Zucker und Co in Fertig-Lebensmitteln: Zutatenlisten und Nutri-Score richtig interpretieren

5 Minuten

© Pixel-Shot - stock.adobe.com
Zucker und Co in Fertig-Lebensmitteln: Zutatenlisten und Nutri-Score richtig interpretieren

Süß – den Geschmack mag so gut wie jeder Mensch auf dieser Welt. Doch zu viel Zucker ist weder für Menschen ohne noch mit Diabetes gesund. Damit Sie sich im Dschungel rund um Zucker und Co besser und schneller zurechtfinden sowie Zutatenlisten und Nutri-Score-Angaben bei Fertig-Lebensmitteln richtig interpretieren können, helfen unsere Tipps für die Praxis.

In drei von vier industriell hergestellten Lebensmitteln ist Zucker in irgendeiner Form enthalten. Allerdings ist dies nicht immer direkt zu erkennen. Und bei manchen Produkten wundert man sich, dass auch dort Zucker oder einer seiner Geschwister mit drin ist. Deshalb werfen Sie am besten immer einen Blick auf die Nährwert-Analyse und die Zutatenliste des Produkts.

In der Liste der Zutaten ist alles aufgelistet, was im Produkt enthalten ist. Die mengenmäßig größte Zutat steht am Anfang, die weiteren Zutaten folgen in mengenmäßig absteigender Reihenfolge. Die Nährwert-Analyse zeigt, wie viel Fett und Eiweiß und wie viele Kohlenhydrate sowie wie viel davon anteilig Zucker in 100 Gramm des Produkts stecken.

Und hier liegt der Knackpunkt: In der Regel sind die Mengen für 100 Gramm und nicht zum Beispiel für einen Keks oder ein Stück Schokolade angegeben. Dies muss man dann selbst errechnen oder mit einer Küchenwaage ermitteln. Ist dabei der Nutri-Score eine Hilfe?

So viel Zucker steckt in 100 Gramm

  • Pasta-Soße: bis zu 6 Würfelzucker
  • Rohkost-Salate: bis zu 5 Würfelzucker
  • Gemüse mit Zucker, z. B. Rotkohl: bis zu 6 Würfelzucker
  • Fleisch-/Wurst-Salat: bis zu 4 Würfelzucker
  • Frikadellen: bis zu 4 Würfelzucker
  • vegetarische Alternativen zu Fleisch: bis zu 4 Würfelzucker

Nutri-Score – nur in gleichen Gruppen von Lebensmitteln vergleichbar

Seit Herbst 2020 prangt auf der Vorderseite zahlreicher verpackter Lebensmittel ein Kasten mit Ampelfarben – der Nutri-Score. Dieser ergänzt Zutatenliste und Nährwert-Analyse, die sehr klein gedruckt auf der Rückseite der Verpackung stehen. Neben Deutschland gibt es den Nutri-Score in Frankreich, Belgien, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden. Konzipiert ist er als schnelle und leichtere Orientierung bei der Auswahl der Lebensmittel.

Gedacht ist der Nutri-Score dafür, Lebensmittel in einer Gruppe zu vergleichen – also Tiefkühlpizzen untereinander, Joghurts untereinander, Käse untereinander oder Frühstücksflocken untereinander. Das wird von Verbraucherinnen und Verbrauchern immer wieder falsch verstanden, getreu dem Motto: “Wenn der Score grün ist, also A oder B auf der Skala, dann ist es ein uneingeschränkt gesundes Lebensmittel.”

Werbe-Aussagen zu Zucker

Diese Angaben auf Verpackungen unterliegen keiner gesetzlichen Definition und Hersteller verwenden sie beliebig. Hier lohnt der Blick auf Nährwert-Analyse und Zutatenliste gleich doppelt:

  • Enthält weniger Zucker
  • Ohne Zusatz von Süßungsmitteln
  • Natursüß
  • Mit Bio-Süße
  • Weniger Zucker
  • Mit der Süße aus Früchten
  • Mit Fruchtsüße
  • Mit Ursüße

Süße Produkte lieber selbst zubereiten

Statt gekaufter Konfitüre kochen Sie sie besser selbst im Verhältnis 3 : 1 (3 Teile Frucht plus 1 Teil Zucker).
Tauschen Sie fertigen Fruchtjoghurt in Naturjoghurt mit frischen Früchten oder einem Teelöffel Marmelade.
Statt Knuspermüsli zu essen, bereiten Sie besser kernige Haferflocken mit Nüssen, veganen, ungesüßten Pflanzendrinks und etwas frischem Obst zu.

Rezept-Ideen

Hirse-Blumenkohl-Auflauf mit Pute

Hirse, Blumenkohl, Möhren und Pute ergeben einen herzhaften Auflauf, der sich gut für die Alltagsküche eignet.

zum Rezept

Weitere Rezepte zum Thema:

Nutri-Score A nicht automatisch frei von Blutzucker-wirksamen Kohlenhydraten

Ein grüner Nutri-Score ist nicht gleichbedeutend damit, dass das Lebensmittel uneingeschränkt und, ohne Zucker oder Kohlenhydrate zu berücksichtigen, bei Diabetes möglich ist. So kann zum Beispiel Naturjoghurt ohne Zusätze ein grünes A oder B tragen, muss aber dennoch als Lieferant von Kohlenhydraten berücksichtigt werden. Trotzdem ist er gesünder als ein gezuckerter Fruchtjoghurt. Immer wieder gibt es Lebensmittel, die ein grünes A oder B tragen, obwohl man es hier nicht vermuten würde, zum Beispiel einige Frühstücksflocken oder Tiefkühlpizzen.

Die Einstufung des Nutri-Scores basiert auf Berechnungen, wo gesunde Inhaltsstoffe bzw. Nährwerte den tendenziell weniger gesunden gegenübergestellt und nach Formeln berechnet werden. Und hier geht es teils um Gramm-Mengen, um in der Skala weiter in den grünen Bereich zu rücken. So können beispielsweise kleine Mengen passierter Tomaten oder ein paar Nüsse im Müsli zum Sprung in die grüne Nutri-Score-Kategorie verhelfen.

Es ist insbesondere bei Diabetes also nach wie vor sinnvoll, sich auf das Kleingedruckte, also Nährwert-Analyse und Zutatenliste auf der Packung, zu verlassen. Unsere Übersicht auf der nächsten Seite zeigt, worauf es bei Lebensmitteln im Hinblick auf Zucker und Zuckerfallen ankommt.

Light, zuckerarm und Co – Kennzeichnungen entschlüsseln

Diese Bezeichnungen auf Lebensmitteln helfen dabei, bewusst Produkte mit weniger Zucker auszuwählen. Die Bezeichnungen sind für ganz Europa definiert. Steht zuckerarm (in der Landessprache) in den Niederlanden oder Spanien auf einem Produkt, entspricht es den Anforderungen wie hierzulande.

Gesetzlich und EU-weit festgelegt:

  • Energie-/kcal-/kalorienreduziert: Produkte mit diesem Hinweis müssen mindestens 30 Prozent weniger Energie enthalten als vergleichbare Lebensmittel.
  • Energie-/kalorienarm: Feste Produkte dürfen nicht mehr als 40 kcal/100 g enthalten. Für Nahrungsmittel in flüssiger Form gilt: Sie dürfen nicht mehr als 20 kcal/100 ml haben.
  • Light/leicht: Produkte mit dem Hinweis light müssen mindestens 30 Prozent weniger Energie enthalten als vergleichbare Lebensmittel.
  • Zuckerarm: Feste Lebensmittel müssen weniger als 5 g Zucker/100 g und flüssige maximal 2,5 g Zucker/100 ml enthalten.
  • Reduzierter Zuckeranteil: Produkte müssen mindestens 30 Prozent weniger Zucker als vergleichbare Lebensmittel enthalten, wobei die Energiemenge gegenüber vergleichbaren Produkten gleich oder geringer ist.
  • Zuckerfrei: Erlaubt ist der Hinweis, wenn das Produkt weniger als 0,5 g Zucker/100 g oder ml enthält.
  • Ohne Zuckerzusatz: Dem Lebensmittel dürfen kein Zucker oder süßende Zutaten wie Fruchtsüße oder Fruchtsirup extra zugesetzt werden. Enthält das Produkt von Natur aus Zucker, beispielsweise Säfte aus 100 Prozent Frucht, sollte deklariert werden: “Enthält von Natur aus Zucker”. Diese haben Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.

Wie lässt sich die individuelle Süß-Schwelle verändern?

Der süße Geschmack ist den Menschen in die Wiege gelegt. Schon die Muttermilch enthält im Schnitt rund 8 Gramm Zucker in 100 Milliliter. Doch wie stark dieses Geschmacksempfinden ausgeprägt ist, verhält sich ähnlich wie bei Salz oder scharfem Essen – es ist eine Sache der Gewohnheit. Wer sich überwiegend von Fertig-Essen oder aus der Gemeinschafts-Verpflegung versorgt, läuft Gefahr, salziger und süßer zu essen. Das fällt zunächst nicht auf. Wird aber bewusst weniger Zucker gegessen, sinkt die Schwelle fürs süße Empfinden.

Dies ist ein Grund, warum Light- und Zero-Getränke mittlerweile den Nutri-Score C und nicht mehr ein grünes A oder B tragen. Denn es geht darum, bewusst auf gesüßte Produkte und Getränke zu verzichten. Zudem empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die tägliche Menge an Zucker auf 50 beziehungsweise 25 Gramm zu beschränken, also für Stoffwechselgesunde ähnlich wie für Menschen mit Diabetes. Praktisch heißt das nicht, dass Sie jetzt keine Cola Zero/light mehr trinken können, sondern einfach bewusster genießen und den Flüssigkeitsbedarf nicht ausschließlich über Getränke decken, die mit Süßstoff gesüßt sind.

Die Lust auf Süßes lässt sich Stück für Stück verändern, zum Beispiel durch das wochenweise Verringern der Menge an Süßstoff in Kaffee und Tee und den Konsum ungezuckerter Milchprodukte, die mit frischen Früchten oder Zucker-reduzierter Marmelade zubereitet werden. Auch beim Backen können Sie Zucker-Mengen reduzieren. Etwa sechs Wochen dauert es im Schnitt, bis sich der Gaumen an weniger Süß gewöhnt hat. Probieren Sie es einfach einmal aus. Es ist ein spannendes Experiment, von dem Sie am Ende nur profitieren.

Zucker in Lebensmitteln: so kann er auch heißen

  • Agavendicksaft
  • Ahornsirup
  • Apfelsüße
  • Brauner Zucker
  • Fruchtzucker
  • Fruktose-Sirup
  • Fruktose-Glukose-Sirup
  • Fruchtsaftkonzentrat
  • Fruchtpüree
  • Glukose und Glukosesirup
  • Glukose-Fruktose-Sirup
  • Getrocknete Früchte
  • High-Fructose-Corn-Sirup (HFCS)
  • Honig
  • Inulin, Inulinsirup
  • Isoglukose
  • Invertzucker
  • Kandisfarin
  • Karamellsirup
  • Kokosblütenzucker
  • Maltose (Fachbegriff für Malzzucker)
  • Maltodextrin
  • Oligofruktose-Sirup
  • Raffinade
  • Saccharose (Fachausdruck für Rüben- und Rohrzucker, also Haushaltszucker)

Eine detaillierte Liste mit 70 Synonymen für Zucker finden Sie unter: www.herzwiese.de/zucker-und-seine-namen-in-lebensmitteln

Video: Wichtige Dinge rund um Zuckerfallen und den Nutri-Score

Kirsten Metternich von Wolff gibt Ihnen im Video praktische und hilfreiche Tipps zu Zuckerfallen und dem Nutri-Score:


von Kirsten Metternich von Wolff

Kirsten Metternich von Wolff hat eine ernährungs­medizinische Ausbildung mit Zusatzqualifikation bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als freie Journalistin, Buchautorin und Referentin. Gesunde Ernährung bei Diabetes ist einer ihrer thematischen Schwerpunkte.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2024; 73 (2) Seite 74-77

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

US-Ernährungspyramide: Mehr Schein als Sein?
Viele Menschen suchen nach Hilfestellungen zur gesunden Ernährung. Lohnt sich der Blick ins Ausland auf die Ernährungspyramide der USA? Dr. Astrid Tombek wirft in der Rubrik ÜBER Gewicht einen genauen Blick darauf.
US-Ernährungspyramide: Mehr Schein als Sein? | Foto: Seika – stock.adobe.com

2 Minuten

Satt und Blutzucker in Balance: Warum Hülsenfrüchte (gerade bei Diabetes) auf jeden Teller gehören
Gesundes Essen gehört genauso zur Diabetes-Therapie wie Blutzuckermessen und das Füße-Checken. Doch wie kann es gelingen, stets gesunde Lebensmittel auszuwählen und hierbei am Ball zu bleiben? Erbsen, Bohnen, Linsen und Co helfen, dies Wirklichkeit werden zu lassen.
Satt und Blutzucker in Balance: Warum Hülsenfrüchte (gerade bei Diabetes) auf jeden Teller gehören | Foto: Karina Klachuk – stock.adobe.com

4 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%