Lebensmittelauswahl – auf die Qualität kommt es an

4 Minuten

Lebensmittelauswahl – auf die Qualität kommt es an

Galt es lange Zeit als die beste Ernährungsform für Menschen mit Typ-2-Diabetes, besonders die Fettmengen im Auge zu behalten, hat sich hier einiges getan. Wir haben dazu bei Professorin Dr. Diana ­Rubin nachgefragt. Sie ist Chefärztin in Berlin und Vorsitzende des Ausschusses Ernährung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): Worauf kommt es beim Essen mit Typ-2-Diabetes wirklich an?

Im Interview: Prof. Dr. Diana Rubin

Professorin Dr. Diana Rubin ist Chefärztin und Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin im Vivantes Humboldt-Klinikum sowie im Vivantes Klinikum Spandau (beides Berlin) und Vorsitzende des Ausschusses Ernährung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Prof. Dr. Diana Rubin

Diabetes-Journal (DJ): Frau Prof. Rubin, warum ist die Ernährungsumstellung so wichtig – und dennoch für die meisten Menschen mit und auch ohne Diabetes so schwierig?

Prof. Dr. Diana Rubin: Eine Ernährungsumstellung ist tatsächlich eine der wichtigsten Maßnahmen in der Behandlung eines Typ-2-Diabetes und kann die Erkrankung sogar für viele Jahre zum Stillstand bringen. Das schafft bisher kein Medikament. Und ja, leider schaffen trotz der möglichen, beeindruckenden Erfolge der Therapie derzeit nur etwa 10 bis 15 % der Patienten eine dauerhafte Umstellung. Wir brauchen hier also neue Konzepte.

DJ: Wie könnten diese Konzepte aussehen?

Prof. Rubin: Man muss dies von mehreren Seiten angehen. Es geht nicht nur um Veränderungen im Verhalten, sondern auch um Veränderungen in den Verhältnissen.

Im Interview:

Professorin Dr. Diana Rubin ist Chefärztin und Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin im Vivantes Humboldt-Klinikum sowie im Vivantes Klinikum Spandau (beides Berlin) und Vorsitzende des Ausschusses Ernährung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).


Rubin:

DJ: Welche Verhältnisse meinen Sie dabei genau?

Prof. Rubin: Wir brauchen ein besseres Angebot von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Diese sollten finanziell gefördert werden. Gleichzeitig ist eine Reduktion ungesunder Lebensmittel sehr wichtig. Das Stichwort lautet hier Reformulierung und Steuern. Viele Lebensmittel wie beispielsweise Fruchtjoghurts oder Müslis müssten im Zuckergehalt reduziert werden. Dafür reicht die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen bisher leider nicht aus. Eine Mehrwertsteuersenkung für gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse käme ebenfalls in Frage.

Viele Menschen können die Nahrungsqualität nicht ausreichend beurteilen. Das liegt vor allem am Fehlen von guten Informationen. Die Lebensmittel müssen besser und einfach verständlich ausgezeichnet sein, damit Verbraucher diese besser, schneller und leichter beurteilen können. Problematisch ist, dass insbesondere einige gesunde Lebensmittel im Verhältnis zu stark verarbeiteten Produkten teuer sind, beispielsweise echtes Vollkornbrot im Vergleich zu hellem Brot wie Toast. Viele Lebensmittel, die auch zu einem ungesunden Lebensstil beitragen, werden unter dem eigentlichen Produktionspreis angeboten.

Hier herrscht eine Schieflage. Oftmals haben viele Berufstätige und Schüler keine Chance, ein vernünftiges Angebot an gesunden Mahlzeiten zu wählen. Hier müssten bessere Angebote geschaffen werden. Und auch in der Gesundheitsbildung der Bevölkerung gibt es Defizite. Fast 90 % der an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung bewerben Ungesundes. Das sollte verboten werden! Hier müsste die Regierung bessere Voraussetzungen schaffen und nicht nur auf die Freiwilligkeit von Lebensmittelherstellern vertrauen.

DJ: Wie können Betroffene ihr Verhalten umstellen?

Prof. Rubin: Wichtig dabei ist zunächst, dass Essen schmecken muss. Was nicht schmeckt, wird auch nicht dauerhaft gegessen. Dabei sollten die Veränderungen möglichst den Mustern der Betroffenen entsprechen. Studien haben gezeigt, dass die mediterrane Ernährung eine sehr günstige Ernährungsform ist. Aber vielen Nordeuropäern schmeckt das nicht. Also könnte man gesundes Olivenöl gegen ebenfalls gesundes Rapsöl austauschen. Eine individuelle Ernährungsberatung hilft zusätzlich. Diese ist mittlerweile endlich eine Krankenkassenleistung und kann von Betroffenen in Anspruch genommen werden.

Grundsätzlich ist es nur wichtig, dass Menschen nur so viel Energie essen, wie ihr Körper tatsächlich verbraucht. Außerdem spielen genug Ballaststoffe eine wichtige Rolle. Im Vordergrund steht nicht das Verhältnis von Kohlenhydraten, Fett oder Eiweiß, welches häufig diskutiert wird: Viel sinnvoller ist es, auf die Qualität von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß zu achten.

DJ: Viele Jahre wurde Low Fat von den Gesellschaften empfohlen – warum heute nicht mehr

Prof. Rubin: Low Fat ist nach wie vor eine von verschiedenen Möglichkeiten im Hinblick auf Essen bei Typ-2-Diabetes. Sie wäre eine gute Wahl für Menschen, die gerne Kohlenhydrate essen. Aber hier geht es weniger darum, ob es vorwiegend Kohlenhydrate und kaum Fett sein sollen. Vielmehr geht es auch hier um die Qualität der Nährstoffe.

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum.

DJ: Was sind denn nun gute Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße?

Prof. Rubin: Günstige Kohlenhydrate sind alle Lebensmittel mit sogenannten komplexen und ballaststoffreichen Kohlenhydraten: Dazu gehören beispielsweise Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und Gemüse. Ungünstig sind Lebensmittel mit schnell resorbierbaren Kohlenhydraten: Also alles mit einem hohen Zuckeranteil oder Weißmehlanteil.

Günstige Fette sind pflanzliche mit einem hohen Anteil an Ölen: zum Beispiel Pflanzenöle mit einem hohen, einfach ungesättigten Fettsäureanteil wie Oliven- oder Rapsöl. Sinnvoll sind auch Nüsse, Oliven und andere fetthaltige Pflanzen. Ungünstig sind Fette, die künstlich gehärtet wurden: Diese kommen besonders häufig in Gebäck oder frittierten Lebensmitteln vor. In puncto Eiweiß empfiehlt es sich, pflanzliche, eiweißhaltige Produkte wie Nüsse und Hülsenfrüchte, aber auch Fisch und fettarme Milchprodukte regelmäßig zu essen.

DJ: Liebe Frau Prof. Rubin, vielen Dank für das ­Gespräch.


von Dr. oec. troph. Astrid Tombek

Avatar von astrid-tombek

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (5) Seite 20-21

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Ernährungstrend „Fiber Maxxing“: Je mehr Ballaststoffe, desto besser?
Das Karussell im Hinblick auf gesundes Essen und Trinken dreht sich immer schneller. Erst waren Kohlenhydrate, dann war Eiweiß im Fokus, jetzt sind unter dem Stichwort „Fiber Maxxing“ die Ballaststoffe an der Reihe. Was ist dran am Ernährungstrend, täglich so viele Pflanzen-Fasern wie möglich zu essen?
Eine Familie bereitet in der Küche gemeinsam ein ballaststoffreiches Frühstück zu. Ein Mann mixt grünes Blattgemüse und Karotten, während eine Frau und ein Mädchen mit Schalen voller Joghurt, Beeren und Haferflocken danebenstehen.

3 Minuten

Rezept für Tomaten-Crumble
Knuspriger Belag, saftige Tomaten und ein Plus an Ballaststoffen: Dieses Rezept für Tomaten-Crumble ist schnell vorbereitet und kommt mit wenigen Zutaten aus. Haferkleie und Parmesan sorgen für Biss. Mit rund 253 Kilokalorien pro Portion passt er gut in einen bewussten Speiseplan.
Rezept für Tomaten-Crumble | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • darktear postete ein Update vor 1 Tag, 5 Stunden

    Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute