Was bringen die neuen Insuline?

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© Augustas Cetkauskas - AdobeStock
Was bringen die neuen Insuline?

Verschiedene Unternehmen forschen an neuen Insulinformulierungen, die sich noch besser den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes anpassen lassen. Bei einigen ist die Zulassung auch für Kinder und Jugendliche in Sicht, bei anderen Insulinen kann es noch etwas länger dauern. Außerdem: ein Blick auf Biosimilar- und „smarte Insuline“.

Gerade bei Kindern ermöglicht die erhöhte Verfügbarkeit einer kontinuierlichen Glukoseüberwachung mit Sensoren bereits heute eine komplexere Analyse, wie das eingesetzte Insulin wirkt. Insuline unterscheiden sich wesentlich in den Wirkprofilen. Kurz- oder ultrakurzwirksame Insuline, die zu den Mahlzeiten oder zur Korrektur eingesetzt werden, fluten schnell im Blut an und schnell wieder ab. Ein ganz anderes Profil haben dagegen Verzögerungs-/Basalinsuline, die teilweise länger als 24 Stunden wirken.

Fortschritte bei Insulinformulierungen sind weiterhin wichtig, um die Insulingabe noch besser an den individuellen Bedarf eines Kindes anzupassen. Die klinische Sicherheit und Wirksamkeit müssen jedoch in Studien nachgewiesen werden. Deshalb werden Insuline in der Regel erst für Erwachsene erprobt und zugelassen, bevor es zu einer Kinderstudie und -zulassung kommt.

Ultrakurzwirksame Insuline

Das weltweit erste Mahlzeiteninsulin der nächsten Generation ist das schnell wirkende Insulin aspart (Handelsname: Fiasp, Hersteller: NovoNordisk, auch Faster Insulin Aspart genannt; es baut auf Insulin aspart (Novo­Rapid) auf). Nachdem es schon länger für Erwachsene erhältlich ist, wurde Fiasp Ende August 2019 auch für Kinder zugelassen. Die Ergebnisse der Kinderzulassungsstudie waren im Juli veröffentlicht worden.

In der Studie wurden drei Gruppen mit je 260 Kindern zwischen 1 und 18 Jahren für 26 Wochen verglichen. Die erste Gruppe verwendete Fiasp vor den Mahlzeiten, die zweite nach den Mahlzeiten und die dritte zum Vergleich herkömmliches Insulin aspart. Dabei waren die beiden Gruppen mit der Gabe vor den Mahlzeiten verblindet, d. h. weder der Studienarzt noch der Patient wusste, ob sich im Pen das neue Insulin oder das herkömmliche Insulin befand.

Mit dem neuen Insulin ergaben sich ein statistisch signifikant besserer (um 0,17 % niedrigerer) HbA1c-Wert und niedrigere Glukosewerte nach dem Essen. Die Gabe von Fiasp nach der Mahlzeit zeigte jedoch schlechtere Glukoseverläufe, so dass auch mit Fiasp eine Gabe nach der Mahlzeit in der Regel nicht zu empfehlen ist.

Erste Kinderstudien laufen auch mit dem neuen ultraschnellen Insulin LY900014 des Unternehmens Eli Lilly, die aber noch veröffentlicht werden müssen. Im Gegensatz dazu wurde der Kooperations- und Lizenzvertrag für die Entwicklung von Adocias ultraschnellem Insulin (BioChaperone Lispro) zur Behandlung von Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes zwischen Lilly und Adocia bereits im Januar 2017 beendet, so dass die weitere Entwicklung dieses Produkts unklar ist. Veröffentlichte Studien bei Kindern mit der Verwendung der ultrakurzwirksamen Insuline in der Insulinpumpentherapie gibt es bislang noch nicht.

Ultralangwirksame Insuline

Während das ultralangwirksame basale Insulinanalogon Insulin degludec (Tresiba, NovoNordisk) seit Ende 2018 in Deutschland auch für Kinder und Jugendliche wieder erhältlich ist, steht die Kinderzulassung für das hochkonzen­trierte, ultralangwirksame Insulin glargin U300 (Toujeo, Sanofi) noch aus.

Die Ergebnisse der Kinderstudie, in der je 225 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes über 52 Wochen entweder herkömmliches Insulin glargin oder Insulin glargin U300 erhalten, wird bei der Jahrestagung der International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) im Oktober präsentiert. Eine Kinderzulassung könnte dann noch 2019 erfolgen. Studien bei Erwachsenen zeigten für beide ultralangwirksamen Insuline eine Verringerung des Hypoglykämierisikos und der Glukoseschwankungen.

Eine Auswertung von zwei Kinderstudien, die einen Vergleich von Insulin degludec mit dem weniger langwirksamen Basalininsulin detemir (Levemir , Novo-
Nordisk)
untersuchten, zeigte mit dem ultralangwirksamen Insulin statistisch seltener Entgleisungen mit Hyperglykämie und Ketonbildung, was ein Hinweis auf eine sich entwickelnde Ketoazidose sein kann. Insofern könnten sich solche ultralangwirksamen Insuline besonders für diejenigen Kinder und Jugendlichen eignen, die Schwierigkeiten mit einer regelmäßigen Basalinsulingabe haben.

Auch das Unternehmen Lilly hatte mit dem Basalinsulin Peglispro ein neuartiges langwirksames Insulin in der Entwicklung. In den ersten Studien zeigten sich aber erhöhte Leberwerte und in einigen Studien auch eine vermehrte Fetteinlagerung in der Leber, so dass die weitere Entwicklung vor zwei Jahren eingestellt wurde.

Nachgeahmt: Biosimilar-Insuline

Ein Biosimilar-Insulin ist ein Nachahmerprodukt eines etablierten, biotechnologisch erzeugten Insulins, das nach Ablauf der Patentzeit des Originalwirkstoffs zugelassen wird. Anders als die klassischen, chemisch hergestellten Generika werden Insuline biotechnologisch hergestellt, und daher sind Biosimilars nicht völlig identisch mit dem Originalwirkstoff und erfordern deshalb aufwendigere Zulassungsverfahren und Überwachungsmaßnahmen als die klassischen Generika.

Hauptgründe für diese Unterschiede sind die unterschiedlichen Organismen, in denen das Insulin hergestellt wird, und die anderen angewendeten Verfahren wie Abtrennung und Reinigung.

Diese Nachahmerprodukte sind bei gleicher klinischer Wirkung in der Regel bis zu 30 Prozent günstiger als das Originalprodukt. Das erste Biosimilar-Insulin war ein von Eli Lilly und Boehringer Ingelheim entwickeltes langwirksames Insulin glargin (Original: Lantus, Biosimilar: Abasaglar).

Inzwischen wurde auch ein schnell wirkendes Insulinanalogon (Insulin lispro Sanofi) zugelassen, nachdem Studien keine Unterschiede im Risiko der Entwicklung von Insulinantikörpern oder der Wirkung in Insulinpumpen im Vergleich zum Originalinsulin (Humalog von Eli Lilly) zeigen.

Was können „smarte Insuline“?

„Smarte Insuline“ sind eine in der Entwicklung befindliche Generation von Insulinen, die nur freigesetzt werden, wenn der Blutzucker ansteigt. Denkbar wäre, Insulin in Kapseln zu verpacken und diese Kapseln im Unterhautfettgewebe zu platzieren. Steigt der Blutzucker an, öffnen sich die Poren der Kapseln – das Insulin tritt aus. Ist der Blutzucker wieder im Normalbereich, verschließt sich die Kapsel wieder.

Im Tiermodell bereits publiziert ist ein Mikronadel-Pflaster, das aus einem abbaubaren, vernetzten Gel für eine glukoseregulierte Insulinabgabe mit schneller Reaktionsfähigkeit besteht. Bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes konnte dieses intelligente Insulinpflaster den Blutzuckerspiegel innerhalb eines normalen Bereichs halten. Es wird aber sicher noch einige Jahre dauern, bis die klinischen Prüfungen der „smarten Insuline“ beim Menschen beginnen.


von Prof. Dr. med. Thomas Danne
Chefarzt Kinderkrankenhaus auf der Bult,
Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover,
E-Mail: danne@hka.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (3) Seite 8-9

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 3 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 21 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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