Ihr Kind ist (auch) ein Diabetes-Manager – mit wertzuschätzenden Leistungen

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Ihr Kind ist (auch) ein Diabetes-Manager – mit wertzuschätzenden Leistungen

Ein Kind mit Typ-1-Diabetes ist weit mehr als Patient – es ist auch ein Diabetes-Manager mit wertzuschätzenden Leistungen. Der Beitrag zeigt, wie Eltern durch Verständnis, Kommunikation und Anerkennung das Selbstvertrauen und die Eigenständigkeit ihres Kindes stärken können.

Eine chronische Erkrankung wie ein Typ-1-Diabetes kann das Familienleben stark beeinflussen. Alle müssen lernen, wie sie gemeinsam so damit umgehen, dass die gewünschten Ziele erreicht werden. Nicht immer läuft das in geraden Bahnen, auch Umwege – die sich später vielleicht sogar als positiv herausstellen – sind möglich.

In erster Linie ist Ihr Kind Ihr Kind UND es hat genau wie Sie als Eltern viele Herausforderungen und Aufgaben zu meistern. Das gilt für alle Familien, unabhängig davon, ob eine chronische Erkrankung vorliegt oder nicht. Das Leben stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen und alles, was neu ist, verursacht häufig erst einmal Angst und Stress. Wir betreten unbekanntes Terrain und das macht uns Angst.

Aber wir dürfen neue Erfahrungen machen. Wir wissen nur begrenzt, wie die Dinge funktionieren können, und dadurch machen wir auch Dinge, die nicht funktionieren, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Das ist rückblickend oft sogar großartig, denn so entwickeln wir uns weiter. Wir lernen aus unseren Erfahrungen, wenn wir nicht jeden “Fehler” verteufeln.

Mit der Diagnose des Diabetes ist es genauso – und unabhängig davon, wie alt das Kind bei der Diagnose ist, verändert sich das Leben schlagartig und gravierend. Plötzlich und unerwartet geraten alle in Stress.

Stress sichert das Überleben

Das ist erst einmal nicht schlimm, denn akuter Stress hat eine Funktion. Er sichert unser Überleben. Unsere Sinne werden geschärft und wir können in gefährlichen Situationen schneller reagieren. Erst wenn Stress dauerhaft anhält, macht er uns krank. Er schwächt unser Immunsystem und unsere Leistungsfähigkeit. Nicht zuletzt hat Stress Einfluss auf unsere Blutzuckerwerte, da Stresshormone dem Insulin entgegenwirken.

An dieser Stelle beginnt oft ein Teufelskreis. Die Versorgung des Diabetes ist nicht so, wie wir sie gern hätten. Die Situation des Stoffwechsels entspricht nicht unserer Erwartung. Unser Kind setzt Absprachen nicht um … Beispielsweise wird gegessen, ohne Insulin dafür abzugeben, oder das Insulin wird immer wieder erst nach dem Essen gespritzt. Korrekturen, die abgesprochen waren, erfolgen nicht … Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor.

Häufig sind wir Eltern dann verärgert und geraten, wenn etwas nicht funktioniert, in Stress. Das gilt auch für das Kind. Es zeigt sich in unseren Handlungen und oft in der Art, wie wir dann miteinander sprechen. Das Kind weiß schon, was es gerade nicht so gemanagt hat, wie es sinnvoll gewesen wäre. Manchmal ist das auch ein Signal an Sie: ein Appell zum Zuhören, Nachfragen und zur Kommunikation.

Stress verändert Kommunikation

Wenn wir verärgert oder wütend sind, sprechen wir in Vorwürfen. Wir werden laut, wir streiten, wir reden aneinander vorbei, weil wir oft nicht mehr zuhören. In der Absicht, es gut und richtig zu machen, vergessen wir oft, dass es so viele Einflüsse gibt, die wir nicht immer kontrollieren können. Manchmal hat es mit dem Diabetes nichts zu tun.

Wenn Kinder beispielsweise wachsen, wenn die Pubertät einsetzt, wenn Stress mit Freunden oder in der Schule auftritt, dann hat das auch Einfluss auf den Glukosewert. Dazu kommt, dass auch die Kinder bereits vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen zusätzlich zur Diabetesversorgung ausgesetzt sind. Auch sie managen bereits viele Dinge altersabhängig selbstständig und der Diabetes ist Teil ihres Lebens.

Schlechtes Ergebnis gibt es nicht

In der Schule kommt es manchmal zu Ausgrenzung aufgrund der Erkrankung. Ihr Kind bleibt dann trotzdem Diabetes-Manager und auch Manager geraten in Stress. Stress entsteht unter anderem durch die Bedeutung, die wir Dingen geben, durch unsere Bewertungen.

Was, wenn es kein schlechtes Ergebnis gibt? Was, wenn jedes Ergebnis und vielleicht gerade das, das uns im ersten Moment nicht gefällt, genau richtig ist? Das Ergebnis lässt sich im Nachhinein nicht ändern, doch wir können es nutzen, um für die Zukunft wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. So fällt der Vorwurf weg und wir kommunizieren auf einer anderen Ebene miteinander.

Ihr Kind hat eine Absprache nicht umgesetzt. Was taucht dann normalerweise auf? Ärger? Unverständnis? Wut? Wie wäre ein Gedankenwechsel? Ihr Kind hat eine Absprache nicht umgesetzt? Großartig! Warum denn nicht? Was ist sonst noch los? Was können wir in der Zukunft ändern? Wurde wirklich alles nicht umgesetzt? Neue Fragen und neue Gedanken werden die Kommunikation verändern.

Es lohnt sich, erst einmal nachzufragen: Was ist wirklich passiert? Sonst neigen wir dazu, in unseren Interpretationen zu sprechen, und das führt häufig zu Missverständnissen. Stellen Sie Fragen, statt Dinge vorauszusetzen. Wenn es kein Gut oder Schlecht gibt, sondern funktional oder nicht funktional für das gewünschte Ergebnis, wenn erst einmal alles sein darf, werden neue Fragen und Erkenntnisse auftauchen.

Leistung des Kindes anerkennen

Die Leistung des Kindes anerkennen, auch wenn sie vielleicht nicht unserer eigenen Erwartung entspricht. Den Fokus bewusst auf das lenken, was funktioniert. Dafür dankbar zu sein und das auch zu sagen. Das bedeutet nicht, dass es keine Absprachen und Regeln mehr gibt. Das bedeutet auch nicht, keine Konsequenzen zu ziehen. Auch das ist wichtig, um eine chronische Erkrankung zu versorgen.

Je nach Alter des Kindes sind die Tragweiten von Handlungen nicht immer klar. Hier heißt es, liebe- und absichtsvoll darüber zu sprechen, welche Bedingungen durch das Kind erfüllt werden sollen und welche Konsequenzen folgen, wenn Absprachen nicht eingehalten werden. Legen Sie dies gemeinsam fest und kommunizieren Sie es klar, damit später keine Schuldzuweisungen entstehen oder das Kind sich bestraft fühlt. Sind Konsequenzen und Bedingungen bekannt, ist das Umsetzen keine willkürliche Bestrafung.

Alle sitzen im selben Boot

Holen Sie die Kinder ins Boot, formulieren Sie klar Ihre Ziele – und feiern Sie sich gemeinsam, wenn sie erreicht wurden. Alle sitzen im selben Boot, aber haben verschiedene Aufgaben. Um anzukommen, muss man miteinander kommunizieren. Wenn nötig, dürfen Sie den Kurs wechseln. Alle müssen das Ziel kennen und lernen gemeinsam jeden Tag dazu. Ihr Diabetes-Manager tut das auch – geben Sie Ihrem Kind dafür Anerkennung.

Finden Sie gemeinsame Lösungen und denken Sie daran: Auch ein Manager braucht manchmal eine Pause. Dauerstress macht krank. Manchmal gelingen Dinge besser, wenn man loslässt. Plötzlich fallen einem andere Lösungen ein. Das bedeutet nicht, den Diabetes zu vernachlässigen, doch manchmal kommt man mit Gelassenheit schneller zum gewünschten Ergebnis und zu mehr Familienfrieden.

„Highlights” – gut zu wissen

  • Seien Sie wertschätzend miteinander.
  • Feiern Sie sich jeden Tag für alles, was Sie erreicht haben. Oft ist es mehr, als wir glauben, da wir vieles für selbstverständlich halten.
  • Richten Sie sich neu aus und fokussieren Sie sich auf die Dinge, die funktionieren. Seien Sie dafür dankbar.
  • Vermeiden Sie Vorwürfe, denn die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern.
  • Finden Sie gemeinsame Lösungen.
  • Lernen Sie aus jeder Erfahrung, denn sie sind die Möglichkeit, in der Zukunft etwas zu ändern.
  • Kommunizieren Sie Ihre Erwartungen klar, stellen Sie Bedingungen und benennen Sie, liebevoll, Konsequenzen.
  • Stellen Sie Fragen: Warum wurde etwas nicht umgesetzt? Was war anders? Was können wir zusammen ändern? Welche Vorschläge hat das Kind? Wie geht es dem Kind?
  • Treffen Sie Vereinbarungen und klare Absprachen über die Ziele.

von Dr. Katja Schaaf

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Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2023; 11 (4) Seite 14-16

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  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 14 Stunden, 30 Minuten

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  • tako111 postete ein Update vor 4 Tagen, 15 Stunden

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  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

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