Salzbewusst kochen

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© Kirchheim/Bernhard Kölsch
Salzbewusst kochen

Essen Sie gern herzhaft-pikant? Und können Sie schwer auf Salz verzichten? Damit sind Sie nicht allein, denn die meisten Menschen in unserem Land lieben es, mit Salz großzügig umzugehen. Ist es denn so tragisch, wenn der Salzstreuer über jedem Essen zum Einsatz kommt – Salz ist doch lebenswichtig? Wir geben Ihnen praktische Hilfen und Infos, wie Sie an Ihrer persönlichen Salzschraube drehen können. Das ist gar nicht so schwierig und beschert Ihnen ganz neue Geschmackserlebnisse.

Wie sieht es auf Ihrem Esstisch aus: Steht da immer der Salzstreuer und leistet eifrig seine Dienste? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das gilt auch hinsichtlich der Menge an Salz, die ins Essen kommt. Fatal ist nur, dass sich der Geschmackssinn an kräftiges Salzen gewöhnt und ein Gericht mit weniger Salz dann häufig nicht mehr schmeckt. Generell ist Salz nicht ungesund, die Dosis macht bekanntlich das Gift.

Speisesalz ist die Hauptaufnahmequelle für Natrium und Chlorid. Über Salz aus Lebensmitteln und als würzende Zutat wird der Körper zu etwa 90 Prozent mit Natrium und Chlorid versorgt. Beide Elektrolyte sind im Organismus unentbehrlich für viele Aufgaben wie Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts der Zellen oder Regulation des Blutdrucks. Ohne diese Elektrolyte wären Zellen nicht lebensfähig, Organe in ihren Aufgaben stark beeinträchtigt, der Wasserhaushalt im Körper geriete in Schieflage. Keine Sorge: Wer abwechslungsreich isst, kommt auf die erforderliche Menge.

Was passiert, wenn zu salzig ­gegessen wird?

Salz hat also wichtige Aufgaben im Körper. Warum ist es dann so wichtig, seine persönliche Salzmenge im Auge zu behalten? Wird auf Dauer zu viel davon gegessen, kann das Einfluss auf den Blutdruck haben. Das Risiko für einen Bluthochdruck steigt. Bei Dia­betes ist das besonders wichtig, denn 70 bis 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker haben gleichzeitig Bluthochdruck. Ein erhöhter Blutdruck ist wiederum ein wichtiger Risikofaktor für das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: So kann überhöhter Salzkonsum indirekt ein Risiko für solche Erkrankungen sein.

Allerdings lässt sich nicht pauschal sagen, dass alle Menschen, die sehr salzreich essen, dadurch automatisch Bluthochdruck oder womöglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekommen. Es gibt Personen mit und ohne Diabetes, die auf eine Änderung der Speisesalzmenge mit einer Veränderung des Blutdrucks reagieren: In Studien zeigte sich, dass etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck und rund 10 bis 20 Prozent der Probanden mit normalen Blutdruckwerten salzempfindlich reagierten.

Will heißen: Wird die Speisesalzmenge vermindert, kann es zur Verbesserung der Blutdruckwerte kommen. Umgekehrt gilt: Wird mehr Speisesalz genommen, können die Blutdruckwerte steigen. Außerdem übertüncht großzügiges Salzen den Eigengeschmack zahlreicher Lebensmittel. Die Geschmacksnerven nehmen zum Beispiel die Würze von Kräutern, den Eigengeschmack von Gemüse oder Getreide weniger wahr.

Zudem gewöhnt sich der Gaumen ans kräftige Salzen, sodass die Mengen sich auf Dauer unbewusst erhöhen können. Besonders kritisch ist dies bei verarbeiteten Lebensmitteln, denn diese sind in der Regel üppig gesalzen.

Ja zu weniger Salz – wie geht das?

Tun Sie sich etwas Gutes und setzen auf Frisches: Gemüse und Salat aus der Saison braucht meist weniger Salz, als aus Gewohnheit angenommen. Lassen Sie sich Zeit, denn Geschmacksnerven brauchen eine Weile, bis sie sich umgestellt haben. Und wenn Sie sich an weniger Salzreiches gewöhnt haben, werden Sie feststellen, wie übersalzen viele Lebensmittel auf einmal schmecken. Leckere Rezepttipps mit viel Eigengeschmack finden Sie auf den folgenden Seiten.

Salz im Alltag einsparen

  • Werfen Sie besonders bei Fertiggerichten einen Blick auf den Salzgehalt (zu finden in Zutatenliste und Nährwertanalyse).
  • Je weniger Zutaten und Gewürzzubereitungen im Fertigprodukt sind, desto besser ist es.
  • Fragen Sie beim Bäcker nach Broten mit weniger Salz. Besser noch: Backen Sie selbst mit ganz wenig oder ohne Salz, dafür mit Kräutern und Gewürzen.
  • Essen Sie Laugengebäck selten, dies ist besonders salzig.
  • Stellen Sie den Salzstreuer nicht auf den Esstisch.
  • Verzichten Sie auf salzige Knabbereien. Praktische Alternativen sind selbst gemachtes Popcorn oder eine Handvoll ungesalzener Nüsse.
  • Machen Sie Brotaufstrich selbst. Das hilft, salzige Wurst und Käse einzusparen.
  • Essen Sie Gemüse und Salat aus der jeweiligen Saison, dann ist sein Eigengeschmack besonders intensiv.

Weniger Salz beim Kochen

  • Paprikapulver von mild bis scharf bringt Geschmack an Gemüse, Fleisch, Saucen, Gratins, Suppen und Eintöpfe. Paprikapulver bringt beim Anbraten von Fleisch oder Soja (z. B. als Gehacktes) Farbe und Geschmack. Raffiniert schmeckt geräuchertes Paprikapulver.
  • Anis, Kurkuma, Curry und Ingwer haben einen intensiven Eigengeschmack, bringen teils Farbe und Schärfe ins Gericht.
  • Frisch geriebene Muskatnuss ist ein Allroundtalent für Gemüse, Kartoffelgerichte und Eintöpfe.
  • Chili, Pfeffer und Piment bringen Schärfe ins Gericht, von mild bis intensiv.
  • Gefriergetrocknete Zwiebeln und Knoblauchflocken verleihen intensiven Geschmack. Getrocknete Zwiebelwürfel binden dabei gleichzeitig Saucen, Suppen und Dips.
  • Kochen Sie Beuteltee wie Kräuter, Pfefferminz, Kümmel-Anis, Ingwer oder Salbei in Gemüse, Kartoffeln, Saucen oder Suppen mit. Beutelinhalte von Pfefferminz und Ingwer können auch direkt dazugegeben werden, das intensiviert den Geschmack.
  • Liebstöckel (Maggikraut) verfeinert jeden Eintopf und jede Suppe.
  • Basilikum, Rosmarin, Thymian und Oregano passen zu sämtlichen Gerichten.
  • Petersilie und Schnittlauch sind Universalkräuter, die sich für alle Gerichte eignen.
  • Dill, Minze und Melisse bringen einen Hauch Frische ins Gericht.
  • Majoran und Salbei haben einen angenehm dominanten Eigengeschmack und passen zu Fleisch, Aufläufen, Suppen und Saucen.

Wie viel darf es denn sein?

Als Orientierungswert empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Jugendlichen und Erwachsenen eine Tagesmenge von 6 g Speisesalz. Doch die Realität ist weit entfernt davon. Die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, durchgeführt vom Robert Koch-Institut (RKI), ergibt, dass etwa 80 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen zu salzig essen. Teilweise werden Salzmengen von 10 bis 15 g täglich erreicht.

Besonders salzreich essen laut RKI Männer zwischen 30 und 39 Jahren. Grund ist nicht nur kräftiges Salzen bei Tisch, sondern häufiger Verzehr von Fertiggerichten und Fast Food. Hier ist es sinnvoll, bewusster auszuwählen: wenn schon Fertiggerichte, dann am besten mit möglichst wenigen Zutaten. Beispielsweise kann man statt der fertigen Linsen- oder Bohnensuppe aus der Dose lediglich Linsen oder Bohnen in Dosen als Basis verwenden und Gemüse und weitere Zutaten wie Fleisch selbst dazugeben.

Tiefgekühltes, wenn es schnell ­gehen muss

Wenn es schnell gehen muss, bietet sich Tiefkühlgemüse ohne Zusätze (meist in Beuteln) ideal an. Insgesamt ist es empfehlenswert, so oft es geht, selbst zu kochen. Hier lässt sich das Zusalzen deutlich reduzieren zugunsten würziger Alter­nativen. Tipps dazu finden Sie in der Übersicht im folgenden Kasten.

Ein Blick auf die Zutatenliste und Nährwertanalyse bringt nicht nur Aufschluss über anrechnungspflichtige Kohlenhydrate, sondern auch, wie hoch der Salzgehalt des Lebensmittels ist. Etwa ein Viertel des täglichen Salzkonsums wird über Brot und Getreideprodukte gegessen, gefolgt von Fleisch und Wurstwaren, Käse, Fertiggerichten und Knabbereien.

Zu Beginn wird es sicher eine geschmackliche Umstellung sein, wenn plötzlich weniger Salz zum Einsatz kommt. Doch genau wie sich Geschmacksnerven an zu viel Speisesalz gewöhnt haben, können sie sich Stück für Stück auch wieder an weniger gewöhnen und jetzt auch noch neue Geschmackserlebnisse entdecken. Denn viele Lebensmittel haben ihren ganz unverwechselbaren Eigengeschmack, der sich durch kräftiges Salzen gar nicht richtig entfalten kann.


von Kirsten Metternich von Wolff

Kirsten Metternich von Wolff hat eine ernährungs­medizinische Ausbildung mit Zusatzqualifikation bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als freie Journalistin, Buchautorin und Referentin. Gesunde Ernährung bei Diabetes ist einer ihrer thematischen Schwerpunkte.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (5) Seite 76-78

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  • kety22 postete ein Update vor 6 Tagen, 11 Stunden

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 6 Tagen

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  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?