- Ernährung
Die Wahrheit über Unverträglichkeiten
4 Minuten

Unsere Autorin Dr. Astrid Tombek (Bad Mergentheim) sagt Ihnen alles über die häufigsten Unverträglichkeiten, die mit Lebensmitteln zusammenhängen. Wichtig: Nicht jede Verstimmung nach Genuss eines Lebensmittels bedeutet automatisch, dass es sich um eine Lebensmittel-Unverträglichkeit handelt.
Lebensmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien sind weit verbreitet: In Deutschland geben etwa 30 Prozent der Bevölkerung an, Beschwerden nach dem Essen von bestimmten Lebensmitteln zu haben. Die Begrifflichkeiten für die Nahrungsunverträglichkeit wie Intoleranz, Allergie oder Malabsorption werden dabei parallel verwendet. Doch sie haben nicht alle die gleiche Bedeutung.
Wenn man Milch, Eier, Fisch, Nüsse etc. nicht verträgt…
Viele Menschen halten selbstauferlegte Diäten ein oder vermeiden strikt bestimmte Nahrungsmittel, obwohl kein ärztlicher Befund für eine Unverträglichkeit vorliegt. Wie sich das zu einer Essstörung entwickeln kann, lesen Sie im Schwerpunkt-Beitrag „Angst vor ungesunden Lebensmitteln …“.
Die häufigsten Unverträglichkeiten sind neben einer Laktoseintoleranz eine Zöliakie, oftmals auch als Glutenunverträglichkeit bezeichnet, eine Fruktosemalabsorption und eine Histaminunverträglichkeit (siehe Kasten). Allergien bestehen meist gegen Kuhmilch (6 Prozent), Eier (3,6 Prozent), Fisch (2,2 Prozent), Nüsse (1,3 Prozent), Kernobst oder Zitrusfrüchte. Zudem haben manche Menschen Blähungen und Durchfall beispielsweise nach dem Konsum des Süßungsmittels Sorbit.
- Laktoseintoleranz
- Fruktosemalabsorption
- Sorbitempfindlichkeit
Pseudointoleranzen:
- Histaminunverträglichkeit
- Glutamatunverträglichkeit
Autoimmunerkrankung:
- Zöliakie (bei Erwachsenen als einheimische Sprue bezeichnet)
Nahrungsmittelallergien gegen:
- Eiweiß vom Fisch, Ei, Milch
- Nüsse, Obst
unklare Unverträglichkeiten:
- Weizen
- Reizdarm
Wiederholbare Beschwerden auf ein bestimmtes Lebensmittel
Eine Unverträglichkeit gegen ein Nahrungsmittel kann als solche definiert werden, wenn gewisse, wiederholbare Beschwerden auf ein bestimmtes Lebensmittel folgen. Als Allergie werden Beschwerden dann definiert, wenn eine immunologische Reaktion erfolgt. Oftmals liegen auch Kreuzallergien vor. So haben viele Menschen, die gegen Pollen allergisch mit Heuschnupfen reagieren, auch eine Nahrungsmittelallergie gegen diese Pflanze.
Bei Zöliakie handelt es sich um eine autoimmunvermittelte Reaktion auf Gluten und zählt somit zu den Autoimmunerkrankungen. Bei Unverträglichkeiten gegen Fruktose (Fruchtzucker) und Laktose (Milchzucker) hingegen bestehen die Probleme aufgrund eines Mangels an Enzymen für die Verdauung oder einem Carrier zur Aufnahme der Nahrung aus dem Darm.
Laktoseintoleranz: weltweit eher die Regel
Die Laktoseintoleranz beruht auf einem Mangel am Enzym Laktase im Dünndarm; dadurch wird der Milchzucker nicht aufgespalten und gelangt so in den Dickdarm. Hier spalten Bakterien den Zweifachzucker Laktose auf, was zu Blähungen und Durchfall führt. Dass die Aktivität der Laktase im Laufe des Lebens weniger wird und damit laktosehaltige Milchprodukte schlechter vertragen werden, ist normal.
In Südeuropa können nur ca. 10 bis 30 Prozent der Erwachsenen Laktose verdauen, in Afrika und Asien sind es sogar nur 2 Prozent. Eine Laktoseverträglichkeit ist somit weltweit gesehen eher unphysiologisch. Um eine echte Laktoseintoleranz zu diagnostizieren, bedient man sich eines H2-Atemtests.
Große Unterschiede: Fruktoseintoleranz vs. Fruktosemalabsorption
Bei der Fruktoseintoleranz muss zwischen einer Fruktosemalabsorption und einer hereditären Fruktoseintoleranz klar unterschieden werden; bei der Letzteren handelt es sich um einen schweren Stoffwechseldefekt, auf den bereits Säuglinge getestet werden. Hierbei kann Fruktose in der Leber nicht verstoffwechselt werden, was zu schweren Schäden führt. Ähnlich schwere Stoffwechselstörungen sind die Phenylketonurie (PKU) und die Galaktosämie.
Die Fruktosemalabsorption hingegen ist eine Störung in der Aufnahme von Fruktose im Darm, wo Fruktose aktiv über Carrier aufgenommen wird. Sind die Carrier reduziert, beispielsweise nach Verzehr großer Mengen fruktosehaltiger Lebensmittel oder aufgrund von anderen Schädigungen der Schleimhaut, kann es zu einer verminderten Aufnahme von Fruktose im Darm kommen. So wird vermehrt Fruchtzucker in den Dickdarm transportiert. Die Darmbakterien produzieren daraus Gase, es kann Durchfall entstehen. Ein Atemtest kann die Störung bestätigen.
Fruktosemalabsorption kann sich zurückbilden
Eine Sorbitunverträglichkeit beruht auf dem gleichen Prinzip. Aber auch bei Gesunden ist die Aufnahmemenge begrenzt. Dadurch kann es zu Blähungen und Durchfall kommen, wenn zu viel Obst oder zuckerfreie Bonbons gegessen werden.
Eine gute Nachricht gibt es bei der Fruktosemalabsorption, denn sie kann sich zurückbilden. Durch ein strenges Vermeiden von Fruktose und Haushaltszucker (Saccharose) können sich Transporter regenerieren, so dass zunehmend wieder größere Portionen, beispielsweise von frischem Obst, vertragen werden.
Histaminunverträglichkeit ist eine Pseudointoleranz
Bei der Histaminunverträglichkeit handelt es sich vermutlich um eine Pseudointoleranz: Histamin ist eine körpereigene Substanz, die als Botenstoff fungiert. Manche Menschen haben eine niedrige Histaminschwelle und können es nur langsamer oder nicht vollständig abbauen. Dadurch entstehen Hautreaktionen und andere Symptome wie hoher Blutdruck, Atemnot, Übelkeit oder Durchfall. Ob ausschließlich histaminreiche Lebensmittel zu den Beschwerden führen, ist unklar, da Histamin auch im Körper durch andere Stoffe freigesetzt werden kann.
Histaminreiche Lebensmittel sind vor allem eiweißreiche, die einem Reifungsprozess ausgesetzt sind: zum Beispiel alter Käse, Salami, Rotwein oder Fischkonserven. Eine weitere Pseudointoleranz ist beispielsweise die Unverträglichkeit von Glutamat.
Zöliakie: wichtig ist eine fundierte Diagnose
Anders verhält es sich bei Zöliakie oder auch Glutenunverträglichkeit, denn sie ist eine echte Autoimmunerkrankung. In Deutschland sind ca. 400 000 Menschen davon betroffen. Hier entstehen Entzündungsherde – durch eine immunologische Reaktion an der Dünndarmschleimhaut auf das Weizeneiweiß Gliadin. Verläuft diese Entzündung in weiten Bereichen, kommt es zu Durchfall, Müdigkeit, Mangelerscheinungen und Bauchschmerzen.
Sollte ein Verdacht auf dieses Krankheitsbild bestehen, muss durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden, ob Antikörper gegen Gliadin vorliegen. Nur wenn diese nachgewiesen werden, wird zusätzlich eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Dünndarm genommen.
Bei Typ-1-Diabetes: regelmäßiges Zöliakie-Screening!
Eine Zöliakie kann aber auch vorliegen, wenn keine starken Beschwerden vorhanden sind. Bei Risikopatienten, wie Menschen mit Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen, sind daher regelmäßige Screeningmaßnahmen empfohlen. Eine Zöliakie kann das Risiko für Darm- oder Lymphdrüsenkrebs erhöhen. Manche Menschen beschreiben Beschwerden nach dem Essen von Weizen. Ob es sich hierbei um eine Weizenallergie, Glutensensitivität oder Zöliakie handelt, ist unklar.
Eine Zöliakie sollte medizinisch auf jeden Fall ausgeschlossen werden. Beweise für die anderen Krankheitsbilder gibt es leider heute noch nicht. Hier ist auch Vorsicht geboten. Laut eines deutschen Statistikunternehmens erhöhte sich der Umsatz mit glutenfreier Ware von 2010 bis 2012 um etwa 40 Prozent.
Nicht sofort komplette Ernährung umstellen
Eine echte Allergie sollte immer beim Allergologen ausgetestet werden. Die Bestimmung vom Immunglobulin E (IgE) ist nur ein grober Hinweis und sollte noch keine Ernährungsumstellung zur Folge haben. Eine allergische Reaktion auf Nahrungsmittel kann sofort einsetzen (Soforttyp) oder Stunden später (Typ-IV-Spätreaktion).
Als Reaktionen können Verstopfung auftreten aber auch Brechdurchfall und kolikartige Bauchschmerzen. Häufig entstehen auch ein Kratzen im Mund, ein Anschwellen der Schleimhäute und Atemnot. Oft bereitet auch ein Reizdarm Beschwerden. Die genauen Ursachen sind Gegenstand vielfältiger Forschung, aber derzeit noch nicht eindeutig bewiesen.
Wenn das Bauchgehirn Alarm schlägt
Manche Menschen leiden unter dem Nocebo-Effekt. Ähnlich wie beim Placebo-Effekt zeigen sich positive Symptome bei Einnahme bestimmter Lebensmittel. Gerade unser “Bauchgehirn” reagiert sensibel auf psychische Belastungen und Stress. Durchfall oder Blähungen können als reale Beschwerden auftreten, die mit Essen in Verbindung gebracht werden. Bei Beschwerden sollte immer eine Untersuchung vom Arzt vorgenommen werden, bevor Lebensmittel vermieden werden. Denn es gilt: keine unnötige Einschränkung ohne sichere medizinische Diagnose.
- Die Wahrheit über Unverträglichkeiten
- Angst vor ungesunden Lebensmitteln …
- Essen aus Langeweile
von Dr. Astrid Tombek
Diabetes- und Ernährungsberatung,
Diabetes-Klinik Bad Mergentheim
Theodor-Klotzbücher-Str. 12, 97980 Bad Mergentheim
Tel.: 0 79 31/5 94-1 61, Fax: 0 79 31/5 94-8 91 61
E-Mail: tombek@diabetes-zentrum.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (8) Seite 16-19
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lena-schmidt postete ein Update vor 6 Tagen, 11 Stunden
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im August – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?





Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße