Sie also mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, ob das Training für Sie geeignet ist! Gesetzte Grenzwerte für die Trainingsbelastungen sollten unbedingt eingehalten werden.
Die Belastungsanforderungen eines hochintensiven Trainings sollten, trotz der möglichen Vorteile, nicht unterschätzt und das Training langsam gestartet werden. Vorteilhaft sind bereits vorhandene Sporterfahrung und ein gutes Körpergefühl, um die eigenen Belastungsgrenzen gut einschätzen zu können.
Das Fazit
HIIT spart nicht nur Zeit, sondern kann einige Vorteile vor allem im Hinblick auf die Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit haben. Vor dem Trainingsbeginn sollten jedoch Kontraindikationen beachtet und Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.
Trotz des Hypes um HIIT gilt grundsätzlich, dass moderat-intensives Training eine solide Basis darstellt und für die meisten Patientinnen und Patienten die erste Empfehlung zum Sporttreiben sein sollte. Ein hohes Level an Alltagsaktivitäten ist neben dem sportlichen Training, ob HIIT oder klassisches Training, weiterhin als besonders wichtig anzusehen.
Schwerpunkt „Bewegungsvielfalt“
- Der Check: Fitnesstrends – was geht mit Diabetes?
- Stark sein mit Diabetes Muskelaufbau statt Muskelkater
- Kurz oder lang trainieren: Was bringt HIIT bei Diabetes?
von Prof. (FH) Dr. Christian Brinkmann und Jessica Amerkamp
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (5) Seite 32-35
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 2 Tagen, 12 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 2 Tagen, 11 Stunden
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
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uho1 antwortete vor 2 Tagen, 9 Stunden
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
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calvin240 antwortete vor 1 Tag, 6 Stunden
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 3 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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