Einfluss von Eiweiß auf den Blutzucker: Das Abc der Fett-Protein-Einheit (FPE)

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Einfluss von Eiweiß auf den Blutzucker: Das Abc der Fett-Protein-Einheit (FPE)

Eiweiß und Fett können den Blutzucker Stunden nach dem Essen ansteigen lassen – selbst wenn kaum Kohlenhydrate auf dem Teller liegen. Die Fett-Protein-Einheit (FPE) hilft, diesen verzögerten Effekt besser einzuschätzen. Für wen diese Berechnung sinnvoll ist und wie sie funktioniert, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Patricia Kirschke.

Vielleicht kommt Ihnen die Situation bekannt vor: Ein schöner Sommerabend, Sie sitzen zusammen mit Freunden und Familie, genießen ein saftiges Steak mit einem knackigen Salat. Um kein Insulin spritzen zu müssen, lassen Sie Baguette, Kartoffel- und Nudelsalat links liegen. Bevor Sie gegessen haben und auch danach ist der gemessene Wert im Normbereich. Einige Stunden später aber ist er auf einmal erhöht – und Sie fragen sich, wie das passieren konnte …

Nicht nur Kohlenhydrate in Form von Zucker oder Stärke lassen den Blutzucker ansteigen: Auch Fett und Eiweiß nehmen Einfluss darauf. Während Ein- und Zweifachzucker, also Haushalts- und Traubenzucker, einen schnellen Anstieg bewirken, brauchen Mehrfachzucker wie stärke- und vollkornhaltige Produkte etwas länger. Ein Blutzuckeranstieg durch Fett und Eiweiß benötigt hingegen mehrere Stunden. Wann spielt diese Erhöhung eine Rolle?

FPE – nicht für jeden Menschen mit Diabetes relevant

Falls Sie sehr fett- und eiweißreich essen und eher wenige Kohlenhydrate, wird von der Leber Fett und Eiweiß durch verschiedene Umbauprozesse in Zucker umgewandelt – das heißt Glukoneogenese; dieser Prozess benötigt einige Zeit, daher kommt es zum verzögerten Blutzuckeranstieg. Eine Fett-Eiweiß-Berechnung als Fett-Protein-Einheit (FPE) ist nicht für jeden Menschen mit Diabetes relevant; oftmals bemerken viele gar keinen verspäteten Blutzuckeranstieg nach dem Essen.

Wenn eine Mahlzeit sehr ausgewogen ist, also alle Nährstoffe zu bestimmten Anteilen enthalten sind, wird ein Blutzuckeranstieg durch Fett und Eiweiß meist nicht deutlich – eine FPE-Berechnung ist nicht nötig.Bei Kindern und Jugendlichenhaben Studien gezeigt, dass sich eine Berechnung der FPE positiv auf die Blutzuckerverläufe nach dem Essen auswirken kann. Eine FPE-Berechnung ist aber zeitintensiv und aufwendig und daher eher nichts für den Alltag.

Personen, die allerdings kohlenhydratarm oder tendenziell fett- und eiweißreich essen, könnten von einer FPE-Berechnung profitieren. Die Berechnung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Fett- und Eiweißmenge der Mahlzeit den enthaltenen Kohlenhydratgehalt deutlich übersteigt – wie bei Steak mit Salat und einer kleinen Portion Baguette.

So berechnet man die Fett-Protein-Einheit

Eine FPE ist definiert als 100 Kilokalorien aus Fett und Eiweiß. Sie müssen nun herausfinden, wie viel Energie aus Fett (1 g liefert 9 Kilokalorien) und wie viel aus Eiweiß (1 g enthält 4 Kilokalorien) das Lebensmittel enthält. Bei fertig verpackten Produkten ist dies einfacher herauszufinden als bei loser Ware vom Metzger oder an der Verkaufstheke: Sie können über die Nährwertangaben auf den Verpackungen berechnen oder dazu in Nährwerttabellen nachschlagen.

Nachdem Sie die Energie (also die Kilokalorien) aus Fett und Eiweiß ermittelt haben, werden beide zusammengerechnet und das Ergebnis durch 100 geteilt: Sie erhalten die FPE für Ihr Lebensmittel (Berechnungsbeispiel: siehe Kasten) – diese wird nun analog dem Kohlenhydratfaktor (also KE- oder BE-Faktor) mit Insulin berechnet.

Berechnungsbeispiel für die Fett-Protein-Einheit (FPE)

22 g x 9 kcal (Kilokalorien aus Fett)

+ 33 g x 4 kcal (Kilokalorien aus Eiweiß)

________________________________________

= 33 kcal (Kilokalorien aus Fett + Eiweiß)

330 kcal : 100 = 3,3 FPE, gerundet 3 FPE

Die ermittelte FPE wird normalerweise mit dem jeweiligen KE- oder BE-Faktor multipliziert. Einige Personen rechnen auch mit einer Einheit Insulin für eine FPE. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn erfahrungsgemäß ist eine FPE nicht gleichzusetzen mit einer KE- oder BE-Einheit. Daher sollte bei der Berechnung zunächst nicht die gesamte Insulinmenge für die FPE kalkuliert werden. Um Hypoglykämien zu vermeiden, hat es sich bewährt, mit kleinen Dosen anzufangen und die Insulinmenge bei Bedarf zu erhöhen.

Wie dosiert man FPE-Insulin am besten?

Auch zur Insulindosierung von FPE gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das größte Problem dabei ist der Blutzuckeranstieg erst Stunden nach der Mahlzeit; daher kann man mit einer direkten Insulinabgabe zum Essen wenig erzielen. Das injizierte Analoginsulin wirkt zu schnell, und der Blutzuckeranstieg ist hierfür zu langsam. Hier ist das Risiko einer Unterzuckerung groß.

Man kann dies verschiedentlich auffangen:

  1. das Insulin für die berechneten FPE nachträglich spritzen,
  2. das Insulin bestmöglich aufteilen – einen Teil vor der Mahlzeit und den zweiten danach bzw. einige Stunden später spritzen.

So können Sie das Insulin für die FPE verzögern

Fett-Protein-Einheit (FPE) Dauer von verzögertem/dualem/
Multi­wave-Bolus in der Pumpe
1 3 Stunden
2 4 Stunden
3 5 Stunden
mehr als 3 8 Stunden
Quelle: Pankowska et al., J Diabetes Sci Technol 2010; 4: 571 – 576

Da der Blutzuckeranstieg durch FPE von Mensch zu Mensch und Mahlzeit zu Mahlzeit verschieden ist, braucht die Insulindosierung viel Erfahrung und Übung. Mit einer Insulinpumpe könnte der verzögerte oder duale bzw. Multiwave-Bolus genutzt werden. Etwas einfacher wäre es, den verzögerten Blutzuckeranstieg nachträglich oder sogar am nächsten Morgen zu korrigieren.

Schwerpunkt: „Relevante Ernährungsfaktoren bei Diabetes“


von Patricia Kirschke

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (5) Seite 28-29

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