Nachgefragt | Recht: Führerschein – ist der HbA1c-Wert zu hoch?

2 Minuten

© Dan Race - Fotolia.com
Nachgefragt | Recht: Führerschein – ist der HbA1c-Wert zu hoch?

Sie haben rechtliche oder soziale Fragen bezüglich Kindern und Jugendlichen mit Diabetes? Unser Rechts-Experte Oliver Ebert gibt Ihnen in der Rubrik Nachgefragt Antwort.

Die Frage

Bei unserer Tochter Claudia (17 Jahre, Diabetes Typ 1, Pumpe und CGM-System) steht nun bald der Führerschein an. Der Arzt hat ihr allerdings Angst gemacht: Der HbA1c-Wert sei mit 8,9 % zu hoch; sie werde den Führerschein wohl nicht machen dürfen. Ihre Werte sind seit längerem ziemlich hoch, dafür hat sie nur ab und zu eine leichte Unterzuckerung, die sie aber bislang selbst rechtzeitig bemerkt. Sind die Vorschriften wirklich so streng?

Larissa N.

Die Antwort von Oliver Ebert

Ausgehend von Ihrer Schilderung ist eher nicht zu befürchten, dass Ihre Tochter aufgrund des Diabetes Probleme bekommt. Die amtlichen Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der Bundesanstalt für Straßenwesen gehen schon seit einiger Zeit davon aus, dass Menschen mit Diabetes in der Regel alle Fahrzeugklassen führen können. Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr ist v. a., dass man Unterzuckerungen rechtzeitig erkennt und in der Lage ist, angemessen zu reagieren.

Wer innerhalb von zwölf Monaten im Wachzustand wiederholt in eine schwere Unterzuckerung kommt und fremde Hilfe braucht, darf bis auf Weiteres nicht Auto fahren. Dies ist bei Ihrer Tochter ja gerade nicht der Fall, zudem nutzt sie ein CGM-System, das sie bei abfallendem Glukosewert rechtzeitig alarmiert.

HbA1c-Wert allein ist nicht ausschlaggebend für Fahrtauglichkeit

Auch hohe Blutzuckerwerte können die Fahreignung grundsätzlich beeinträchtigen oder ausschließen. Ein überhöhter HbA1c-Wert allein reicht dazu aber nicht aus: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat erst kürzlich ihre neue Leitlinie Diabetes und Straßenverkehr vorgestellt. Als einer der Koordinatoren und Autoren freue ich mich sehr, dass wir einige für Patienten sehr belastende Fehlannahmen widerlegen konnten.

Im Rahmen der Leitlinienarbeit haben wir ausführlich untersucht, welche Risiken der Diabetes für den Straßenverkehr mitbringt; weltweit wurden Studien recherchiert und ausgewertet, um zu verlässlichen und auf Nachweise gestützte Ergebnissen zu kommen. Viele medizinische Fachgesellschaften, Patientenorganisationen und Diabetesberater-/innen waren in die Leitlinienarbeit einbezogen. Die Leitlinie wird somit von allen maßgeblichen Institutionen und Verbänden mitgetragen.

HbA1c-Wert spielt nur in Kombination mit weiteren Umständen eine Rolle

Die Arbeit an der Leitlinie hat gezeigt: Es gibt keinen Nachweis dafür, dass allein aufgrund eines erhöhten HbA1c-Wertes die Fahrtauglichkeit relevant beeinträchtigt ist. Die häufige Forderung von Führerscheinbehörden oder Gutachtern, dass der Hba1c-Wert unter einem bestimmten Wert liegen müsse, entbehrt daher jeder Grundlage und wird so nicht mehr aufrechterhalten werden dürfen.

Nur wenn weitere Umstände hinzukommen – z. B. wenn überhöhte Blutzuckerwerte zu erheblichen Konzentrationsmängeln oder Sehstörungen führen – darf der HbA1c-Wert eine Rolle spielen. Für Claudia bedeutet das: Sie muss sich aus verkehrsrechtlicher Sicht wegen des erhöhten HbA1c-Wertes wohl keine Sorgen machen.


von Rechtsanwalt Oliver Ebert

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 11 (2) Seite 19

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Mit Typ-1-Diabetes: Auf in die Schule nach Spanien!
Von ihrem Typ-1-Diabetes ließ sich Juliana Heidenreich nicht von ihrem Traum abhalten, ein halbes Jahr in Spanien zur Schule zu gehen. Gut vorbereitet zusammen mit ihrer Familie konnte sie die Zeit bei ihrer Gastfamilie genießen.
Mit Typ-1-Diabetes: Auf in die Schule nach Spanien! | Foto: privat

8 Minuten

Gesünder Leben: Die Kraft der kleinen Schritte
Wie viel Veränderung ist nötig, um gesünder zu leben? Muss wirklich alles von Ernährung über Bewegung bis hin zur gesamten Lebensführung radikal umgestellt werden? Aktuelle Studien zeigen, dass es auch die kleinen Schritte sein können, die zu den gewünschten Effekten führen können.
Gesünder Leben: Die Kraft der kleinen Schritte | Foto: vegefox.com – stock.adobe.com

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Woche

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%