Hypoglykämie: Unterzuckerungen richtig behandeln

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Hypoglykämie: Unterzuckerungen richtig behandeln

Unterzuckerungen sind eine Begleiterscheinung im Rahmen der Insulintherapie des Diabetes mellitus. Das Verhindern und Behandeln einer Hypoglykämie – so der medizinische Fachausdruck – ist also eine der Herausforderungen, der sich Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes mellitus tagtäglich stellen müssen.

Bei der Behandlung mit Insulin wird die Insulinmenge normalerweise an die Kohlenyhdratmenge der bevorstehenden Mahlzeit und den aktuellen Glukosewert angepasst, damit ein Glukosewert im Zielbereich zwischen 70-180 mg/dl erreicht wird. Trotz genauester Berechnungen kann es zu Glukoseschwankungen nach oben oder unten kommen.

Faktoren, die hier eine Rolle spielen, sind zum Beispiel unerwartete Bewegung, falsche Einschätzung der Kohlenhydrate in der Mahlzeit, Temperaturschwankungen oder auch eine fieberhafte Erkrankung, um nur einige zu nennen. Die Behandlung und Verhinderung der Hypoglykämie soll hier heute Thema sein.

Empfehlung: Werte unter 70mg/dl vermeiden

Die genaue Festlegung eines Grenzwertes für die Hypoglykämie wird immer wieder diskutiert. Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes empfehlen die Fachgesellschaften, Blutzuckerwerte unter 70mg/dl ( 3,9mmol/L) zu vermeiden bzw. adäquat zu behandeln, da in den meisten Fällen die Gegenregulationsmechanismen des Körpers in diesem Glukosebereich beginnen. Außerdem werden bei Kindern und Jugendlichen Auffälligkeiten im Denken und Handeln bei diesen Glukosewerten beschrieben.

Die Symptome, die Menschen in einer Hypoglykämie bemerken, kann man in zwei Kategorien einteilen:

  • Autonome (körperliche) Symptome: So bezeichnet man die Symptome, die durch die Gegenregulation des Körpers, z.B. durch die Ausschüttung von Adrenalin, hervorgerufen werden. Sie starten in den meisten Fällen ab einer Glukosekonzentration von 65-70 mg/dl (3,5-4mmmol/L). Diese Schwelle ist jedoch individuell unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Glukoseeinstellung ab. Die Symptome sind dann z.B. Zittrigkeit, Blässe, Herzrasen, Schwitzen, Hunger
  • Neuroglykopenischen Symptome: Diese werden durch den Glukosemangel im Gehirn hervorgerufen und treten bei etwas niedrigeren Werten als die autonomen Symptome auf. Zu diesen Symptomen gehören: Verwirrtheit, Müdigkeit, Sprachstörungen

Autonome Symptome

Neuroglykopene Symptome

  • Unruhe
  • Hunger, Übelkeit
  • Angst
  • Herzrasen, Herzklopfen
  • Kribbeln in Lippen, Fingern und Zunge
  • Blässe
  • Kaltschweißigkeit
  • Schwäche
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Seh- und Hörstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Verwirrtheit
  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Koordinations- und Gangstörungen
  • Krämpfe

Wenn der Glukosewert bei Menschen in den Unterzuckerungsbereich (unter 70mg/dl) sinkt, treten in der Regel zuerst die körperlichen autonomen Symptome auf. Fällt der Blutzucker weiter ab, kommen die neurologischen Symptome hinzu.

Einteilung der Hypoglykämien

Die Schwelle für hypoglykämische Symptome ist individuell unterschiedlich. Bei Menschen mit dauerhaft niedrigeren Glukosewerten ist auch die Schwelle für das Auftreten der autonomen Hypoglykämiesymptome niedriger als bei Menschen mit dauerhaft höheren Glukosewerten. Das macht es schwierig, einen konkreten Glukosewert für die Definition der Hypoglykämie zu definieren. Um jedoch eine einheitliche Empfehlung für die Behandlung zu formulieren haben die Fachgesellschaften folgende Einteilung empfohlen:

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Behandlung der Hypoglykämie sollte ausschließlich mit Traubenzucker (Dextrose) erfolgen. Die Gabe von Fruchtsäften, Schokolade, Milch und Weingummis ist nicht geeignet, da die Wirkung dieser Kohlenhydratzubereitungen gegenüber reinem Traubenzucker deutlich verzögert ist oder eine höhere Menge notwendig ist, um den gleichen Effekt zu erzielen. Die jeweils notwendige Menge an Traubenzucker ist abhängig vom aktuellen Glukosewert und dem Gewicht des Kindes. Empfehlungen sind in oben stehender Tabelle zusammengefasst.

Schwere Hypoglykämie

Einem bewusstlosen oder sogar krampfendem Kind darf man niemals Traubenzucker in den Mund geben. Es besteht die Gefahr der Aspiration (des Einatmens des Traubernzuckers in die Lunge), da der Schluckreflex nicht funktioniert. Für diesen Notfall gibt es das Glukagon. Bis zum Alter von 4 Jahren muss das Glucagen Hypokit verabreicht werden. Dies ist eine Notfallspritze, die man mit einer vorgegebenen Menge an Flüssigkeit und Pulver selbst anmischen muss und dann dem bewusstlosen Kind in den Muskel oder unter die Haut, z.B. am Oberschenkel, injiziert.

Kinder unter 12 Jahren bekommen eine halbe Ampulle (also 0,5mg), Kinder über 12 Jahren eine ganze Ampulle (1mg) verabreicht. Seit ein paar Jahren gibt es das Glukagon auch als Nasenpulver. Das Präparat heißt Baqsimi, ist aber erst für Kinder ab 4 Jahre zugelassen. Es ist wesentlich einfacher in der Handhabung, da es, wie ein Nasenspray, in die Nase gesprüht wird. Außerdem muss man es nicht im Kühlschrank lagern sondern sollte es immer mitführen, so dass es im Notfall griffbereit ist.

Hypoglykämie und CGM

Mit Hilfe der Glukosesensoren können Hypoglykämien erfolgreich verhindert werden. Bei diesen Geräten werden die Alarme so eingestellt, dass die Patienten bereits vor dem Eintreten einer Hypoglykämie gewarnt werden und somit frühzeitig reagieren können.

Die automatisierten Insulininfusionssysteme (AID) bestehen aus einer Insulinpumpe, die mit einem Sensor gekoppelt ist. Dadurch kann die Hypoglykämie noch effektiver verhindert werden: Die Insulinpumpe unterbricht vor Eintreten der Unterzuckerung die Insulinzufuhr und schaltet diese erst wieder ein, wenn der Glukosewert wieder in einem akzeptablen Bereich ist.

Und nach der Hypo?

10 Minuten nach der Hypoglykämie sollte noch einmal der Glukosewert überprüft werden, um zu sehen, dass er ansteigt. Tut er dies nicht, ist eine erneute Behandlung (nach dem obigen Schema) notwendig, mit einer erneuten Kontrolle nach weiteren 10 Minuten. Sollte der Glukosewert dann weiterhin zu niedrig sein, muss die Traubenzuckermenge um eine Stufe erhöhte werden (also z.B. 1 KE (10g KH) anstelle von ½ KE (5g KH) .

Wichtig nach der Behandlung der akuten Hypoglykämie oder der schweren Hypoglykämie ist ein Moment der Reflektion, am besten mit etwas Abstand: Was hat zu dem niedrigen Glukosewert geführt, was kann man das nächste Mal anders machen? Lag es an zu viel Bewegung? An der falschen Dosis oder an einer Fehlberechnung einer Mahlzeit? Kommt es regelmäßig zu einer Unterzuckerung nach einer bestimmten Mahlzeit? Daraus lassen sich Handlungsempfehlungen wie genauere Berechnungen oder Dosis-Anpassungen ableiten, die dabei helfen, Hypoglykämien möglichst zu verhindern.

Fazit

  • Hypoglykämien kommen nicht selten bei der Behandlung mit Insulin vor
  • Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes sollten Glukosewerte von <70mg/dl verhindert werden
  • Eine Behandlung sollte ab Glukosewerten von <70mg/dl erfolgen
  • Die Behandlung sollte ausschließlich mit Traubenzucker erfolgen
  • Die schwere Hypoglykämie muss mit Glukagon behandelt werden
  • Nach einer Hypoglykämie sollte immer auch nach der Ursache gesucht werden

von Dr. med. Nicolin Datz

Dr. Nicolin Datz ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderendokrinologie und Diabetologie und Ernährungsmedizin. Sie ist tätig in der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie am endokrinologikum Hannover.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (3) Seite 24-26

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 3 Wochen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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