Selbstversuch: Leberfasten – was steckt dahinter?

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Selbstversuch: Leberfasten – was steckt dahinter?

In Deutschland haben 30 bis 40 Prozent aller Menschen eine Leber, die zu viel Fett gespeichert hat. Kommen Übergewicht und Diabetes noch hinzu, sind es sogar bis zu 90 Prozent aller Betroffenen. Was lässt sich dagegen tun? Prof. Dr. Thomas Haak hat Leberfasten selbst ausprobiert und erklärt, worauf es dabei ankommt und was im Hinblick auf die Leber-Gesundheit wichtig ist.

Aus meiner Sicht sollten Ärzte nicht nur auf den Diabetes, sondern ein ganz besonderes Augenmerk auf die Gesundheit der Leber bei ihren Patienten legen. Eine unbehandelte Fettleber kann sich entzünden und langfristig sogar schwer erkranken, bis hin zum Leberzellkrebs. Dabei ist eine Fettleber im Ultraschall leicht zu entdecken. Normalerweise sollten die Leber und die Niere im Ultraschall die gleiche graue Farbe haben. Erscheint die Leber heller als die Niere, spricht dies für eine Einlagerung von Fett im Organ. Eine Fettleber sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden und es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten. Diese sind gar nicht so schwer umzusetzen, Stichwort “Leberfasten”. Doch was ist Leberfasten?

Vier einfache Bausteine zum Leberfasten

  1. Zu den wichtigsten Bausteinen des Leberfastens gehört die Aufnahme von möglichst wenigen Kohlenhydraten. Dies hält die Insulinproduktion niedrig und ermöglicht so einen effektiven Fettabbau.
  2. Ausreichend Eiweiß während des Leberfastens ist ein Muss. Genügend hochwertiges Eiweiß ist deshalb so wichtig, weil sich der Körper sonst das Eiweiß aus der Muskulatur holt. Ein Muskelabbau wäre nicht gut, denn Muskeln verbrauchen Energie. Ein Muskelabbau begünstigt nicht nur ein Schwächen des Körpers, sondern führt auch zum berühmten Jo-Jo-Effekt, der später wieder zu einer Gewichtszunahme führt.
  3. Der Fettgehalt der Nahrung sollte von hoher Qualität sein. Langkettige Omega-3-Fettsäuren zeigen positive Effekte beim Abbau der Fettleber. Auch gesunde Öle wie Olivenöl sind förderlich.
  4. Leberaktive Wirk- und Ballaststoffe wie Cholin, Beta-Glucan aus Hafer, Inulin, L-Carnitin und Taurin unterstützen ebenfalls die Behandlung der Fettleber.

Natürlich kann man sich einen Plan zum Leberfasten selbst zusammenstellen. Zwei Wochen lang sollten täglich nicht mehr als 1000 Kilokalorien gegessen werden. Die Zusammensetzung sollte so sein wie eben beschrieben. In der Praxis ist dies recht kompliziert umzusetzen. Aus diesem Grund habe ich in einem Selbstversuch das Leberfasten nach Dr. Nicolai Worm und Dr. Hardy Walle an mir selbst ausprobiert.

Leberfasten leichtgemacht

Zu diesem Zweck habe ich mir vom Unternehmen Bodymed das Hepafast-Programm für zwei Wochen bestellt. Leberfasten-Zentren, die das Programm anbieten, finden sich unter www.leberfasten.com/beratersuche. Das Programm besteht aus mehreren Dosen Pulver, in denen die genannten Wirkstoffe enthalten sind. Mit diesem Pulver, das man idealerweise in Milch, Magerquark, Kefir oder fettarmen, körnigen Frischkäse einrühren kann, bereite ich mir zwei Hauptmahlzeiten zu. Die dritte Hauptmahlzeit besteht aus großen Portionen Gemüse. Entscheidend ist aber, dass ausreichend dazu getrunken wird, am besten Mineralwasser, Kräutertee, grüner Tee, Kaffee, allerdings weder Alkohol noch Säfte oder andere Getränke mit Kohlenhydraten.

Warum tue ich mir das an?

Ich selbst hatte noch nie einen erhöhten oder krankhaften Leberwert, seit ich meine Laborwerte selbst kontrolliere. Allerdings findet sich im Ultraschall auch bei mir eine leichte Leberverfettung (siehe Abbildung oben links). Und da ich gern Dinge, die ich meinen Patienten empfehle, ausprobiere, sofern das medizinisch sinnvoll ist, habe ich auch das Leberfasten in Angriff genommen. Außerdem wollte ich wissen, wie man sich dabei fühlt, ob man leistungsfähig ist und ich das auch durchhalte.

Dank Eiweiß bin ich gut gesättigt durch den Tag gekommen

Aufgrund des hohen Eiweißgehalts beim Leberfasten sowie der regelmäßigen Eiweißshakes zu den Hauptmahlzeiten kam das Hungergefühl, mit dem ich eigentlich gerechnet hatte, nicht auf. Der Geschmack nach Vanille war ebenfalls gut und ich hatte diesen auch nach Tagen nicht über. Sofern doch einmal etwas Hunger aufkam, habe ich ihn mit ein paar Löffeln körnigem Frischkäse gestillt. Darüber hinaus konnte ich die dritte Hauptmahlzeit mit leckeren Gemüse-Gerichten decken. Rezept-Vorschläge werden gratis mit dem Pulver mitgeliefert.

Entscheidend war, dass man ausreichend trinkt. Auch das hilft, damit Hungergefühle gar nicht erst aufkommen. Interessant fand ich auch, dass ich überhaupt kein Verlangen nach alkoholischen Getränken wie dem Feierabendbier oder einem abendlichen Wein hatte. Insgesamt ließen sich die zwei Wochen problemlos durchhalten. Ich war gut gelaunt und auch die körperliche Belastbarkeit litt in keiner Weise. Sehr gespannt war ich natürlich auf den nächsten Ultraschall nach meiner 14-tägigen Leberfasten-Kur.

Wie man auf der Abbildung oben rechts sehr gut sehen kann, sind jetzt Leber und Niere im gleichen Grauton zu sehen – ein deutliches Zeichen, dass das Fett in der Leber reduziert war. Insgesamt verlor ich dabei drei Kilogramm an Körpergewicht, was ganz schön viel ist. Daher sollte man das Leberfasten auch keinesfalls länger als 14 Tagedurchführen, damit sich der Grundumsatz des Körpers nicht an die geringe Kalorienmenge anpasst.

Geht das auch mit Diabetes?

Wenn man sich die Zusammensetzung von Hepafast in einer Einzelportion von 30 Gramm ansieht, sind darin nur 1,5 Gramm Kohlenhydrate enthalten. Daher müssen nur die Kohlenhydrate in der Milch, dem Joghurt oder Kefir angerechnet werden. Dies gilt es gerade bei einer Insulintherapie zu berücksichtigen. Insgesamt empfiehlt es sich, vor Beginn des Leberfastens die Anpassungen der Therapie mit einem Mitglied des betreuenden Diabetes-Teams zu besprechen.Dies gilt auch für Menschen mit Diabetes, die Tabletten zur Behandlung einnehmen.

Ein sinnvoller Selbstversuch

Leberfasten ist wirklich zu empfehlen, allerdings nicht zur kontinuierlichen Gewichtsreduktion, aber vielleicht als Start in ein Programm zur Gewichtsreduktion. Wenn man längerfristig Gewicht abnehmen möchte und auch soll, empfiehlt es sich, die Mahlzeiten so zu gestalten, dass täglich rund 500 Kilokalorien weniger gegessen werden als üblich. Wie Abnehmen erfolgreich funktionieren kann, lesen Sie in der Rubrik “Essen und Trinken” in dieser Ausgabe.


von Prof. Dr. Thomas Haak

Avatar von thomas-haak

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (3) Seite 19-20

 

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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