Diabetes-Schulungsprogramm: Fit für die Schule

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Diabetes-Schulungsprogramm: Fit für die Schule

Der Schritt in die Grundschule bedeutet für Kinder mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung – auch und gerade in Bezug auf ihre Erkrankung, den Typ-1-Diabetes. Für diesen wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit wurde für die Übergangszeit von der Kita zur Schule ein eigenes Schulungsprogramm entwickelt.

Um Kinder auf die Selbstständigkeit in der Schule vorzubereiten, gibt es ein spezielles Schulungsprogramm: Der Kurs “Fit für die Schule” richtet sich an alle Schul-Anfängerinnen und -Anfänger mit Typ-1-Diabetes im Alter von 5 bis 7 Jahren, die eine Therapie mit einer Insulinpumpe oder einem Insulinpen durchführen.

Im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT findet dieser zweitägige Kurs seit 2009 statt. Jedes Jahr nehmen 20 bis 30 Kinder an zwei bis drei ambulanten Kursangeboten teil. Es werden Kinder aus dem Diabeteszentrum AUF DER BULT und Kinder aus anderen Einrichtungen eingeladen. Zu Beginn des Kurses lernen sich die Kinder in einer Vorstellungsrunde kennen und können von ihren neuen Schulranzen berichten. Erst im Verlauf dieser Runde kommt langsam heraus, dass alle Kinder Typ-1-Diabetes haben und im Sommer des jeweiligens Jahres eingeschult werden.

Auch Eltern werden einbezogen

Die Einschulung ist für die Familien ein großes Ereignis, aber auch eine Herausforderung, denn der neue Alltag in der Schule mit Typ-1-Diabetes ist zu organisieren. In einer Beratungsstunde nur für die Eltern werden verschiedene Optionen erläutert. Findet die Versorgung des Kinds durch die Lehrkräfte statt, kann eine Fortbildung der Lehrkräfte durch die Diabetesberatung angeboten werden. Wenn das nicht möglich ist, sollte frühzeitig über eine Schulassistenz gesprochen werden.

Es empfiehlt sich, diese Frage schon in der ambulanten Betreuung etwa sechs Monate vor Schulbeginn zu erörtern. Weiterer Inhalt der Beratungsstunde für die Eltern ist die Rückmeldung zum Verhalten ihrer Kinder während des Kurses und, was das Kind bis zur Einschulung noch üben kann. Dazu gehören zum Beispiel das Messen des Blutzuckers und das Reagieren auf Alarme des Systems zum kontinuierlichen Messen der Glukosewerte.

Altersgemäße Selbstständigkeit

Der Schulungskurs wird mit einem von uns entwickelten Schulungsprogramm durchgeführt. In erster Linie sollen die altersgemäße Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein der Kinder gefördert werden. Themen des Kurses sind der Typ-1-Diabetes, Unterzuckerung, Nahrungsmittel mit und ohne Kohlenhydrate, Bewegung, Bewerten der Glukosewerte und Verhalten in der Gruppe.

Für diese Altersgruppe sollte die erste Diabetes-Schulung eine tolle Erfahrung sein. Mit altersentsprechendem Schulungsmaterial lernen die Kinder, welche Aufgabe Insulin hat und warum es in ihrem Körper nicht mehr hergestellt wird.

Umgang mit Unterzuckerungen

Da Kinder in diesem Alter noch kein sicheres Verständnis für Zahlen haben, werden ihnen spielerisch die Blutzuckerwerte und Trendpfeile nähergebracht. Welche Werte okay sind und bei welchen Werten sie einem Erwachsenen Bescheid geben sollten, wird mit Arbeitsblättern und verschiedenen Farben erklärt.

Oft ist es eine große Herausforderung, eine Unterzuckerung zu spüren. Mit einem Körperschema kann jedes Kind leicht eine Markierung an der Körperstelle setzen, wo es vielleicht ein komisches Gefühl spürt. Ergänzend und zum Festigen der besprochenen Inhalte wird eine Notfallkiste für den Klassenraum gebastelt. Das Befüllen mit Traubenzucker und Notfallkarte ist Spaß und Lernkontrolle in einem.

Verhalten bei Diabetes und Sport

Große Freude bereitet auch ein Detektivspiel um das korrekte Durchführen des Blutzucker-Messens. Jedes Kind sollte eine Messung durchführen, um im Fall eines Verlusts des Glukosesensors seinen Blutzucker korrekt messen zu können. Ein weiterer Bestandteil des Kurses ist das Erkennen von Nahrungsmitteln mit und ohne Kohlenhydrate und von Kohlenhydraten, die günstig bei einer Unterzuckerung sind. Hierbei können die Nahrungsmittel als Fotos oder Bilder sortiert oder auf Arbeitsblättern markiert werden.

Außerdem gehört zum Konzept eine Sportstunde, in der die Kinder lernen, woran sie vor und nach dem Sport denken sollten. Auch in der Beratungsstunde für die Eltern gibt es dazu einen Hinweis, dass die Sportbeutel extra mit Traubenzucker und Blutzucker-Messgerät bestückt werden können. Das selbstständige An- und Abkoppeln der Insulinpumpe sollten die Kinder üben, wenn sie beim Sport die Pumpe nicht tragen möchten.

Umgang mit der Insulinpumpe

Während des Kurses wird mit den Kindern die Insulin-Abgabe über die Pumpe durchgeführt. Das ist jedes Mal ein besonderes Highlight, da viele Kinder die Pumpe noch nicht selbst in die Hand nehmen durften. Natürlich muss ganz klar kommuniziert werden, dass dies nur im Beisein eines Erwachsenen gemacht werden darf. Einige Eltern berichten später, dass sie seit dem Kurs die Insulin-Abgabe für die Mahlzeiten oft gemeinsam mit ihren Kindern durchführen.

Lob und Urkunde

Am zweiten Tag findet nach einer kurzen Wiederholung der Inhalte ein fünfstündiger Ausflug mit Mittagessen und Toben statt. Mit der Verabschiedung erhalten die Kinder viel Lob und die Urkunde “Du bist jetzt Fit für die Schule”.

In 14 Jahren “Fit für die Schule” haben weit über 250 Kinder an diesem Kurs teilgenommen. Die Resonanz der Eltern und Kinder ist dabei sehr gut, sodass vor sechs Jahren ein Kurs “Fit für die weiterführende Schule” initiiert wurde.

Fit für die weiterführende Schule

Dieses Schulungsprogramm für Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren geht auf die Zeit nach der Grundschule ein – mit langen Schulwegen, hohen Leistungs-Anforderungen, wechselnden körperlichen Belastungen und Mittagessen in der Schulmensa. Angeboten wird ein Diabetes-Schulungsprogramm, das auf den Übergang in die weiterführende Schule vorbereitet. Zusätzlich gibt es Schulungseinheiten mit den Eltern, in denen ein neuer, altersangemessener Umgang mit dem Diabetes in der Familie erarbeitet wird.

Schwerpunkt „Mit Diabetes in Kita und Schule”


von Sarah Biester und Kerstin Remus

Avatar von sarah-biester

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (2) Seite 18-19

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  • diahexe postete ein Update vor 6 Tagen, 4 Stunden

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

  • anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
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