#bettertogether – egal ob mit Diabetes oder Zöliakie

3 Minuten

Community-Beitrag
#bettertogether – egal ob mit Diabetes oder Zöliakie

Ich stehe in der Küche und knete den Brotteig, jedenfalls versuche ich es. Allerdings bleibt ständig die Hälfte an meinen Fingern hängen. So ein Mist! Ich mache das doch alles genau nach dem Rezept, in dem stand, das sei das beste super-duper-glutenfrei-Brot im gesamten Internet. Vielleicht war das übertrieben, aber vielleicht ist das ja bei glutenfreiem Brot auch so, meine letzten Versuche waren leider ähnlich. Nachdem ich mit Esslöffeln, Wasser und viel Geduld den Teil von meinen Fingern ungefähr in Brot-Form aufs Backblech und in den Ofen befördert habe, atme ich tief durch. Hoffentlich schmeckt es besser, als es sich verarbeiten lässt!

So sieht der Brotteig mit Gluten aus, der sich gut kneten lässt 😉 Quelle: Pixabay

Zöliakie und Diabetes – gesellen sich gerne zusammen

Meine ersten Gehversuche im glutenfreien Backen waren größtenteils ähnlich frustrierend wie oben beschrieben – aber zumindest schmeckt selbst gebackenes Brot meist dann doch besser als gekauftes. Diabetes hatte ich gefühlt schon seit immer, aber kurz vor meinem 18. Geburtstag kam dann die Diagnose Zöliakie dazu. Statistisch gesehen keine Überraschung, denn wer Typ-1-Diabetes hat, hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, auch Zöliakie zu bekommen, als ein Mensch mit funktionierender Bauchspeicheldrüse. In der allgemeinen Bevölkerung sind es nur 1-2 aus 200 Personen, unter Menschen mit Diabetes im Vergleich dazu 10-14 pro 200 (siehe auch https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/begleiterkrankungen_bei_diabetes/zoeliakie). Doch darüber denkt man ja erst dann nach, wenn es plötzlich real wird.

Immer rechnen, immer lesen

Essen mit Diabetes ist eine immerwährende Rechenaufgabe – nach 13 Jahren konnte ich den Kohlenhydrat-Dreisatz im Schlaf, auch wenn ich ihn nicht immer erklären konnte. Zöliakie dagegen ist eine immerwährende Lese- und Frage-Aufgabe: Inhaltsstoffe, Zutatenlisten, im Restaurant nachfragen, was genau im Essen drin ist und ob es in der Küche so zubereitet wird, dass kein Mehl und keine Brotkrümel drankommen… Diabetes bedeutet, immer Insulin, Messgerät und Notfallzucker dabeizuhaben. Zöliakie setzt noch einen oben drauf: Zumindest 2008 und auf dem Land war es sinnvoll, auch gleich das Essen für den ganzen Tag dabeizuhaben, inklusive Snacks, denn mal eben zum Bäcker ging ja nicht mehr.

Spritz-Ess-Abstand? Eigentlich sinnvoll…

Durch diese ganz konkreten Einschränkungen und Komplikationen in meinem Alltag war Zöliakie für mich erstmal deutlich schwieriger als mein altbekannter Begleiter Diabetes, der einfach im Hintergrund mitlief. Dass die zwei „uneingeladenen“ Dauergäste hinter meinem Rücken heimliche Partys feierten, wurde mir erst im Nachhinein klar: Die glutenfreien Spezialprodukte, also Brot, Brötchen, Pasta, Kekse und so weiter, haben meist einen deutlich höheren Zuckeranteil und einen höheren glykämischen Index als die glutenhaltige Variante. Das macht den Zucker weniger stabil und würde eigentlich größere Spritz-Ess-Abstände erfordern (aber die fand ich schon immer nervig, und damals gab es noch keine Glukosesensoren, die mir im Minutentakt dramatische Kurven gezeigt hätten – zum Glück (?)).

#wirsindviele: Austausch und Projekte

Doch so nervig die Kombination aus Zöliakie und Diabetes ist (oder, wenn wir ehrlich sind, jede der beiden Erkrankungen für sich genommen), so lässt es sich doch auch gut damit leben. Genauso wie mit Diabetes war für mich schließlich das #wirsindviele Gefühl entscheidend: Nach der üblichen „Ich will gar nicht darüber nachdenken und am besten wäre, das ginge einfach wieder weg“-Phase beschloss ich, dass es Zeit war, andere Menschen in der gleichen Situation kennenzulernen. Über den Jugendausschuss der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. und bald auch die Coeliac Youth of Europe (https://www.cyeweb.eu/) lernte ich tolle Menschen kennen, durfte spannende Projekte mit vorantreiben, andere Jugendliche mit Zöliakie zusammenbringen, endlich wieder Essen teilen, unkompliziert gemeinsam kochen, über glutenfreie Produkte fachsimpeln und, und, und.

Postkarte designed vom Jugendausschuss der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft 2015

Und Ihr so?

Mittlerweile gehören sowohl Diabetes als auch Zöliakie für mich zum Alltag – die Zahlen hinter dem Essen, die über allem schweben und in einer ständigen Gleichung mitlaufen, aber auch die Zutatenlisten und das Abschätzen von potenziell problematischen Inhaltsstoffen, wenn ich unterwegs bin. Ihr habt auch Zöliakie, andere Unverträglichkeiten oder Allergien? Was waren Eure tollsten Glutenfrei-Erlebnisse? Was sind Eure Lieblingsrezepte? Oder habt Ihr noch Community-Tipps? Ich freue mich auf Eure Kommentare – denn #wirsindviele und gemeinsam sind wir stärker!


Hier kommt Ihr zu dem letzten Beitrag von Mirjam:

#SAGESLAUT: TYP-2-DIABETES – EIN SCHOCK, ABER KEIN SCHICKSAL!

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße