Danke? Wofür auch?!

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Danke? Wofür auch?!

Auch Ärzte freuen sich über Anerkennung und Dankbarkeit, denn persönliche Zuwendung und ein menschlicher Umgang sind nun mal keine Kassenleistung, findet Dr. Hans Langer.

“Ach ja, und dann brauche ich noch eine Krankmeldung für 10 Tage”, so beendet mein Patient Heinz M. das Abschlussgespräch an seinem letzten Tag in unserer Klinik. In den letzten 14 Tagen haben wir sein völlig entgleistes Metabolisches Syndrom wieder gut in den Griff bekommen. Blutdruck in Ordnung, Blutzucker stimmt, Fettwerte deutlich besser – also ein voller Erfolg. Auch weiß er nun das Neueste über Diabetes.

Schon mal das Wort “danke” gehört?!

Eine Forderung zum Abschluss ist das Übliche, wenn Patienten unsere Klinik verlassen. Gern wird auch Kritik geübt wie von Frau S., die mir am Ende der Behandlung unbedingt noch einmal mitteilen muss, dass die Obstauswahl beim Nachtisch ihr manchmal zu einseitig war. Schon mal das Wort “danke” gehört?!, frage ich mich da innerlich. Danke dafür, dass die Behandlung gut gelaufen ist; danke dafür, dass alle Mitarbeiter ihr Bestes gegeben haben, um den Patienten dort abzuholen, wo er steht – und medizinisch zu begleiten, bis er sein Therapieziel erreicht hat.

Ja, ein kleiner Dank, das wäre toll. “Früher war sowieso alles besser”, sagt mein Chef immer, wenn ich mich darüber unterhalte. Klar, früher waren viele Dinge anders: Man war dankbar, dass eine Behandlung gut gelaufen war und hat der Diabetesberaterin Pralinen geschenkt; wir Ärzte konnten meist die vielen Weinpräsente gar nicht nach Hause tragen, weil zum Ende der Behandlung eine Flasche Wein oder Sekt als Dank einfach dazugehörte.

Mehr Kunde als Patient?

Dies ist offenbar nicht mehr üblich. Schließlich ist man ja krankenversichert – und die Ärzte kriegen bestimmt viel Geld dafür, dass man ihnen die Möglichkeit gibt, Patienten, die ins Haus kommen, zu behandeln. Der Kunde ist halt König. Und die meisten, die zu uns in die Klinik kommen, fühlen sich als Kunden. Alle? Nicht alle: Gestern bedankte sich doch die betagte Frau H., indem sie mir einen langen Brief geschrieben hatte; alles, was ihr gut gefiel, hatte sie darin erwähnt: die Zuwendung, die Freundlichkeit, die Sauberkeit der Klinik. Und sie sagte, dass sie das sehr zu schätzen wisse.

Man soll es nicht glauben: Ihre Enkelin hatte sogar eine Flasche Sekt kaufen müssen, die sie mir liebevoll verpackt überreichte. Solche Momente freuen mich wirklich. Nicht, dass ich Geschenke erwarten würde, aber Anerkennung und Dankbarkeit sind ein guter Lohn und entschädigen für all die anderen, die meinen, dass persönliche Zuwendung und ein menschlicher Umgang Kassenleistung sind.


von Dr. Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (2) Seite 84

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