Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper?

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Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper? | Foto: famveldman – stock.adobe.com
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Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper?

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes kennen das: Bei manchen Sport-Arten sinkt der Blutzucker schnell, bei anderen steigt er zunächst sogar an. Nach dem Training treten häufiger niedrige Blutzuckerwerte auf, weil das Insulin oft noch stärker wirkt als sonst. Warum ist das so und was genau geschieht beim Sport im Körper?

Bei Bewegung oder sportlicher Aktivität muss der Körper plötzlich deutlich mehr Energie-Träger zur Verfügung stellen, damit die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System erfolgreich arbeiten können. Für die Energie-Gewinnung stehen Glukose aus dem Blut und den Glukose-Speichern in Muskeln und Leber sowie Fette (Lipide) aus den Fett-Speichern zur Verfügung. Die Energie-Reserven werden nicht gleichzeitig, sondern nacheinander angesteuert.

Muskeln können Glukose auch ohne zusätzliches Insulin aufnehmen

Während leichter sowie moderater Bewegung können Muskeln Glukose direkt aus dem Blut aufnehmen, auch wenn kein zusätzliches Insulin vorhanden ist. Wenn Glukose aus dem Blut in unsere Muskel-Zellen aufgenommen wird, sinken die Blutzuckerwerte. Bei fehlender Gegenregulation kann es sogar zu Hypoglykämien (Unterzuckerungen) kommen. Das ist z.B. typisch beim Joggen, Radfahren, Schwimmen, zügigem Spazieren oder bei Ausdauersport.

Intensive Belastung: Stresshormone führen zu Glukose-Freisetzung aus der Leber

Neben der muskulären Belastung kann Bewegung im Körper eine Art Stress-Reaktion auslösen. Es kommt zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, wie Adrenalin und Kortisol. Das ist v. a. der Fall bei Aufregung oder sehr intensiven Belastungen wie Sprints, Intervall-Läufen oder Wettkampf-Situationen.

Die ausgeschütteten Stresshormone sorgen dafür, dass unsere Leber zusätzlich Glukose aus den Glukose-Speichern freigibt und den Muskeln über die Blutbahn als Energie-Quelle bereitstellt. Der Blutzucker steigt. Bei fehlender Gegenregulation kann es zu ausgeprägten Hyperglykämien (erhöhte Blutzuckerwerte) kommen.

Nicht nur während der Bewegung oder sportlichen Aktivität ändert sich unsere Stoffwechsellage, sondern auch mehrere Stunden nach dem Sport kann es zu veränderten Blutzuckerwerten kommen.

Faktoren, die beim Sport auf den Blutzucker wirken

Ob der Blutzucker bei körperlicher Aktivität sinkt oder steigt, hängt ab von:

  • der Intensität des Sports
  • der Dauer der Belastung
  • der vorhandenen Insulin-Menge
  • der individuellen Reaktion des Körpers

Warum Insulin nach dem Sport stärker wirkt

Nach dem Training reagiert unser Körper noch empfindlicher auf Insulin. Das bedeutet: Die gleiche Insulin-Menge kann stärker wirken als sonst. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Muskeln haben ihre Glukose-Speicher geleert und wollen sie wieder auffüllen.
  • Der Körper ist darauf eingestellt, Glukose besonders gut zu verwerten.
  • Muskel-Zellen reagieren sensibler auf Insulin.

Das heißt, nach dem Sport ist der Blutzucker tendenziell niedriger, das Risiko für Unterzuckerungen steigt.

Da die Glukose-Speicher nicht sofort wieder aufgefüllt sind, die Hormone Zeit brauchen, um sich wieder zu normalisieren, präsentiert sich die Stoffwechsellage in unserem Körper noch weit über den Sport hinaus verändert. Das kann sogar mehrere Stunden nach dem Sport passieren, besonders in der Nacht nach intensivem Training.

Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper? | Grafik zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Aktivitäten auf die Körperfunktionen
Grafik: Othmar Moser

Warum regelmäßiger Sport den Blutzucker stabilisieren kann

Wer regelmäßig trainiert, hilft seinem Körper, besser mit Glukose umzugehen. Langfristig kann Bewegung

  • die Muskeln stärken,
  • die Glukose-Aufnahme der Muskeln verbessern,
  • die Insulin-Empfindlichkeit erhöhen,
  • den Blutzucker stabiler machen.

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten deshalb, dass regelmäßiger Sport die Blutzuckerwerte im Alltag stabilisiert.

Fazit

Zusammenfassend haben Bewegung und Sport auf mehrere Arten einen großen Einfluss auf unsere Blutzuckerwerte. Unsere Muskeln nutzen Glukose als Haupt-Energie-Quelle, der Blutzucker sinkt. Durch Stresshormone kann es zu einer vermehrten Glukose-Freisetzung aus der Leber kommen, der Blutzucker steigt.

Insulin wirkt während und nach der Bewegung stärker. Sowohl Muskeln als auch Leber passen ihre Energie-Speicher an die Belastung an. Wer versteht, warum der Körper so reagiert, kann Blutzucker-Veränderungen besser einordnen und Bewegung sicher in den Alltag integrieren.

In der nächsten Ausgabe des Diabetes-Ankers geht es um Tipps und Tricks für Menschen mit Typ-1-Diabetes, um mit körperlicher Belastung umzugehen – egal mit welcher Art der Insulintherapie.

Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“

Im zweiten Teil unserer Serie zu Sport und Bewegung bei Typ-1-Diabetes geht es um Tipps und Tricks für Menschen mit Typ-1-Diabetes, um mit körperlicher Belastung umzugehen – egal mit welcher Art der Insulintherapie.


Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes interdisziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.

Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes inter­disziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.


von Sarah Obst

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (5) Seite 44-45

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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