- Eltern und Kind
Nachgefragt | Psychologie: Bruder mit Diabetes – Screening für die 2-järige Mia?
2 Minuten
Ihr Bruder hat Typ-1-Diabetes – soll die zweijährige Mia am Diabetes-Screening teilnehmen? Prof. Dr. Karin Lange wägt Vor- und Nachteile der Fr1da-Studie ab und erklärt, worauf Eltern bei ihrer Entscheidung achten sollten.
Die Frage
Unser Sohn Ben (8 Jahre) hat vor zwei Jahren Diabetes bekommen, unsere Tochter Mia (2 Jahre) ist gesund. Bei der letzten Vorsorgeuntersuchung von Mia (U 7) hat uns unsere Kinderärztin vorgeschlagen, dass wir Mia kostenlos darauf testen lassen können, ob sie später Diabetes bekommen wird. Es handelt sich um eine Studie bei uns in Bayern.
Wir sind uns nicht sicher, ob uns die Studie helfen kann. Wir möchten für Mia aber auch nichts verpassen. Was würden Sie uns raten?
Familie M.
Die Antwort von Prof. Dr. Karin Lange
Ihre Kinderärztin hat Ihnen diese Untersuchung als Teil eines bayernweiten Forschungsprojekts (Fr1da-Studie) angeboten. Dieses soll auf lange Sicht Wege finden, wie der Typ-1-Diabetes verhindert oder zumindest besser behandelt werden kann. Heute wissen wir, dass der Diabetes schon dann beginnt, wenn im Körper Antikörper gegen die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse entstehen. Das passiert meist in den ersten fünf Lebensjahren und damit oft lange, bevor es erste Anzeichen des Diabetes gibt.
Später bei der Diabetesmanifestation sind fast alle Betazellen zerstört und ein Kind braucht lebenslang Insulin. Die Idee der Studie besteht darin, Kinder schon dann zu behandeln, wenn sich erste Antikörper im Blut zeigen, aber fast noch alle Betazellen Insulin produzieren. Bei diesen Kindern soll erprobt werden, ob und wie es möglich ist, die Betazellen vor der Zerstörung zu bewahren.
Vor- und Nachteile des Diabetes-Screenings
Durch die Teilnahme an der Studie würden Sie erfahren, ob Mia bereits solche Antikörper hat (Antikörper positiv) oder nicht (Antikörper negativ). Antikörper negativ würde bedeuten, dass Mia in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich keinen Diabetes bekommen wird. Das könnte Sie etwas beruhigen. Antikörper positiv würde bedeuten, dass Mia eine frühe Form des Diabetes hat, der noch zu keinen Anzeichen führt. Der Vorteil wäre für Sie, dass Sie Kontakt zu einem erfahrenen Diabeteszentrum erhalten und dort so geschult werden, dass Mia ganz langsam in die Therapie hineinwachsen kann und vor einer bedrohlichen Manifestation (mit einer Ketoazidose) geschützt wird.
Antworten auf Ihre Fragen zu psychologischen Aspekten bei Kindern mit Diabetes
Ein wichtiger Nachteil für Ihre Familie wäre das Wissen um den Diabetes, der sich bei Mia in ein paar Jahren bemerkbar machen wird. Die “unbeschwerten” Jahre, in denen Sie noch das Gefühl haben, Mia sei kerngesund, würden Ihnen durch ein positives Testergebnis verloren gehen.
Hier möchte ich Sie als Eltern bitten, zwischen den Vor- und Nachteilen abzuwägen: Würde es Sie sehr belasten oder sogar aus der Bahn werfen, wenn Sie wüssten, dass Mia auch Diabetes bekommen wird? Dann warten Sie lieber ab, was das Schicksal bringen wird. Wäre es dagegen für Sie wichtig, früh handeln und etwas zur Verbesserung der Diabetestherapie in Zukunft tun zu können, dann sollten Sie mit Ihrer Kinderärztin über eine Teilnahme sprechen. In den meisten Fällen wird das Testergebnis “Antikörper negativ” sein, die wenigen Kinder, die “Antikörper positiv” sind, haben die Chance auf eine gute Behandlung von Anfang an.
Prof. Dr. Karin Lange ist Diplom-Psychologin und Fachpsychologin Diabetes DDG. Sie war bis 2023 Leiterin der Forschungs- & Lehreinheit Medizinische Psychologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie entwickelte diabetologische Schulungsprogramme, schreibt Leitlinien und schult Behandelnde.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2015; 8 (2) Seite 25
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
4 Minuten
- Behandlung
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
-
uho1 antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
-
calvin240 antwortete vor 1 Woche
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
-
-
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
