Auf der Suche nach dem perfekten Kompromiss

2 Minuten

Community-Beitrag
Auf der Suche nach dem perfekten Kompromiss

Tine Trommer lebt in Berlin und bloggt über ihren Diabetes, auch für die Blood Sugar Lounge. In dieser neuen Kolumne schreibt sie über das Leben einer jungen Frau mit Diabetes in der Metropole – mit allem, was dazugehört.

Im Herbst und Winter muss ich mich regelrecht zwingen, nach draußen zu gehen. Sobald sich aber die ersten warmen Sonnenstrahlen zeigen, findet alles an der frischen Luft statt. Draußen essen, arbeiten, erholen, Freunde treffen, feiern, tanzen – leben!

Wohin mit dem Diabetes-Kram im Sommer?

Mein Typ-1-Diabetes ist im Frühling und Sommer natürlich mit von der Partie, dieses Jahr bereits zum vierten Mal. Auch wenn ich inzwischen ausgeklügelt habe, wie sich mein Blutzucker während der wärmeren Tage verhält, komme ich mir bei manchen Themen wie eine Anfängerin vor. Zum Beispiel beim Thema Diabetes-Kram durch die Gegend schleppen.

Als junge Frau mit Diabetes muss man da gerade in der wärmeren Jahreszeit Kompromisse eingehen, denn Jeanshosen haben meist nur winzige Hosentaschen, Kleider oft gar keine, und eine schwere Tasche herumzutragen, passt nicht immer. Das mit den Kompromissen ist so eine Sache beim Diabetes: ganz individuell, so viele wie nötig, aber so wenige wie möglich, um ein relativ normales Leben zu führen.

Selbst die winzige Tasche hat gestört beim Tanzen

Letztens war ich auf einem Open-Air-Konzert und trug ein Kleid. Meine relativ kleine Handtasche hing quer über meiner Schulter. So weit, so gut. Spätestens beim Tanzen in der Menschenmenge hat sie mich trotz ihrer Größe und mit ihren Bewegungen extrem gestört. Ich hatte nur eine winzige Tasche und das Nötigste dabei: Sensor-Lesegerät, Pens, Hypohelfer, Geld, Schlüssel, Handy – weniger geht nicht.

So begann ich, nach dem Konzert über Taschen für meinen Kram nachzudenken, mit Blick auf den Sommer und die vielen Outdoor-Konzerte, Festivals und Sommeroutfits ohne Hosentaschen und Jacken. Wie macht ihr das im Sommer?

Die Lösung: olle und eigentlich gehasste Bauchtaschen

Ich landete auf der Suche nach einer Lösung vor allem in Secondhandshops und entdeckte bei Menschen in Berlin die ollen und eigentlich gehassten Bauchtaschen. Ein Relikt der 80er und 90er, die ja eigentlich im Moment durchaus wieder “in” sind. Bauchtaschen sind genau betrachtet relativ flach, bieten Platz für das Nötigste und können auf vielerlei Weisen getragen werden, so dass sie beim Gehen und Tanzen nicht stören. Schnell war aufgrund dieser Tatsachen meine anfängliche Skepsis wie weggeblasen und ich besorgte mir mehrere Bauchtaschen.

Und auch wenn viele meinen Hype im Moment nicht verstehen können (ich weiß, der Look ist im Alltag wieder gewöhnungsbedürftig): Die Bauchtasche hat mir einen gewissen Grad an Flexibilität zurückgegeben, so dass mein Leben nun wieder ein Stück normaler und einfacher sein kann, mit Diabetes im (Bauch-)Gepäck. Und das ist doch die Hauptsache, oder?

Eure Tine

Martina „Tine“ Trommer lebt seit vielen Jahren in der Hauptstadt, bloggt seit ihrer Diabetesdiagnose 2013 unter www.icaneateverything.com sowie für die Blood Sugar Lounge und schreibt jetzt auch regelmäßig an dieser Stelle über ihr Leben mit Diabetes in Berlin. Der Diabetes hat sie selbstständiger und mutiger gemacht.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (7) Seite 44

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Sonderfolge zum Thomas-Fuchsberger-Preis 2026: Im Gespräch mit Alexander „Sandy“ Kikelj
Für sein Engagement rund um DIY-Closed-Loop-Systeme wurde Alexander „Sandy“ Kikelj mit dem diesjährigen Thomas-Fuchsberger-Preis ausgezeichnet. Im Diabetes-Anker-Podcast erzählt der Betreiber des YouTube-Kanals „Sandy’s Diabetes Loop“, wie er die Technik für Laien verständlich macht und was ihn dazu motiviert hat.
Diabetes-Anker-Podcast | Sonderfolge zum Thomas-Fuchsberger-Preis 2026: Im Gespräch mit Alexander „Sandy“ Kikelj | Foto: Dirk Deckbar / diabetesDE / MedTriX

2 Minuten

Versorgung mit DMP auf dem Prüfstand: 628 Seiten und der entscheidende Vergleich fehlt
KI-generiertes Bild einer Person, die mit einer Lupe einen umfangreichen Bericht mit Diagrammen prüft. Auf dem Laptop sind weitere Grafiken zu sehen; in einem Notizbuch steht: „Vergleichsgruppe nicht vorhanden?“.

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?