- Eltern und Kind
Rechteck – Antworten auf ihre Rechtsfragen: Muss Max den Diabetes bei der Bewerbung angeben?
3 Minuten

Rechtsanwalt Oliver Ebert erklärt, warum Max seinen Diabetes bei der Bewerbung für einen kaufmännischen Beruf nicht angeben muss. Pumpenboli und Basalraten sind personenbezogene Daten, eine pauschale Frage nach Erkrankungen ist im Bewerbungsgespräch jedoch unzulässig.
Die Frage
Unser Max (Typ-1-Diabetes, CGM-System, Insulinpumpe) hat sich entschieden, nach seinem Abitur einen kaufmännischen Beruf einzuschlagen; bald stehen die ersten Bewerbungsgespräche an. Wir sind allerdings etwas unsicher, wie man mit dem Diabetes umgehen soll: Schon öfter haben wir den Hinweis gelesen, dass man bei Bewerbungen die Diabetes-Krankheit angeben müsse, um spätere arbeitsrechtliche Nachteile zu vermeiden.
Wir stehen aber auf dem Standpunkt, dass das den künftigen Arbeitgeber eigentlich nichts angeht und eine solche Offenheit möglicherweise nachteilig sein könnte. Was meinen Sie? Was machen wir, wenn ein Fragebogen kommt, in dem nach Krankheiten gefragt wird?
Heike H. aus Köln
Die Antwort von Oliver Ebert
Um Diskriminierungen zu vermeiden, wird im Arbeitsrecht zwischen unzulässigen und zulässigen Fragen des Arbeitgebers unterschieden.Bei zulässigen Fragen hat der Arbeitgeber Anspruch auf vollständige und richtige Angaben; der Bewerber muss also wahrheitsgemäß antworten.
Beispiele für zulässige Fragen sind:
- Fragen zur beruflichen Qualifikation, zu Ausbildung und Fortbildung
- Fragen nach Hobbys
- Fragen nach sozialen Aktivitäten
- Fragen zu bisherigen beruflichen Stationen
- Ehrenämter
- Nebentätigkeiten
Wenn der Bewerber hier schwindelt oder keine vollständigen Angaben macht, kann dies zu erheblichen Nachteilen führen. Der Arbeitgeber könnte dann geltend machen, dass er bei vollständiger Kenntnis der tatsächlichen Situation einen Arbeitsvertrag mit diesem Bewerber nie geschlossen hätte. Im schlimmsten Fall droht dann eine sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses, sogar ohne Anspruch auf Abfindung.
Häufig sind Arbeitgeber auch interessiert, möglichst viel von den Bewerbern zu erfahren und Informationen zu entlocken, die für ein späteres Arbeitsverhältnis an sich keine wesentliche Rolle spielen. In den seltensten Fällen steckt lediglich Neugierde dahinter, sondern vielmehr möchte man auf diese Weise „unliebsame“ oder risikobehaftete Bewerber erkennen – um diese dann im Zweifel gleich ablehnen zu können…
Fragen nach Erkrankungen grundsätzlich unzulässig
Pauschale Fragen nach Erkrankungen im Bewerbungsgespräch werden daher grundsätzlich als unzulässig angesehen. Eine Ausnahme gilt (nur) dann, wenn aufgrund der Krankheit ein erhebliches Risiko für sich oder andere besteht, das sich auch nicht durch Arbeitsschutzmaßnahmen auf ein vernünftiges Maß reduzieren lässt. Auch ist die Frage zulässig, wenn die Krankheit sich derart auf die auszuübende Tätigkeit auswirkt, dass diese gar nicht erst ausgeübt werden kann.
Im Übrigen soll nur bei ansteckenden Krankheiten mit erheblichem Ansteckungs- und Gefährdungspotential eine Auskunftspflicht bestehen. Diese Voraussetzungen liegen bei Diabetes sehr selten vor. Eine Offenbarungspflicht besteht daher nur in wenigen Ausnahmefällen. Bei kaufmännischen Berufen spielt der Diabetes aber keine Rolle und muss daher nicht mitgeteilt werden.
Zusammengefasst bedeutet das: Wenn vom potentiellen Arbeitgeber nach der Diabetes-Erkrankung gefragt wird, muss der Bewerber hierauf nicht antworten bzw. darf die Unwahrheit sagen. Daher sollte man den Diabetes auch nicht ungefragt angeben.
Weitere unzulässige Fragen
Auch die nachstehenden Fragen sind grundsätzlich unzulässig, da sie eine hohe Diskriminierungsgefahr mitbringen:
- Fragen nach der Schwangerschaft (Ausnahme: Es besteht Gefahr für das ungeborene Kind.)
- Fragen nach einem Kinderwunsch
- Fragen nach der Religionszugehörigkeit
- Fragen nach Parteimitgliedschaft bzw. Gewerkschaftszugehörigkeit
- Fragen nach sexueller Ausrichtung
Auf solche unzulässigen Fragen muss der Bewerber keine Auskunft geben, er darf also die Antwort verweigern. Da ein bloßes Verschweigen/Nichtantworten aber meist kontraproduktiv wäre, darf man bei solchen Fragen sogar bewusst die Unwahrheit sagen. Dieser Rechtsgrundsatz beherrscht das Arbeitsrecht seit Jahren: Eine wahrheitswidrige Antwort gibt demnach dem Arbeitgeber bei unzulässigen Fragen selbst dann kein Recht, den Arbeitsvertrag anzufechten, wenn der Mitarbeiter dadurch für ihn „wertlos“ ist (EuGH Rs. C – 109/00).
Antwort verweigern
Der Arbeitgeber darf also weder im Bewerbungsgespräch noch über Personalfragebögen solche Fragen stellen – macht er es dennoch, muss er damit rechnen, dass die Betroffenen die Antwort verweigern oder wahrheitswidrige Angaben machen. Im Klartext: Leon muss keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten, wenn er auf die Frage nach der Diabetes-Erkrankung die Unwahrheit sagt.
Allerdings ist natürlich zu überlegen, ob ein Verschweigen wirklich Sinn macht. Denn gerade in Kleinbetrieben wird sich der Diabetes nicht lange vor dem Arbeitgeber verheimlichen lassen. In diesem Fall wäre sicherlich schon zu überlegen, ob man nicht besser mit offenen Karten spielt. Ohnehin stellt der Diabetes für die meisten Berufe keine Hürde mehr dar; in dem angestrebten kaufmännischen Berufsbild sollte es keine Probleme geben.
Dennoch gilt: Wenn nach dem Diabetes gar nicht gefragt wird, würde ich dringend davon abraten, die Diabetes-Erkrankung von sich aus anzugeben, man sollte hier ohne Not keine „schlafenden Hunde wecken“. Man kann etwas später – also wenn man den Job hat und die Stelle antritt – ja immer noch die Kollegen über den Diabetes bzw. das Verhalten bei etwaigen Unterzuckerungen informieren.
Mehr zum Thema Diabetes und Recht
von Oliver Ebert
Oliver Ebert ist Fachanwalt für IT-Recht, Datenschutzbeauftragter und -auditor und Hochschullehrbeauftragter für Datenschutz- und Internetrecht. Zudem ist er Geschäftsführer der mediaspects GmbH sowie Fachjournalist für Medizin, Datenschutz & Patientenrechte. Seit vielen Jahren befasst er sich mit dem Thema Diabetes und unterstützt Patienten, Angehörige und Ärzte in juristischen Belangen. Er war langjähriger Vorsitzender des DDG-Ausschusses Soziales und ist Co-Koordinator/Mitautor der europaweit ersten S2e-Leitlinie: „Diabetes & Straßenverkehr“
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2020; 12 (1) Seite 22-23
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht

3 Minuten
- Soziales und Recht

5 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
olivers postete ein Update vor 2 Tagen, 18 Stunden
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliverzojou96 postete ein Update vor 3 Tagen, 19 Stunden
Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂
darktear postete ein Update vor 4 Tagen, 11 Stunden
Hallo,
hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁LG Sandra
- olivers antwortete vor 2 Tagen, 18 Stunden
Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
Gruß Oliver - darktear antwortete vor 20 Stunden, 8 Minuten
@olivers: Haben wir alles gemacht und hat dennoch nicht geholfen 🙁
Wir haben auch spezielle Pflaster zum drauf kleben,aber die machen keine Probleme.
Nun sollten bis mitte nächster Woche die neuen Sensoren kommen und ich hoffe es klappt dann mal ohne ProblemeGruß Sandra



