Selbstversuch: Leberfasten – was steckt dahinter?

4 Minuten

© alexlmx - stock.adobe.com
Selbstversuch: Leberfasten – was steckt dahinter?

In Deutschland haben 30 bis 40 Prozent aller Menschen eine Leber, die zu viel Fett gespeichert hat. Kommen Übergewicht und Diabetes noch hinzu, sind es sogar bis zu 90 Prozent aller Betroffenen. Was lässt sich dagegen tun? Prof. Dr. Thomas Haak hat Leberfasten selbst ausprobiert und erklärt, worauf es dabei ankommt und was im Hinblick auf die Leber-Gesundheit wichtig ist.

Aus meiner Sicht sollten Ärzte nicht nur auf den Diabetes, sondern ein ganz besonderes Augenmerk auf die Gesundheit der Leber bei ihren Patienten legen. Eine unbehandelte Fettleber kann sich entzünden und langfristig sogar schwer erkranken, bis hin zum Leberzellkrebs. Dabei ist eine Fettleber im Ultraschall leicht zu entdecken. Normalerweise sollten die Leber und die Niere im Ultraschall die gleiche graue Farbe haben. Erscheint die Leber heller als die Niere, spricht dies für eine Einlagerung von Fett im Organ. Eine Fettleber sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden und es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten. Diese sind gar nicht so schwer umzusetzen, Stichwort “Leberfasten”. Doch was ist Leberfasten?

Vier einfache Bausteine zum Leberfasten

  1. Zu den wichtigsten Bausteinen des Leberfastens gehört die Aufnahme von möglichst wenigen Kohlenhydraten. Dies hält die Insulinproduktion niedrig und ermöglicht so einen effektiven Fettabbau.
  2. Ausreichend Eiweiß während des Leberfastens ist ein Muss. Genügend hochwertiges Eiweiß ist deshalb so wichtig, weil sich der Körper sonst das Eiweiß aus der Muskulatur holt. Ein Muskelabbau wäre nicht gut, denn Muskeln verbrauchen Energie. Ein Muskelabbau begünstigt nicht nur ein Schwächen des Körpers, sondern führt auch zum berühmten Jo-Jo-Effekt, der später wieder zu einer Gewichtszunahme führt.
  3. Der Fettgehalt der Nahrung sollte von hoher Qualität sein. Langkettige Omega-3-Fettsäuren zeigen positive Effekte beim Abbau der Fettleber. Auch gesunde Öle wie Olivenöl sind förderlich.
  4. Leberaktive Wirk- und Ballaststoffe wie Cholin, Beta-Glucan aus Hafer, Inulin, L-Carnitin und Taurin unterstützen ebenfalls die Behandlung der Fettleber.

Natürlich kann man sich einen Plan zum Leberfasten selbst zusammenstellen. Zwei Wochen lang sollten täglich nicht mehr als 1000 Kilokalorien gegessen werden. Die Zusammensetzung sollte so sein wie eben beschrieben. In der Praxis ist dies recht kompliziert umzusetzen. Aus diesem Grund habe ich in einem Selbstversuch das Leberfasten nach Dr. Nicolai Worm und Dr. Hardy Walle an mir selbst ausprobiert.

Leberfasten leichtgemacht

Zu diesem Zweck habe ich mir vom Unternehmen Bodymed das Hepafast-Programm für zwei Wochen bestellt. Leberfasten-Zentren, die das Programm anbieten, finden sich unter www.leberfasten.com/beratersuche. Das Programm besteht aus mehreren Dosen Pulver, in denen die genannten Wirkstoffe enthalten sind. Mit diesem Pulver, das man idealerweise in Milch, Magerquark, Kefir oder fettarmen, körnigen Frischkäse einrühren kann, bereite ich mir zwei Hauptmahlzeiten zu. Die dritte Hauptmahlzeit besteht aus großen Portionen Gemüse. Entscheidend ist aber, dass ausreichend dazu getrunken wird, am besten Mineralwasser, Kräutertee, grüner Tee, Kaffee, allerdings weder Alkohol noch Säfte oder andere Getränke mit Kohlenhydraten.

Warum tue ich mir das an?

Ich selbst hatte noch nie einen erhöhten oder krankhaften Leberwert, seit ich meine Laborwerte selbst kontrolliere. Allerdings findet sich im Ultraschall auch bei mir eine leichte Leberverfettung (siehe Abbildung oben links). Und da ich gern Dinge, die ich meinen Patienten empfehle, ausprobiere, sofern das medizinisch sinnvoll ist, habe ich auch das Leberfasten in Angriff genommen. Außerdem wollte ich wissen, wie man sich dabei fühlt, ob man leistungsfähig ist und ich das auch durchhalte.

Dank Eiweiß bin ich gut gesättigt durch den Tag gekommen

Aufgrund des hohen Eiweißgehalts beim Leberfasten sowie der regelmäßigen Eiweißshakes zu den Hauptmahlzeiten kam das Hungergefühl, mit dem ich eigentlich gerechnet hatte, nicht auf. Der Geschmack nach Vanille war ebenfalls gut und ich hatte diesen auch nach Tagen nicht über. Sofern doch einmal etwas Hunger aufkam, habe ich ihn mit ein paar Löffeln körnigem Frischkäse gestillt. Darüber hinaus konnte ich die dritte Hauptmahlzeit mit leckeren Gemüse-Gerichten decken. Rezept-Vorschläge werden gratis mit dem Pulver mitgeliefert.

Entscheidend war, dass man ausreichend trinkt. Auch das hilft, damit Hungergefühle gar nicht erst aufkommen. Interessant fand ich auch, dass ich überhaupt kein Verlangen nach alkoholischen Getränken wie dem Feierabendbier oder einem abendlichen Wein hatte. Insgesamt ließen sich die zwei Wochen problemlos durchhalten. Ich war gut gelaunt und auch die körperliche Belastbarkeit litt in keiner Weise. Sehr gespannt war ich natürlich auf den nächsten Ultraschall nach meiner 14-tägigen Leberfasten-Kur.

Wie man auf der Abbildung oben rechts sehr gut sehen kann, sind jetzt Leber und Niere im gleichen Grauton zu sehen – ein deutliches Zeichen, dass das Fett in der Leber reduziert war. Insgesamt verlor ich dabei drei Kilogramm an Körpergewicht, was ganz schön viel ist. Daher sollte man das Leberfasten auch keinesfalls länger als 14 Tagedurchführen, damit sich der Grundumsatz des Körpers nicht an die geringe Kalorienmenge anpasst.

Geht das auch mit Diabetes?

Wenn man sich die Zusammensetzung von Hepafast in einer Einzelportion von 30 Gramm ansieht, sind darin nur 1,5 Gramm Kohlenhydrate enthalten. Daher müssen nur die Kohlenhydrate in der Milch, dem Joghurt oder Kefir angerechnet werden. Dies gilt es gerade bei einer Insulintherapie zu berücksichtigen. Insgesamt empfiehlt es sich, vor Beginn des Leberfastens die Anpassungen der Therapie mit einem Mitglied des betreuenden Diabetes-Teams zu besprechen.Dies gilt auch für Menschen mit Diabetes, die Tabletten zur Behandlung einnehmen.

Ein sinnvoller Selbstversuch

Leberfasten ist wirklich zu empfehlen, allerdings nicht zur kontinuierlichen Gewichtsreduktion, aber vielleicht als Start in ein Programm zur Gewichtsreduktion. Wenn man längerfristig Gewicht abnehmen möchte und auch soll, empfiehlt es sich, die Mahlzeiten so zu gestalten, dass täglich rund 500 Kilokalorien weniger gegessen werden als üblich. Wie Abnehmen erfolgreich funktionieren kann, lesen Sie in der Rubrik “Essen und Trinken” in dieser Ausgabe.


von Prof. Dr. Thomas Haak

Avatar von thomas-haak

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (3) Seite 19-20

 

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf

Der DiaCup 2026 bringt im Juni erneut Menschen mit Diabetes zu einem Tischtennisturnier in Düsseldorf zusammen. Im Trainingszentrum von Borussia Düsseldorf stehen Bewegung, gemeinsames Erleben und Austausch im Mittelpunkt. Die Anmeldung läuft bis zum 5. Juni.
Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf | Foto: DiaCup/DDZ

2 Minuten

Vorstoß bei der Zuckersteuer: Frische Brise aus dem Norden

Einige Zeit war es ruhig um die Zuckersteuer. Nun hat sich die CDU-geführte Landesregierung Schleswig-Holsteins der Sache verschrieben und einen Vorstoß gemacht. Die Argumente sind bekannt: Zu starker Zuckerkonsum verursacht erhebliche gesundheitliche Probleme und auch enorme gesellschaftliche Kosten.
Vorstoß bei der Zuckersteuer: Frische Brise aus dem Norden | Foto: anaumenko - stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände