Folge-Erkrankungen des Diabetes: Das solltest Du wissen, um Komplikationen zu verhindern

3 Minuten

Diabetes-Folgeerkrankungen: Das solltest Du wissen
Foto: Alexander Raths – stock.adobe.com
Folge-Erkrankungen des Diabetes: Das solltest Du wissen, um Komplikationen zu verhindern

Hohe Blutzuckerwerte tun nicht weh. Doch trotzdem sollte man Diabetes nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn dauerhaft erhöhte Glukosespiegel oder starke Blutzucker-Schwankungen können auf lange Sicht das Risiko für Folge-Erkrankungen des Diabetes erhöhen. Warum das so ist und welche Diabetes-Komplikationen häufig auftreten, erfährst du in diesem Beitrag.

Egal welcher Diabetes-Typ: Diabetes kann schwerwiegende Folgen haben

„Ach, das bisschen Zucker… das ist in deinem Alter doch normal!“ Insbesondere Typ-2-Diabetes wird von vielen Menschen häufig als harmlose Erkrankung abgetan. Dabei ist zum einen mit möglichen akuten Komplikationen nicht zu spaßen. Zum anderen belasten dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel den gesamten Organismus – insbesondere aber die Blutgefäße und Nerven.

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind besonders gefährdet – oft leben sie bereits seit ihrer Kindheit mit der Autoimmunerkrankung und müssen aufgrund des vollständigen Mangels an körpereigenem Insulin ihren Blutzucker besonders engmaschig kontrollieren. Die Gefahr für Folge-Erkrankungen steigt dabei mit der Dauer der Erkrankung und der Schwierigkeit, dauerhaft stabile Werte zu halten.

Dadurch steigt das Risiko für eine Reihe von teils lebensbedrohlichen Folge-Erkrankungen – bei allen Diabetes-Typen.

Das sind die häufigsten Folge-Erkrankungen des Diabetes:


Netzhauterkrankungen

Hohe Blutzuckerwerte können die kleinen Blutgefäße schädigen, die über feine Verästelungen alle Körperorgane mit Nährstoffen versorgen. Solche mikrovaskulären Veränderungen, wie die Schäden an kleinen Blutgefäßen im Fachjargon genannt werden, können sich zum Beispiel an der Netzhaut der Augen (Retina) bemerkbar machen.

Eine solche Netzhaut-Erkrankung (diabetische Retinopathie) kann unbehandelt bis hin zur Erblindung führen. Eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle ist daher unerlässlich.

➤ ausführlicher Beitrag zur diabetischen Retinopathie


Nieren-Erkrankungen (diabetische Nephropathie)

Auch die Nieren sind von unzähligen feinen Blutgefäßen durchzogen, die von hohen Blutzuckerwerten in Mitleidenschaft gezogen werden können. Sind diese Gefäße verstopft, lagern sich vermehrt Giftstoffe im Blut ab und die Niere ihre Filterfunktion nicht mehr vollständig erfüllen.

Eine diabetische Nieren-Erkrankung (Nephropathie) entwickelt sich schleichend. Sind die Nieren zu stark geschädigt, müssen die Giftstoffe per Blutwäsche (Dialyse) aus dem Organismus gefiltert werden, in letzter Instanz ist oft eine Nierentransplantation erforderlich.

➤ ausführlicher Beitrag zur diabetischen Nephropathie


Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine zu hohe Zuckerkonzentration im Blut und auch starke Schwankungen der Glukosewerte greifen die Gefäßinnenwände an und begünstigen Ablagerungen bzw. Gerinnselbildung.

Wenn die Gefäße stark verengt oder sogar völlig undurchlässig geworden sind, kann es zu schwerwiegenden Durchblutungsstörungen kommen u.a. auch an Herzkranzgefäßen und Schlagadern. Folgen können Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall sein.

➤ ausführlicher Beitrag zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetes


Nervenschäden (diabetische Neuropathie u.a.)

Hohe Blutzuckerwerte können auch den Nerven Schaden zufügen (diabetische Neuropathie). Betroffen sind vor allem die Nerven an den Extremitäten – insbesondere den Füßen. Hier macht sich eine Neuropathie durch Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Taubheit, Schmerzen oder Temperatur-Empfindlichkeit bemerkbar.

Wenn die Nerven der Füße Schmerzsignale nicht mehr weiterleiten, bleiben kleine Verletzungen an den Füßen oft unbemerkt. Diese entwickeln sich dann oft zu chronischen Wunden – das sogenannte diabetische Fußsyndrom.

Auch innere Organe können betroffen sein: etwa das Herz (z.B. Herzrhythmus-Störungen), der Verdauungstrakt (z. B. Magenlähmung) oder die Sexualorgane (z.B. Erektionsstörungen).

➤ ausführlicher Beitrag zur diabetischen Neuropathie

➤ ausführlicher Beitrag zur autonome Neuropathie

➤ ausführlicher Beitrag zum diabetischen Fußsyndrom


Psychische Erkrankungen (Depressionen und Angst-Störungen)

Menschen mit Diabetes haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein deutlich erhöhtes Risiko für Depressionen und Angst-Störungen, insbesondere eine Übermäßige Angst vor Unterzuckerungen sowie Folge-Erkrankungen. Zum einen können sich starke Blutzucker-Schwankungen auf die Stimmung niederschlagen – zum anderen empfinden viele den Alltag mit Diabetes als sehr belastend, oder sie erleben Diskriminierung und Ausgrenzung im Job, in der Schule oder im sozialen Umfeld.

Psychologische Unterstützung sollte daher bei Bedarf Bestandteil der Diabetes-Behandlung sein und es gibt eine Reihe darauf spezialisierter Einrichtungen und Praxen (siehe verlinkten Beitrag bzw. Hinweis am Ende dieses Beitrags).

➤ ausführlicher Beitrag zu psychischen Erkrankungen bei Diabetes


Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Diabetes kann die großen Blutgefäße schädigen, insbesondere in den Beinen. Eine pAVK äußert sich durch Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe nachlassen („Schaufensterkrankheit“).

Unbehandelt kann sie zu offenen Wunden oder sogar Amputationen führen. Regelmäßige Fußkontrollen und Bewegung sind wichtige Präventionsmaßnahmen.

➤ ausführlicher Beitrag zu periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)


Sexuelle Funktionsstörungen (erektile Dysfunktion u.a.)

Durch Nerven-Schäden und Durchblutungsstörungen können Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) bei Männern sowie Libido-Mangel oder Scheidentrockenheit bei Frauen auftreten. Diese Beschwerden werden häufig verschwiegen – dabei gibt es medizinische Hilfe.

➤ ausführlicher Beitrag zu sexuelle Funktionsstörungen bei Diabetes


Zahnerkrankungen (Parodontitis u.a.)

Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Zahnfleisch-Entzündungen und als Folge Zahnausfall (Parodontitis). Eine schlechte Blutzucker-Einstellung verschlechtert zudem die Wundheilung im Mund. Entzündungen wirken sich wiederum negativ auf die Blutzucker-Einstellung aus.

Regelmäßige Zahnarztbesuche und gründliche Mundhygiene sind daher essenziell.

➤ ausführlicher Beitrag zur Mund- und Zahngesundheit bei Diabetes


Unbedingt die Vorsorge-Untersuchungen wahrnehmen, um Langzeitfolgen möglichst zu verhindern

Ob Folge-Erkrankungen auftreten, hängt stark von der Stoffwechsellage ab. Je stabiler die Glukosewerte, desto geringer das Risiko für Folgeschäden aller Art. Aber auch genetische Faktoren, der Diabetes-Subtyp und Vorerkrankungen spielen eine Rolle: So bleiben manche Menschen mit Diabetes auch bei ungünstigen Blutzuckerwerten über viele Jahrzehnte von Folge-Schäden verschont, während andere auch bei bestmöglicher Stoffwechsellage irgendwann Folge-Erkrankungen entwickeln.

Umso wichtiger ist es, alle Vorsorge-Untersuchungen wahrzunehmen, damit diese schon im Frühstadium erkannt und behandelt werden können. Eine Übersicht aller von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifizierten Kliniken und Arztpraxen in ganz Deutschland findest Du hier.



von Antje Thiel und Gregor Hess

(zuerst veröffentlicht am 03.05.2022; mehrfach bearbeitet und aktualisiert, zuletzt am 03.06.2025)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Wie funktionieren Hafer-Tage bei Typ-2-Diabetes und was bringen sie, Herr Dr. Keuthage?

Im Diabetes-Anker-Podcast erklärt Dr. Winfried Keuthage, wie das über 100 Jahre alte Konzept der Hafer-Tage bei Typ-2-Diabetes heute in angepasster Form funktioniert, wie sie auf den Blutzucker wirken, welche Vorteile Hafer darüber hinaus bietet und was hinter der von ihm entwickelten HAWEI-Methode steckt.
Diabetes-Anker-Podcast: Wie funktionieren Hafer-Tage bei Typ-2-Diabetes und was bringen sie, Herr Dr Keuthage | Foto: Dirk Michael Deckbar / MedTriX

2 Minuten

Behandlung des Diabetes: Diese Bücher und Materialien helfen weiter

Diabetes erfordert Wissen, das regelmäßig aufgefrischt werden muss. Diese Ratgeber und Nachschlagewerke helfen dabei, den Überblick zu behalten, Neues zu lernen und die Therapieziele an aktuelle Entwicklungen anzupassen.
Behandlung des Diabetes: Diese Bücher und Materialien helfen weiter | Foto: stokkete – stock.adobe.com

8 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

Verbände