- Ernährung
Typ-2-Diabetes – was jetzt?!
4 Minuten
Täglich wird bei 700 Menschen hierzulande ein Typ-2-Diabetes festgestellt; vor der Diagnose schlummerte er oft schon Jahre. So auch bei Ingrid Mohn: Lange Zeit konnte sie sich nicht erklären, warum sie ständig müde und erkältet war. Ihre immer wiederkehrenden Blasenentzündungen brachte die 58-Jährige nicht mit Diabetes in Zusammenhang. Woher auch? Diabetes hatte doch eher was mit zuckerreichem Essen zu tun?! Dachte sie …
Eine Blutzucker-Testaktion in der Apotheke brachte es ans Tageslicht: “Sie haben vermutlich einen Typ-2-Diabetes”, hieß es dort. Ingrid Mohn bekam die Empfehlung, ihre Werte beim Hausarzt erneut überprüfen zu lassen – mit gleichem Ergebnis. Das war ein ganz schöner Schock für die etwas rundliche Endfünfzigerin.
Dinge schwirrten ihr im Kopf herum wie: Was kommt jetzt auf mich zu? Muss ich auf sämtliche Leckereien verzichten? Wie komme ich im Alltag damit zurecht? Von hausärztlicher Seite hieß es, dass sie abnehmen und möglichst keinen Zucker und allgemein nicht so viel Brot, Kartoffeln und Reis essen sollte. Das saß fürs Erste – ganz schön viele Verbote auf einmal. Eine Diabetesschulung brachte Aufklärung und ließ sie im Nachhinein aufatmen. Denn so schlimm war alles gar nicht, wie sich später herausstellte.
Essen und Trinken müssen auch bei Diabetes Spaß machen
Nach zwei aufreibenden Wochen war es endlich so weit: Ingrid Mohn saß im Schulungsraum einer Arztpraxis mit sechs anderen Betroffenen mit ähnlichem Schicksal. Nach einer kurzen Vorstellung ging es direkt ins Thema: Da hieß es, dass noch vor wenigen Jahren vielen Erkrankten eine strenge Diät empfohlen wurde. Kaum eine Obstsorte, wenige Kartoffeln und gar keinen Zucker durfte die Kost enthalten.
Dank einer Fülle nationaler und internationaler Studien muss das heute nicht mehr sein. Bewährt hat sich dazu beispielsweise eine mediterrane Kost. Und die können sämtliche Familienmitglieder auch essen, ganz gleich, ob mit oder ohne Diabetes.
Modernes Essen bei Typ-2-Diabetes
Grundbaustein einer modernen Kost für Menschen mit Typ-2-Diabetes ist demnach die Veränderung des Lebensstils. Zuallererst ist es wichtig, individuelle Wünsche zu berücksichtigen, denn es geht darum, dauerhaft danach zu leben. Bei den meisten Typ-2-Diabetikern ist es außerdem nötig, dass sie ihr Essverhalten langfristig hin zur gesunden abwechslungsreichen Kost verändern und dabei Übergewicht abbauen. Denn jedes verlorene Kilo wirkt sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus. Beschwerden und auch die Gefahr von Folgeerkrankungen sinken.
Wichtig: Betroffene sollten vor dem Abnehmen auch auf ihren (normalen) Blutdruck achten– neben dem Streben nach normnahen Blutzuckerwerten.
Das klingt nach einem Haufen Arbeit und Disziplin, dachte sich Ingrid Mohn. Und in der Tat sind Veränderungen der Gewohnheiten schwierig und mühselig. Doch mit Geduld, professioneller Unterstützung (Schulung) und dem nötigen Durchhaltevermögen klappt es. Auch wenn es Tage mit schlechten Blutzucker- und Blutdruckwerten, zu wenig Bewegung oder zu viel Naschen gibt: Am nächsten Tag gilt es, wieder weiterzumachen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.
Kleinste Veränderungen tun Körper und Seele gut
Nach den ersten Schulungseinheiten ist die 58-jährige motiviert, etwas für sich und ihr Wohlbefinden zu tun. Zum Frühstück isst sie in der Woche täglich ein Müsli, das sie sich selbst anrührt aus Vollkorngetreideflocken, fettarmem Naturjoghurt und einem Stück frischem Obst. Am Wochenende gönnt sie sich seither ein Körnerbrötchen mit geräuchertem Lachs und auf der anderen Hälfte etwas zuckerreduzierter Konfitüre.
Sahnesaucen, die sonst ans Gemüse kamen, hat sie gegen etwas gekörnte Gemüsebrühe und einen Schuss fettreduzierte Sahne getauscht. Mittlerweile gibt es nicht mehr täglich Fleisch, dafür zweimal pro Woche gedünsteten oder gegrillten Fisch, einmal etwas Fettarmes vom Rind oder Schwein und Geflügel. Den Großteil auf dem Teller machen jetzt Gemüse und Salat aus.
Einzig, die Menge an Nudeln und Reis zu reduzieren, fällt ihr noch schwer. Als Faustregel hieß es in der Schulung: 75 g Nudeln oder Reis trocken oder 150 g gekocht sind zum Abnehmen für eine Portion ausreichend. Abends gibt es bei Familie Mohn mittlerweile Vollkornbrot und immer auch einen Salat oder Rohkost dazu. Am Wochenende gönnt sie sich ein Glas trockenen Wein.
Nach einem Monat spürt Ingrid Mohn erste Erfolge: Die Hose kneift nicht mehr so stark, und die Endfünfzigerin fühlt sich irgendwie fitter. Doch manchmal knurrt ihr Magen schon ziemlich. Dazu gab es in der Schulung auch ein paar Tipps: erst einmal ein Glas Sprudel trinken und einen Moment abwarten. Kleine Snacks sättigen: wie Kirschtomaten, Karotten und Gurkenstreifen, etwas Beerenobst oder ein fettarmer Naturjoghurt mit einem Spritzer Flüssigsüßstoff, etwas gemahlener Vanille oder Zimtpulver. Auch, in Bewegung zu bleiben, hilft über so manches Hungerloch hinweg.
Nach weiteren acht Wochen gehört auch eine kleine Bewegungseinheit zum neuen Leben von Ingrid Mohn: Entweder radelt sie auf ihrem Ergometer der Tagesschau entgegen oder macht 10 Minuten Morgengymnastik. Ein großes Lob bekommt sie von ihrem Hausarzt: Der Langzeitblutzuckerwert hat sich von 7,5 auf 6,8 Prozent reduziert.
Auch wenn es noch ein längerer Weg ist, weitere 14 Kilo abzunehmen, ist Ingrid Mohn motiviert, so weiterzumachen wie im vergangenen Vierteljahr. Denn sie fühlt sich einfach besser und weiß, dass sie aktiv etwas für sich tut. Ein gutes Gefühl für Körper und Seele.
Gesund essen und trinken bei Typ-2-Diabetes: So geht’s
90 Prozent aller Diabetiker haben einen Typ-2-Diabetes. Übergewicht, erhöhte Blutdruck- und Blutfettwerte sind typisch. Deshalb wird er auch als Lifestyle-Diabetes bezeichnet. Denn bei dauerhaften Veränderungen der Lebensgewohnheiten bessern sich meist sämtliche Stoffwechselwerte.
Es ist nie zu spät, etwas für sich und seinen Körper zu tun – ganz gleich, wie lange der Diabetes schon bekannt ist. Wichtig sind realistische Ziele, die man auch umsetzen kann. Der Austausch mit Gleichgesinnten, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, ist für viele Betroffene eine wichtige Möglichkeit, am Ball zu bleiben.
Therapieziele
- Lebensstil verändern
- Normalgewicht anstreben
- Blutzuckerzielwerte erreichen
- gesunder Langzeitblutzuckerwert (HbA1c)
- Bluthochdruck senken
- Blutfettwerte im Normbereich
- regelmäßige Alltagsbewegung
- 3 sportliche Einheiten zu je 30 Minuten in der Woche
Essen bei Typ-2-Diabetes
- Kalorienmenge individuell anpassen
- Übergewicht vermeiden oder langfristig reduzieren
- keine Crash-Diäten
- drei große oder sechs kleine Mahlzeiten täglich, je nach Therapie und individuellen Wünschen
- täglich mindestens 40 bis 50 Prozent der Kalorien in Form ballaststoffreicher Kohlenhydrate
- bevorzugt fettarme Lebensmittel auswählen
- Pflanzenfette wie Margarine und Öl bevorzugen
- tägliche Gesamtfettmenge 70 bis 80 g
- tägliche Gesamtfettmenge zum Abnehmen: 40 g
- täglich 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht
- zweimal pro Woche Fisch statt Fleisch
- ballaststoffreich essen: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Rohkost, Salat
- drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst täglich
- wenn überhaupt: täglich max. 20 bis 30 g Zucker (auch in zuckerhaltigen Lebensmitteln)
- mindestens 1,5 bis 2 Liter kalorienfreie Flüssigkeit täglich
- Alkoholgenuss in Maßen, nach Rücksprache mit dem diabetesbehandelnden Arzt
von Kirsten Metternich
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (8) Seite 74-78
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 18 Stunden
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann? -
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 1 Woche
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”
Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….