Frau Laß, campen Sie gern?

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Frau Laß, campen Sie gern?

Diplom-Psychologin Isabel Laß begleitet vom 10. bis 13. Juli erneut das “Camp D”, Europas größtes Erlebniscamp für junge Menschen mit Diabetes. Zum vierten Mal organisiert Initiator Novo Nordisk das Camp für rund 500 Jugendliche und junge Erwachsene in Bad Segeberg. Warum Isabel Laß ihre Reitstiefel für ein Wochenende gegen solides Outdoor-Equipment tauscht, erzählt sie im Interview.

Diabetes-Journal (DJ): Frau Laß, campen Sie gern?

Isabel Laß: Oh Gott – überhaupt nicht! Ich liebe gemütliche Hotelbetten, komfortable Zimmer mit schicken Bädern und schätze vor allem nächtliche Ruhe. (lacht)

DJ: Und trotzdem sind Sie in diesem Jahr wieder beim Camp D als Betreuerin dabei?

Isabel Laß: Das war für mich gar keine Frage. Auf Komfort verzichte ich gern zugunsten eines so einzigartigen Events.

DJ: Was ist für Sie das Einzigartige daran?

Isabel Laß: Wer Diabetes hat, ist im Alltag unter lauter Gesunden etwas Besonderes. Ich kenne dieses Gefühl als selbst Betroffene sehr gut. Beim Camp D ist man einer von vielen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Wir saßen am ersten Tag mit zig jungen Menschen an langen Tischen im Essenszelt und frühstückten. Auf einmal holten wir alle unsere Messgeräte hervor und checkten unseren Blutzucker. Mein Betreuerkollege, der selbst nicht Diabetes hat, kam sich wie ein Exot vor! Eine kuriose und zugleich sehr bewegende Situation, die man so wirklich nur im Camp D erleben kann.

DJ: Was glauben Sie: Warum zieht Camp D so viele junge Menschen an?

Isabel Laß: Allem voran natürlich die tolle Erfahrung, mit der Erkrankung kein Außenseiter zu sein, sondern dazuzugehören. Ganz wichtig sind aber auch das stimmige Konzept und die hervorragende Organisation. Dazu kann man Novo Nordisk nur beglückwünschen.

DJ: Was gefällt Ihnen am Camp-D-Konzept?

Isabel Laß: Mir gefällt der Schwerpunkt auf Sport und Aktivität. Den Körper und die Selbstwahrnehmung zu schulen und positiv zu beeinflussen, ist für Menschen mit Diabetes eine sehr gute Übung. Schließlich haben sie keine andere Chance, als sich täglich mit ihrem Körper und der Erkrankung auseinanderzusetzen. Es gibt keinen Urlaub vom Diabetes!

Name: Isabel Laß
Alter: 46 Jahre
Wohnort: Wehrheim
Beruf: Diplom-Psychologin, Fachpsychologin
Diabetes, Paar- und Familientherapeutin
Kinder: 2 (15 und 23 Jahre alt)
Diabetes seit: 33 Jahren
Hobby: Reiten
Lebensmotto: „So viel Freude wie möglich in
jedem Augenblick!“

DJ: Welche Unterstützung können Sie den Camp-Teilnehmern anbieten?

Isabel Laß: Ich biete vor allem Zeit und Raum für Gespräche. Unter vier Augen, in der Gruppe – ganz wie es die Situation erfordert und wie es gewünscht ist. Viele junge Erwachsene mit Diabetes stecken in Krisensituationen oder haben gerade eine hinter sich und wünschen sich einen Neuanfang. In dieser Lebensphase ist jede Orientierungshilfe wertvoll.

DJ: Wie sehen solche Krisensituationen aus?

Isabel Laß: Camp-D-Teilnehmer, die zum ersten Mal dabei sind, sind oft Patienten mit einer verbesserungsfähigen Compliance. Manche sind seit Jahren zu keinem Facharzt oder Diabetologen mehr gegangen und managen ihren Diabetes halbherzig. Wie gesunde Teenager wollen sie cool sein – und nicht “anders”. Aber wer seine Therapie vernachlässigt, riskiert ernsthafte gesundheitliche Folgen. Deshalb ist es so wichtig, jungen Leuten aus diesen Krisen herauszuhelfen.

DJ: Glauben Sie, das gelingt im Camp D?

Isabel Laß: Ich glaube, beim Camp D mitzumachen, ist der erste Schritt. Der zweite ist das Erleben von Zusammengehörigkeit, Solidarität und Freundschaft. Diesem wunderbar mitreißenden “Camp-D-Gefühl” kann sich wirklich niemand entziehen! Wer sich dann noch Rat bei einem Betreuer sucht – egal, ob Psychologe, Arzt oder Diabetesberater – ist auf dem besten Weg.

DJ: Wem würden Sie eine Teilnahme am Camp D empfehlen?

Isabel Laß: Allen Betroffenen, die sich manchmal mit dem Diabetes und der Therapie alleine fühlen. Ganz besonders aber solchen Jugendlichen, die nach abgeschlossener Kinderarztbetreuung noch keinen ärztlichen Anschluss gefunden haben. Im Camp D können diese Patienten neue Kontakte knüpfen und vom Erfahrungsaustausch mit Betreuern und anderen Teilnehmern profitieren.

DJ: Sie haben ja bereits erste Camp-D-Erfahrungen gemacht. Welchen Tipp haben Sie für Betreuer, die das erste Mal dabei sind?

Isabel Laß: Naja, man sollte in jedem Fall “camptauglich” sein. Also unempfindlich gegen klamme Kleidung, nächtliches Schnarchen und gegen die kosmetisch wenig schmeichelnde Beleuchtung im Waschzelt. (lacht)

DJ: Wie bereiten Sie sich vor?

Isabel Laß: Ich habe mir mein neues Lieblingsutensil zugelegt: eine schöne dicke Yogamatte. Die ist zwar immer noch nicht so komfortabel wie ein Hotelbett, aber ein Luxus im Vergleich zur dünnen Matte vom letzten Mal.

DJ: Was darf in Ihrem Rucksack außerdem nicht fehlen?

Isabel Laß: Ich verreise niemals ohne einen guten Darjeeling-Tee! Dann muss natürlich noch ein warmer Schlafsack mit. Außerdem werde ich mir vor dem Camp noch ein neues, schickeres Sport-Outfit gönnen. Das hat mir meine Tochter empfohlen.

Camp D 2014

Oft können Diabetologen und Diabetesberaterinnen ihre jugendlichen Patienten nur schwer erreichen. Um in dieser wichtigen Lebensphase den Draht nicht abreißen zu lassen, organisiert Novo Nordisk vom 10. bis 13. Juli 2014 das Camp D.

Rund 500 Teilnehmer zwischen 16 und 25 Jahren treffen sich in Bad Segeberg; ca. 150 ehrenamtliche Betreuer, darunter Psychologen, Diabetologen, Diabetesberater und Allgemeinmediziner, begleiten sie. Anmeldungen unter www.campd.info

Kontakt: Camp-D-Hotline: 0 61 31/9 03-13 91
Online-Registrierung unter http://www.campd.info
; dort gibt es auch viele Informationen rund ums Camp D, Fotogalerien und ein Camp-D-Forum.


Das Interview führte Günter Nuber.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0,
Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (5) Seite 46-47

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße