Ketogen essen – wie geht das?

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Ketogen essen – wie geht das?

Mehrere Wochen ketogene Ernährung: Lena Schuster hat den Selbstversuch gewagt. Zwischen weniger Insulin-Spritzen, stabileren Glukosewerten und dem Traum von mehr Freiheit erlebt sie Lichtblicke – und Grenzen, die den Alltag erschweren.

Vor einigen Jahren kam ich auf die Idee, die ketogene Ernährung auszuprobieren. Im Internet gab es Berichte von Menschen mit Diabetes, die gute Erfahrungen damit gemacht haben. Sie brauchten weniger Insulin und fühlten sich insgesamt fitter. Klang gut und so wollte ich das auch am eigenen Leib erfahren.

So wenig Insulin wie möglich, stabilere Glukoseverläufe und dazu positive Effekte wie, fitter durch den Alltag zu kommen, – ausschlaggebende Argumente für mich als Typ-1-Diabetikerin, ketogenes Essen einfach einmal auszuprobieren. Welcher Mensch mit Diabetes träumt nicht davon, einfach nach Lust und Laune zu essen, ohne dafür spritzen zu müssen? Mal nicht auf den Glukosewert zu achten und irgendwo hineinzubeißen?

Das ist für einen Großteil der Gesellschaft normaler Alltag, bei Typ-1-Diabetes leider nicht. Und diese versteckten Träume brachten mich dazu, mich an die ketogene Ernährung zu wagen. Denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Vorher genau informieren

Der Start in diese Ernährungsform ist nicht einfach so möglich. Es ist wichtig, sich mit den Bestandteilen der Lebensmittel auseinanderzusetzen. Schließlich sind bei dieser Form des Essens maximal 20 Gramm Kohlenhydrate am Tag erlaubt, zumindest bei der Variante, die ich gewählt hatte. Eine Scheibe Brot überschreitet bereits diese Grenze. Stellt sich die Frage: Was gibt es denn jetzt zu essen? Was ist möglich, was nicht? Das sind zentrale Fragen, die ich mir anfänglich stellte.

Zudem muss man wissen, dass die ketogene Ernährung aus etwa 6 bis 8 Prozent Eiweiß und knapp 90 Prozent Fett besteht. Diese Zahlen machen bereits deutlich, dass es zumindest zu Beginn der Umstellung ratsam ist, Unterstützung hinzuzuziehen, ggf. digital.

Einfach hineinzubeißen, ohne nachzudenken, blieb ein Traum

Tag 1 bestand demnach daraus, erst einmal eine Liste zu erstellen. Darin waren die Bestandteile Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate und Kalorien pro Lebensmittel notiert. Danach rechnete ich mir aus, welche Nahrungsmittel in welcher Kombination und Menge ich nun essen kann. Wenn ich heute daran zurückdenke, dann kann ich mir nur noch fassungslos an den Kopf greifen.

Der Traum davon, einfach irgendwo hineinzubeißen, blieb leider ein Traum. Bevor ich etwas essen wollte, musste ich das Nahrungsmittel abwiegen, an den Computer gehen und mir ausrechnen, ob dort nun zu viele Kohlenhydrate enthalten sind. Spontanität gibt es bei dieser Ernährungsform nicht. Und das ist etwas, das mir am meisten fehlt im Umgang mit der Erkrankung Diabetes.

Zudem ist diese Ernährungsform aus meiner Sicht überhaupt nicht alltagstauglich. Sich mit Freunden in ein Café oder in ein Restaurant zu setzen, macht hier leider keinen Spaß. Schließlich ist normaler Kuchen tabu, beim Hauptgericht heißt es Fleisch mit Soße und Gemüse, aber bitte die leckeren Spätzle abbestellen. Und Nachtisch ist generell verboten.

Meine besten Glukosewerte

Allerdings hätte ich diese Ernährungsform nicht mehrere Wochen durchgeführt, wenn es nichts Positives zu berichten gäbe. Bereits am ersten Tag konnte ich meinen Insulinbedarf drastisch reduzieren. Sehr zögerlich und unsicher spritzte ich nur das Langzeit-Insulin und verzichtete auf das schnelle Mahlzeiten-Insulin. Damit sparte ich mir an einem Tag mindestens dreimal das Spritzen. Dieser Teil der Umstellung war zu diesem Zeitpunkt ein wahr gewordener Traum für mich. Nur morgens und abends jeweils eine Spritze geben und den Rest des Tags befreit sein davon – auch heute noch denke ich an dieses Glücksgefühl zurück.

Und ich hatte die besten Glukosewerte während all der Jahre, in denen ich Diabetikerin bin. Wie zu Beginn erwähnt, bringt diese Ernährungsform noch weitere positive Aspekte mit sich. Ich war in den Vorlesungen konzentrierter und fiel nach dem Mittagessen nicht wie sonst in ein Mittagstief.

Da ich die ketogene Ernährung nach etwa fünf bis sechs Wochen abbrach, ist naheliegend, dass die Situation irgendwann stark gekippt war. Der Körper stellte sich auf die veränderte Energiezufuhr um. Nach mehreren Wochen wirkte die übliche Insulinrate kaum noch. Zunächst erhöhte ich die Dosis des Langzeit-Insulins, um die Glukosewerte senken zu können – leider mit wenig Erfolg. Ich begann, wieder schnelles Insulin zu spritzen. Und damit war einer der Vorteile der Umstellung nicht mehr vorhanden: der Verzicht auf das Spritzen zu den Mahlzeiten. Jedoch merkte ich auch beim schnellen Insulin, dass es nicht die gleichstarke Wirkung wie vor der Ernährungsumstellung hatte. Ich spritzte immer mehr Insulin und es passierte nichts.

Auf einmal erlebte ich eine schlechtere Insulinwirkung

Die entscheidenden Gründe, die andere Ernährungsform auszuprobieren, waren ein verbesserter Glukoseverlauf und eine Reduktion der Spritz-Frequenz. Diese Argumente waren nun nichtig. Des Weiteren ängstigte mich die schlechte Insulinwirkung. Schließlich bin ich darauf angewiesen, dass mein Körper Insulin gut aufnehmen und verarbeiten kann. Daher beendete ich die ketogene Diät.

Der erste Tag der Umstellung zurück zur bisherigen Ernährungsweise brachte extrem hohe Glukosewerte mit sich. Das hatte ich erwartet, denn nun hatte ich wieder wie üblich einiges an Kohlenhydraten gegessen. Insgeheim hatte ich die Sorge, dass das Insulin auch nach Ende der ketogenen Ernährung weiter schlecht bis kaum wirken würde. Das war zum Glück nicht der Fall. Nach ein paar Tagen kehrte die gewohnte Insulinwirkung zurück.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Zurückblickend kann ich dem Ganzen nicht nur Negatives abgewinnen. Ich bin froh, dass ich die Umstellung wagte. So konnte ich für mich und meinen Körper herausfinden, dass eine ketogene Ernährung mir nicht guttut. Die Vorstellung von einem ähnlichen Glukoseverlauf wie bei einem Menschen ohne Diabetes in Kombination mit weniger Spritzen blieb ein schöner Traum.

In all diesen Wochen setzte ich mich sehr viel mit dem Thema Ernährung auseinander und probierte eine Menge neuer Rezepte. Von diesem Wissen profitiere ich noch heute. Ich esse immer mal wieder eine Kohlenhydrat-reduzierte Mahlzeit, ohne die Bestandteile der Lebensmittel in einer Liste nachzusehen. Und mir ist noch klarer geworden: Einfach mal im Café ein Stück Kuchen zu essen, bedeutet für mich einen Moment des Glücks, den ich in meinem Leben nicht missen möchte.


von Lena Schuster

Avatar von lena-schuster

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (3) Seite 21-22

 

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  • tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 4 Wochen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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